21. Februar 2022
Mit dieser Versorgung konnte Jonas Kauling die Jury des PLW überzeugen. Die Schuhe wurden für einen Patienten mit einem Spitz-Klumpfuß links angefertigt. Foto: C. Maurer Fachmedien

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CHRISTINA BAUMGARTNER
 
Jonas Kauling wurde erster Bundessieger im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW). Der 20-Jährige konnte die Jury mit sportlichen Schnürschuhen überzeugen. Die Besonderheit: eine Doppelverschalung.
Da er als Kind und Jugendlicher selbst Einlagen getragen hatte, kam Jonas Kauling schon früh mit dem Beruf des Orthopädieschuhmachers in Kontakt. „Ich wollte einen handwerklichen, kreativen Beruf ergreifen“, erzählt der 20-Jährige, der als Geselle bei Gesunde Schuhe Gebhardt in Emsdetten im Münsterland arbeitet.  Nach einem Schulpraktikum konnte er dort im August 2017 seine Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher beginnen. 2021 folgte dann der Sieg auf Bundesebene beim Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW).
 

„Da gab es schon interessierte Blicke“

Die Schuhe fertigte er für einen Patienten mit einem Spitz-Klumpfuß auf der linken Seite an. „Die Idee war, den Spagat zwischen modernem Schuh und klassischem Orthopädiehandwerk zu schaffen. Ich habe versucht, die Schuhe sportlich zu gestalten wie bei einem Sneaker, dennoch sollte es optisch kein Modell für einen 16-Jährigen werden“, erzählt Jonas Kauling.
 
Verarbeitet wurden hauptsächlich Leder und EVA sowie etwas Kork. Die Besonderheit? Die Doppelverschalung. „Da gab es schon interessierte Blicke seitens der Prüfer, als ich die zweite Schale auch noch an den Schuh gebaut habe“, erinnert sich Kauling. ­Eine Schwierigkeit dabei sei es gewesen, die Doppelverschalung so hinzubekommen, dass sie auf beiden Seiten gleichmäßig aussieht.
 

Jonas Kauling startete 2017 seine Ausbildung bei Gesunde Schuhe Gebhardt in Emsdetten. Heute ist er dort als Geselle tätig – und mit seiner Berufswahl rundum zufrieden. 
Foto: Christian Gebhardt„Und dann war ich schon mit dabei“

Vom Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks hatte er von Klassenkameraden und Lehrern erfahren: „Und dann war ich schon mit dabei“, erzählt Kauling. In den Wettbewerb selbst sei er ohne besondere Erwartungen gegangen: „Mir persönlich war wichtig, mit meiner Arbeit zufrieden zu sein“, meint der 20-Jährige. Er habe großen Wert darauf gelegt, dass die einzelnen Arbeitsschritte ruhig und bedacht ausgeführt werden und am Ende die Ästhetik stimmt. Besonders schön sei es gewesen, als nach und nach die Briefe ins Haus trudelten – vom Sieg auf Kammer- über die Landesebene bis hin zum Bundeswettbewerb. „Toll war auch dieser Moment, als der Schuh fertig war – und das Gefühl, es geschafft zu haben“, erinnert sich Kauling.
 
Mit seiner Entscheidung für den Beruf ist er bis heute sehr zufrieden. „Mal sehen, was die Zukunft bringt“, sagt der junge Orthopädieschuhmacher, der zunächst noch Erfahrung mit ein paar Gesellenjahren sammeln und Fortbildungen machen möchte, bevor er dann eventuell die Meisterprüfung angehen wird.
 
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