14. September 2011

Fachkongress Orthopädie Schuh Technik: Neue Sichtweisen auf altbekannte Probleme

Unter diesem Motto stand der zweitägige Fachkongress, der die Messe begleitete. Wissenschaftler und Orthopädieschuhtechniker diskutierten neue Lösungen zu Fußbeschwerden und Versorgungen, die zum täglichen Brot des Orthopädieschuhmachers gehören. Besonders wichtig war es den Veranstaltern, Wissenschaft und Handwerk miteinander ins Gespräch zu bringen. Aktuelle Erkenntnisse aus der Wissenschaft – zum Beispiel über die Bedeutung des unteren Sprunggelenks, über die Spiraldynamik, die Wirkung von Einlagen oder Methoden der Ganganalyse – wurden ebenso vorgestellt wie praktische Versorgungsbeispiele mit Maßschuhen und Einlagen.

Interdisziplinäre Gestaltung

Auf positive Resonanz stieß das Konzept, Themenblöcke zu übergreifenden Problemstellungen interdisziplinär zu gestalten. Gleich drei Blöcke gab es zum Fuß- und Sprunggelenk. Die Sichtweisen reichten von der Spiraldynamik über Biomechanik und Sportwissenschaft bis hin zu Chirurgie, Orthopädie und Neurologie. Besondere Aufmerksamkeit fand dabei das untere Sprunggelenk: Prof. Wilfried Alt zeigte, dass die individuelle Lage der Achse des unteren Sprunggelenks nach jüngsten Forschungsergebnissen entscheidend für einige Verletzungen und Überlastungsschäden ist – die weit reichende Bedeutung dieser Achse wurde lange Zeit nicht erkannt. Dr. Franz Landauer vermittelte altersspezifische Krankheitsbilder des Unteren Sprunggelenks – und stellte die orthopädieschuhtechnische Versorgung unter biomechanischen Gesichtspunkten dar. Dr. Matthias Klotz erklärte die Auswirkung neurologischer Erkrankungen auf das untere Sprunggelenk.

Spezielle Krankheitsbilder
Auch das Krankheitsbild der Gonarthrose wurde interdisziplinär betrachtet – von den Ursachen und konservativen Behandlungsmöglichkeiten (Prof. Bernhard Greitemann) über die Frage, was State of the Art in der operativen Behandlung ist (Dr. Casper Grim) bis hin zur orthopädieschuhtechnischen Versorgung (OSM Beat Amann und Prof. Bernhard Greitemann). Im interdisziplinären Themenblock Vorfußprobleme behandelte Dr. Michael Gabel die nicht immer leicht zu entscheidende Frage, wann konservativ versorgt werden kann und wann eine OP angezeigt ist. Dr. Alexander Sikorski appellierte an Orthpädieschuhtechnik und Chirurgie, dass Vorfuß- und Rückfußprobleme immer im Zusammenhang zu sehen sind – nur wenn Anatomie und Biomechanik des Rückfußes mitberücksichtigt werden, können Vorfußprobleme erfolgreich therapiert werden. OSM Jürgen Stumpf steuerte die orthopädieschuhtechnischen Lösungen für spezielle Vorfußprobleme bei.

Wirken Einlagen?
Einlagen wirken – aber kann ich dies auch wissenschaftlich nachweisen? Diese für das Handwerk Orthopädieschuhtechnik wichtige Frage, muss nach dem Kongressblock „Einlagen – Wirkung und Wirkungsnachweise“ eindeutig bejaht werden. Die Referenten Prof. Bernhard Greitemann, Michael Jahn, Thomas Stief und Johanna Sudholt präsentierten den Zuhörern kleine Teilaspekte diverser groß angelegter, teilweise noch nicht publizierter Studien, die die Wirkung von Einlagen differenziert untersuchen. Ob die Krankenkassen sich dieser Meinung dann anschließen, wird sich erst nach den Veröffentlichungen der verschiedenen Studien in den großen Fachzeitschriften feststellen lassen.