27. Juni 2011

Diabetes breitet sich in Deutschland weiter aus

Eine neue Langzeit-Studie belegt die starke Zunahme von Diabetes in Deutschland: Innerhalb von nur acht Jahren wurde bei rund zwei Millionen Menschen die Zuckerkrankheit neu diagnostiziert. Waren im Jahr 2000 noch 5,36 Millionen Deutsche wegen Diabetes in Behandlung, so stieg diese Zahl kontinuierlich an auf 7,33 Millionen im Jahr 2007. Auch die Diabetes-bezogenen Krankheitskosten wuchsen stetig und betragen inzwischen 10 Prozent aller Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung.  Diese Trends zeigen Langzeitdaten der „Costs of diabetes mellitus” (CoDiM)-Studie, die jüngst in der Zeitschrift Experimental and Clinical Endocrinology & Diabetes erschienen ist.¹

In der CoDiM-Studie werden die Erkrankungshäufigkeit und Kosten des Diabetes in Deutschland untersucht. Grundlage dafür sind pseudonymisierte Krankenkassendaten der AOK Hessen, aus denen die PMV-Forschungsgruppe an der Universität Köln die Zahlen für Gesamtdeutschland hochrechnet. Im Unterschied zu vielen anderen Studien ist es mit der bei CoDiM angewendeten Methode möglich zu berechnen, wie hoch die durch Diabetes und seine Folgeschäden verursachten spezifischen Kosten im Vergleich zu den Kosten von vergleichbaren Versicherten ohne diese Erkrankung sind.

So zeigt die CoDiM-Auswertung für die Jahre 2000 bis 2007, dass die gesamten medizinischen Kosten für einen Versicherten mit Diabetes das 1,8-Fache im Vergleich zu einem durchschnittlichen Versicherten ohne diese Stoffwechselkrankheit betragen. Dieser Faktor blieb im Untersuchungszeitraum annähernd konstant.

Die Ausgaben der Krankenkasse für einen Dia­be­tes­­patienten stiegen in acht Jahren nur sehr gering: Mit einer Zunahme der Diabetes-spezifischen Kos­ten um 8,5 Prozent lagen sie unterhalb der Inflationsrate und weit unterhalb des Anstiegs der Krankenkassen-Ausgaben für einen durchschnittlichen Versicherten (hier betrug der Kostenanstieg 14,7 Prozent).

Bezogen auf Deutschland insgesamt sind die Diabetes-spezifischen Kosten innerhalb von acht Jahren um rund 50 Prozent gestiegen. Allein die gesetzlichen Krankenversicherungen gaben für Diabetes im Jahr 2007 mehr als 19 Milliarden Euro aus, das sind zehn Prozent ihres Budgets. Verantwortlich dafür ist vor allem die starke Zunahme der Erkrankungszahlen (plus 37 Prozent).

Die CoDiM-Langzeit-Auswertung wurde durch eine Projektförderung des Nationalen Aktionsforums Diabetes mellitus (NAFDM) und des Diabetesspezialisten Novo Nordisk ermöglicht.

¹ Köster I, Huppertz E, Hauner H, Schubert I: Direct costs of diabetes mellitus in Germany - CoDim 2000-2007. Experimental and Clinical Endocrinology & Diabetes 2011; 119(6): 377–385.