09. Mai 2022
„Ich wollte etwas schaffen, das optisch besonders und orthopädisch anspruchsvoll ist“, sagt Thore Wendel über sein Gesellenstück, mit dem er dritter Bundessieger im PLW wurde. Foto: Wendt Pictures/Lars Wendt

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CHRISTINA BAUMGARTNER

Thore Wendel wählte eine Klumpfußversorgung als Gesellenstück. Sein Ziel lautete, diese so ansehnlich und elegant wie möglich zu gestalten. Damit sicherte er sich den dritten Platz im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks (PLW).

Für meine Gesellenprüfung habe ich eine Versorgung gewählt, die orthopädisch gesehen aufwändig und kompliziert ist. Ich wollte etwas schaffen, das optisch besonders und orthopädisch anspruchsvoll ist“, erzählt Thore Wendel. Die Leisten seien aufgrund der Fußfehlstellung (Klumpfüße) von ihm ausgesucht worden.

Seine Ausbildung bei der Trentmann-Gromotka GmbH in Hamburg konnte Thore Wendel im Januar 2021 abschließen, anschließend wechselte er zu dem Betrieb Tritschoks Orthopädie-Schuhtechnik & Schuhhaus, der in Rellingen, Hamburg und Uetersen ansässig ist. Auf den Wettbewerb wurde er durch die Innung und Arbeitskollegen aufmerksam: „Es war schön zu sehen, welch tolle Versorgungen entstanden sind und wie viel Kreativität und handwerkliches Geschick an den Tag gelegt wurde“, findet der Geselle aus Borstel-Hohenraden.

Der Schaft – ein Klassiker

Den Schaft seines Gesellenstückes ließ er sich nach eigenen Vorstellungen aus dunkelblauem Box-Calf-Leder anfertigen: „Für mich war es besonders wichtig, einen klassisch eleganten Schaft – Budapester – zu verwenden, da mir diese Schaftart sehr gut gefällt. In der Kombination mit den cremefarbigen Nähten und der Lyralochung ist der Schaft ein zeitloser Klassiker.“ Die Bettung stattete er mit einem Bezug aus pflanzlich gegerbtem Leder aus. Die Weichbettung besteht aus EVA, das thermoplastisch über den Leisten tiefgezogen wurde. Verwendet wurden zudem unterschiedliche Korkarten, unter anderem EVA-Kork (Mikrokork) zum Aufbau sowie leichte Schäume. „Die Hinterkappen sind laterale, knöchelübergreifende Kappen, die ebenfalls aus pflanzlich gegerbtem Leder gefertigt sind. Das Leder wurde zuerst ausgeschnitten, ausgeschärft, geglast und anschließend über Leisten, Bettung und Brandsohle aufgewalkt“, beschreibt er seine Arbeit. Später wurden die Hinterkappen dann noch versteift und geschliffen.

Inzwischen arbeitet Thore Wendel bei Tritschoks Orthopädie-Schuhtechnik & Schuhhaus. Foto: Wendt Pictures/Lars Wendt

„Mir waren die Details sehr wichtig“

„Den Schuhbau habe ich auf herkömmliche Weise begonnen“, erklärt Thore Wendel. Das Futter, die Kappen, die Überstemme und der Schaft wurden aufgezwickt und verklebt. Der Bodenbau startete mit dem Rahmen, die Sohlenversteifung aus Carbon sowie Leder und Gummi wurden als Aufbaumaterial und Laufsohle bzw. als Absatzfleck benutzt. „Mir waren die Details sehr wichtig, die die Schuhe trotz der Form ansehnlich und elegant machen würden. In die Laufsohle habe ich zuvor Löcher gestanzt, damit ich sie hinterher mit EVA-Intarsien versehen kann“, erzählt er. Diese seien nicht nur für die Optik gedacht, sondern sollen die Sohle auch etwas rutschfester machen. „Der Natur-Ausputz ist die perfekte Kombination zwischen Eleganz und natürlichem Look“, findet der Orthopädieschuhmacher. Eine Herausforderung sei das Zwicken gewesen: „Das war nicht ganz einfach. Bis alles dort saß, wo es hinsollte – das hat ein wenig gedauert“. Dafür habe es dann für das Zwicken aber auch Lob von der Jury gegeben, und auch dafür, dass er trotz der schwierigen Leistenform einen aufwändigen Schaft gewählt habe. Nur der Absatz hätte noch ein paar Millimeter höher seien können, habe er selbst befunden und auch der Prüfungsausschuss. „Das habe ich jedoch zeitlich nicht mehr geschafft“, erzählt Thore Wendel.

„Möchte jeden Tag so viel lernen wie nur möglich“

„Mich fasziniert an diesem Beruf die abwechslungsreiche, individuelle Arbeit mit den Patienten und dass ich Menschen helfen und ihnen Lebensqualität verschaffen kann“, sagt der Geselle, der plant, in ein paar Jahren seinen Meister zu machen. „Bis dahin versuche ich jeden Tag so viel wie nur möglich zu lernen und umzusetzen“.

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