14. September 2011

Themenschwerpunkt Berufspolitik – Perspektiven für die Orthopädieschuhtechnik

Das Berufsbild des Orthopädieschuhtechnikers befindet sich derzeit in einem starken Wandel, machte Werner Dierolf, Präsident des Zentralverbandes für Orthopädieschuhtechnik, auf dem Fachkongress der 1. Orthopädie Schuh Technik klar. Doch gerade in Zeiten, wo immer mehr Serienartikel entstehen, werde das Wissen und Können des Orthopädieschuhmachers gebraucht. „Die Beratung, die Kontrolle und die Abgabe von Hilfsmitteln kann nur derjenige qualitativ hochwertig leisten, der individuelle Hilfsmittel selbst fertigen kann,“ so Dierolf. Dabei warf er auch einen kritischen Blick auf den Bachelorabschluss, der aus seiner Sicht nicht auf handwerkliche Grundfertigkeiten und die praktische Ausbildung im Betrieb verzichten dürfe.

Um in der Zukunft erfolgreich zu sein, sei nicht die Größe, sondern die Struktur der Betriebe entscheidend. „Aus meiner Sicht liegt in Kooperationen die Zukunft unseres Handwerks“, betonte Dierolf. Insbesondere die Vernetzung mit anderen Betrieben – beispielsweise in Produktionsabläufen – könnte auch kleinere Betriebe fit für die Zukunft machen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit – etwa mit Podologie, Physiotherapie oder Sportschuhhandel – erweise sich schon jetzt als erfolgreiches Konzept fortschrittlicher Betriebe.

Orthopädieschuhtechnik und Orthopädietechnik mit gemeinsamer Ausrichtung
Mit Klaus Jürgen Lotz, dem Präsidenten des Bundesinnungsverbandes für Orthopädietechnik, war sich Dierolf einig, dass Orthopädieschuhtechnik und Orthopädietechnik gemeinsam stark sind – wenn sie sich als Partner verstehen und „nicht einer den anderen kaufen will“.

Klaus Jürgen Lotz betonte seinerseits, dass aus seiner Sicht die Zukunft von Orthopädietechnik und Orthopädieschuhtechnik im Fachwissen liege – und in der individuellen Erfüllung von Patientenwünschen. Es sei äußerst fraglich, ob in Zukunft noch der Facharzt die Versorgung bestimme – wichtig sei daher, dafür zu sorgen, dass die Hilfsmittelfertigungen „noch durch unsere Hände gehen“, so Lotz, „und nicht durch die Hände der Putzfrau“. Er plädierte für eine Versorgung, die sich nicht allein vom Kostenträger abhängig macht: „Wir müssen uns vom Freifahrtschein Rezept lösen“, meinte Lotz. „Und wenn wir da mit Orthopädieschuhtechnik und Orthopädietechnik keine gemeinsame Front bilden, haben wir keine Chance.“

Jetzt auf Senioren einstellen
Dass die demografische Entwicklung durchaus positive Perspektiven für das Berufsbild bietet, machte Dr. Darius Khoschlessan klar. Doch dass die steigende Lebenserwartung zu mehr potenziellen Patienten führt, ist nur die eine Seite der Medaille. So habe man sich darauf einzustellen, dass immer mehr Leistungen aus dem System der Gesetzlichen Krankenkassenversicherungen ausgegliedert werden – ganz einfach, weil der volle Versorgungsumfang von den Krankenkassen nicht mehr zu leisten sein werde. „Das wird stillschweigend umgesetzt werden“, so Khoschlessan, „das sagt natürlich kein Politiker laut.“ Er riet, sich schon jetzt auf die stetig wachsende Zielgruppe der Senioren einzustellen – der Zeitpunkt sei jetzt, wo noch nicht viel Konkurrenz im Seniorenmarkt herrsche, günstig.

Die Internationale Zusammenarbeit wächst
Zur Zukunftsausrichtung der Orthopädieschuhtechnik gehört auch die internationale Vernetzung. Dies machten Rudolf Jutz, Präsident des Internationalen Verbandes der Orthopädieschuhtechniker (IVO) und Karl Heinz-Schott, Vizepräsident des IVO deutlich. Sie legten die Ziele des IVO dar und berichteten über den Stand des Berufsbildes in verschiedenen Ländern. Mit einladenden Bildern und einem Vorgeschmack auf das Programm lud Karl-Heinz Schott zum IVO Kongress 2012 in Australien ein. Die Zeitschrift Orthopädieschuhtechnik bietet hierzu eine Leserreise an.