15. September 2011

Raffinierte orthopädieschuhtechnische Lösungen auf dem Fachkongress

Auf besonders großes Interesse des Fachpublikums des Kongresses auf der 1. Orthopädie Schuh Technik stießen die handwerklichen Versorgungen. Da bei anderen Kongressen der Branche häufig der Wunsch nach stärker praxisorientierten Vorträgen zu hören gewesen war, nahmen die handwerklichen Themen im Kongresskonzept einen besonderen Schwerpunkt ein. Den Auftakt machte gleich die Königsdisziplin der Orthopädieschuhtechnik: Sechs Orthopädieschuhtechniker präsentierten Maßschuhe für besonders schwierige Fälle.

OSM Sorella Petters zeigte eine Versorgung für eine Patientin, die nach einem Trauma am rechten Fuß und Unterschenkel eine großflächige Hauttransplantation bekommen hatte. OSM Sven Graumann löste die schwierige Aufgabe, einem Sportler mit einem Laufpensum von 40 Kilometern pro Woche einen zum Tanzen geeigneten „Anzugschuh“ zu fertigen – angesichts des ausgeprägten Spreizfußes mit extremem Hallux valgus, Hammer- und Krallenzehen, Druckstellen und Schwielen bestand die besondere Herausforderung darin, eine elegante Spitze zu fertigen.

OSM Ruth Häbry stellte eine Maßschuhversorgung für eine Patientin vor, die unter Rheuma, Diabetes, Asthma und Krebs litt. Hier musste eine Lösung für einen Fuß mit versteiftem, mehrfach verschraubtem Talo-navicular-Gelenk gefunden werden. Hohen optischen Ansprüchen unter erschwerten Bedingungen gerecht werden musste OSM Michael Volkery, der bei einer jungen Frau eine schwere Fersenbeinfraktur zu versorgen hatte. Freche rote und schwarze Motorradstiefel fertigte OSM Sybille Hahn-Wienhold für eine Patientin, die durch einen schweren Motorradunfall Polytraumata im Fuß- und Beinbereich, eine Versteifung des Großzehengrundgelenks und des unteren Sprunggelenks erlitten hatte. OSM Philip Zech schaffte es, einer Patientin im Wachkoma mit einem orthopädischen Maßschuh das Stehen und – mehr als gefordert - sogar einige Schritte zu ermöglichen.

Ein Versorgungsfall – vier orthopädieschuhtechnische Lösungen
Für leidenschaftliche bis hitzige Diskussionsbeiträgen des Fachpublikums sorgte Dr. Franz Landauers Idee, vier Orthopädieschuhmacher unterschiedliche Einlagenkonzepte anhand eines kindlichen Knick-Senk-Fußes präsentieren zu lassen. Hierzu hatte er den Referenten im Vorfeld klinische und radiologische Unterlagen und einen Trittschaum des Patienten zur Verfügung gestellt. OSM Bernd Kell stellte eine Lösung mit Jurtin-Medical Einlagen vor, die nach dem Konzept der Spiraldynamik arbeiten. OSM Marc André Villiger stellte sehr differenziert seine Entscheidungsfindung in der individuellen Einlagenversorgung vor. OSM Frank Starke präsentierte mit einer Schaleneinlage die „klassische“ orthopädieschuhtechnische Lösung. In solchen Fällen, erklärte er, sei für ihn jedoch meist eine sonsomotorische Versorgung die erste Wahl. Die werde jedoch häufig nicht von den Krankenkassen bezahlt. Wie der kindliche Knick-Senk-Fuß mit einer sensomotorischen Einlage therapiert werden kann, veranschaulichte OSM Franz Fischer.

„Das Schöne an diesem Kongress ist, dass im Publikum so viel Fachwissen vorhanden ist, dass fast jeder sich hier ans Rednerpult stellen könnte“, brachte es Dr. Franz Landauer auf den Punkt. So war der Kongress geprägt von lebendigen Diskussionen und fachlichen Auseinandersetzungen, die ebenso wie die Referentenbeiträge zu neuen Sichtweisen auf altbekannte Probleme beigetragen haben.