Ob klassische Berufsausbildung im dualen System, der Erwerb des Meistertitels oder ein Studium an der Hochschule – die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in der Orthopädieschuhtechnik sind vielfältig. Und die Karrierewege haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erweitert. Ein Überblick.

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Berufsausbildung

Wie in vielen anderen Handwerken haben sich die möglichen Ausbildungswege auch in der Orthopädieschuhtechnik wesentlich erweitert. Konnte man vor wenigen Jahren die Berufsausbildung durch ein Studium an der Hochschule ergänzen, kann man heute sogar beides kombinieren. Die Fachhochschule Münster bietet dazu einen Dualen Studiengang mit dem Abschluss „Bachelor of Engineering Technische Orthopädie“ an. Für die meisten erfolgt der Einstieg in die Orthopädieschuhtechnik jedoch immer noch über den klassischen Weg der dualen Berufsausbildung mit der Kombination der Ausbildung in einem Lehrbetrieb und dem Unterricht in der Berufsschule. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung auf die Gesellenprüfung im Orthopädieschuhmacherhandwerk. Der Gesellenbrief ist wiederum Voraussetzung für verschiedene weitere Ausbildungsstufen.

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Meistertitel

Orthopädieschuhmacher/in ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach der Handwerksordnung (HwO) mit der Möglichkeit, nach der Gesellenausbildung den Meistertitel zu erwerben. Bezüglich der handwerklichen Fähigkeiten und der Umsetzung von Versorgungskonzepten in die individuelle Patientenversorgung hat der Meistertitel in der Orthopädieschuhtechnik heute immer noch eine Alleinstellung. Orthopädieschuhmachermeister/ innen übernehmen Fach- und Führungsaufgaben bei der Entwicklung, Herstellung und Anpassung von Hilfsmitteln für kranke und fehlgebildete Füße.

So stehen bei der Vorbereitung auf die Meisterprüfung auch jene Aufgaben und Fähigkeiten im Vordergrund, die sich mit dem Planen, Konstruieren, Anfertigen und Anpassen von Hilfsmitteln für Fuß und Unterschenkel befassen. Dabei muss immer der anatomische, physiologische und pathologische Zustand der Stütz- und Bewegungsorgane für die orthopädieschuhtechnische Versorgung bewertet werden. Ein künftiger Meister/eine Meisterin muss nicht nur das Hilfsmittel herstellen, sondern auch begründen können, wie er oder sie unter Berücksichtigung des Krankheitsbildes und der Biomechanik zu seiner Lösung gekommen ist.

Die Meisterausbildung ist eine berufliche Weiterbildung nach der Handwerksordnung (HwO) und ist die Voraussetzung, um einen eigenen Betrieb führen und Lehrlinge ausbilden zu dürfen. Die Meisterprüfung ist bundesweit einheitlich geregelt. Handwerksorganisationen und andere Bildungseinrichtungen wie die Meisterschulen bieten Vorbereitungskurse auf die Meis terprüfung an (Vollzeit ca. 9 Monate, Teilzeit ca. 3 Jahre). Für die Zulassung zur Meisterprüfung ist die Teilnahme an den Vorbereitungslehrgängen jedoch nicht verpflichtend. Neben fachtheoretischen und -praktischen Kenntnissen werden in den Vorbereitungslehrgängen betriebswirtschaftliche, kaufmännische pädagogische Grundlagen vermittelt, welche die Meister/innen später zur Führung eines eigenen Betriebes und zur Ausbildung von Lehrlingen befähigen sollen. Voraussetzung für die Zulassung zur Meisterprüfung im Orthopädieschuhmacher-Handwerk ist

  • eine Gesellenprüfung als Orthopädieschuhmacher/ in oder in einem verwandten Handwerk oder
  • eine Abschlussprüfung in einem entsprechenden anerkannten industriellen Ausbildungsberuf oder
  • eine Meisterprüfung in einem anderen Handwerk bzw. handwerksähnlichen Gewerbe
  • oder eine Gesellen- bzw. Abschlussprüfung in einem anderen anerkannten Ausbildungsberuf und eine mehrjährige Berufstätigkeit im Orthopädieschuhmacher- Handwerk.

 

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Meisterschulen

Folgende Meisterschulen für die Orthopädieschuhtechnik gibt es in Deutschland: B.O.S.S., Langen; Bundesfachschule für Orthopädieschuhtechnik, Hannover; Handwerkskammer Niederbayern- Oberpfalz, Bildungszentrum Landshut; Meisterschule Orthopädieschuhtechnik Siebenlehn. Diese Schulen bieten Vollzeitkurse an. Die Handwerkskammer Düsseldorf bietet einen berufsbegleitenden Meisterkurs an. In Österreich erfolgt die Meisterausbildung am Aus- und Weiterbildungszentrum für Schuhmacher und Orthopädieschuhmacher in St. Pölten. In der Schweiz befindet sich das Ausbildungszentrum, wo auch die Meisterkurse stattfinden, in Zofingen.

Wurden früher in Deutschland noch einige Gesellenjahre nach der Ausbildung gefordert, kann man heute direkt nach der Gesellenprüfung einen Meisterkurs besuchen. Von erfahrenen Meistern und teilweise auch von den Meisterschulen wird allerdings empfohlen, nach der Ausbildung einige Erfahrung im Beruf zu sammeln, um die in der Ausbildung gelernten Handwerkstechniken und rechtliche Inhalte sowie berufs- und arbeits- Fertigkeiten zu verbessern und zu verfeinern. Auf diesen Fertigkeiten baut der Meisterkurs auf. Die Zeit des Meisterkurses ist relativ kurz und der Lehrplan ist dicht gedrängt, so dass keine oder nur wenig Zeit bleibt, eventuell fehlende handwerkliche Grundlagen im Meisterkurs nachzuholen.

Die Nachfrage nach Orthopädieschuhmachermeistern ist in der Branche nach wie vor hoch, die Berufschancen mit Meisterbrief sind gut. Jungmeister/ innen, die neben dem Meisterbrief auch Berufspraxis vorweisen können, haben dabei bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die meisten Betriebe suchen Meister/innen, die gleich von Anfang an mit anpacken und eigenverantwortlich arbeiten können.

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Handwerk und Studium

Nachdem sich die Handwerksverbände jahrelang dafür eingesetzt haben, ist der Meisterbrief heute auch der Schlüssel zur Hochschule. Möglich ist das erst seit 2009. Damals beschloss die Kultusministerkonferenz, den Meister mit der allgemeinen Hochschulreife gleichzustellen. Wer einen Meisterbrief in der Tasche hat, kann sich an vielen deutschen Hochschulen für jedes angebotene Studienfach bewerben oder – was wohl der häufigere Weg ist – seinen erlernten Beruf um ein passendes Hochschulstudium erweitern.

Auch ohne Meisterprüfung, allgemeine Hochschulreife oder Fachhochschulreife ist es teilweise nach Ablegen einer Eignungsprüfung möglich, bestimmte Fächer zu studieren, wenn man die entsprechende berufliche Qualifikation und mehrjährige Berufspraxis vorweisen kann. Innerhalb des achtstufigen Deutschen Qualifikationsrahmens ist der Meisterbrief zudem auf Niveau sechs eingestuft worden, genauso hoch, wie ein Bachelorabschluss. Dies dokumentiert die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung, bedeutet allerdings nicht, dass Meister damit eine Zugangsberechtigung für einen Masterstudiengang haben. Die Einstufung bezieht sich nur auf die Vergleichbarkeit innerhalb des Qualifikationsrahmens.

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Studiengänge

Seit einigen Jahren gibt es verschiedene Studiengänge, die sich mit der Technischen Orthopädie befassen. In diesen eher technisch ausgerichteten Studiengängen werden natur- und ingenieurwissenschaftliche Grundlagen mit fachspezifischen Kenntnissen und Fähigkeiten in den Bereichen der Medizin, Biomechanik und Technischer Orthopädie verbunden.

Die Fachhochschule Münster bietet zwei Studiengänge zur Technischen Orthopädie an. Der Vollzeit-Bachelor-Studiengang Technische Orthopädie verbindet die abgeschlossene Berufsausbildung mit einem ingenieurs- und naturwissenschaftlichen Hochschulstudium. Mit dem Dualen Studiengang kann man in Münster die Berufsausbildung zum Orthopädieschuhmacher und den Erwerb des Bachelor- Hochschulabschlusses kombinieren. Voraussetzung dafür ist die Fachhochschulreife und ein Rahmenvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb, in dem die praktische Ausbildung stattfindet. An der Fachhochschule Münster ist auch der Master-Studiengang Biomedizinische Technik angesiedelt, das gezielt auf die Aufgaben in der medizintechnischen und biotechnologischen Industrie vorbereitet und für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben qualifizieren soll.

Die Hochschule Kaiserslautern plant am Standort Pirmasens ab dem Sommersemester 2020 einen Studiengang Orthopädieschuhtechnik anzubieten, mit dem berufsbegleitend innerhalb von vier Jahren der Bachelor of Science erworben werden kann. Dieser Studiengang soll die Berufsausbildung um Biomechanik, Messtechnik und ingenieur- und materialwissenschaftliche Aspekte erweitern, aber auch Fächer wie Kundenbetreuung, Betriebsführung/BWL und Qualitätsmanagement enthalten. Eine Hochschulzugangsberechtigung (Abitur, Fachhochschulreife, Fachabitur) aber auch der Meisterbrief, oder ein Gesellenbrief mit ausreichender Berufserfahrung können zur Aufnahme des Studiums berechtigen.

Die Private Fachhochschule in Göttingen bietet im Bereich Orthobionik/Healthcare Technology drei Studiengänge an, die auf Karrieren in der Orthopädietechnikbranche vorbereiten sollen. Der Studiengang Orthobionik (Bachelor of Science) ist ein interdisziplinärer Studiengang mit Inhalten aus Medizin, Orthopädietechnik und Biomechanik, der Absolventen für den eigenverantwortlichen Umgang mit anspruchsvoller und komplexer Technologie direkt am Menschen qualifizieren soll. Darüber hinaus gibt es zwei Masterstudiengänge: Medizinische Orthobionik geht von einem vertiefenden Verständnis orthopädietechnischer Inhalte aus und schließt neben wissenschaftlichen und praxisorientierten Aspekten der Orthobionik auch gesundheits- und ingenieurwissenschaftliche sowie betriebswirtschaftliche Inhalte ein. Ziel des Sports-/Reha-Engineering Masters ist es, durch fundierte ingenieurwissenschaftliche Kenntnisse die interdisziplinäre Forschung und Entwicklung auf dem Sportartikel- und Sportgerätesektor sowie der Rehatechnik voranzutreiben.

Die Justus-Liebig-Universität Gießen bietet mit dem Studiengang „Biomechanik-Motorik- Bewegungsanalyse“ einen Master-Studiengang an, der den Studierenden die erforderlichen methodischen Kompetenzen vermitteln soll, um alle Fragen der Messung und Analyse menschlicher Bewegung bearbeiten und sich in weitergehenden biomechanischen Fragestellungen vertiefen zu können. Zulassungsvoraussetzung ist hier ein abgeschlossenes Hochschulstudium eines gesundheitsbezogenen Bachelor- oder Diplomstudiengangs.

Alle Optionen offen

Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre, so haben sich die Karrierewege in der Orthopädieschuhtechnik wesentlich erweitert. Die Möglichkeit, das Fach auch studieren zu können, macht den Beruf für breitere Zielgruppen interessanter und attraktiver. Darüber hinaus wird auch eine engere Verbindung zwischen Handwerk und Wissenschaft geschaffen, die auch dem Handwerk bei der Untersuchung und dem Nachweis der Wirksamkeit seiner Methoden neue Perspektiven eröffnet. Die Anerkennung handwerklicher Abschlüsse für den Hochschulzugang hebt zudem die Grenzen zwischen den Ausbildungen auf. Die Regel, wer Abitur oder Fachhochschulreife hat, darf an die Hochschule, die anderen bleiben in der Werkstatt, gilt nicht mehr. Selbst wer heute nach Haupt- oder Realschule mit der Berufsausbildung beginnt, kann über den Meistertitel den Weg an die Hochschule finden. Auch mit einer klassischen Lehre hält man sich alle Optionen offen.

 Sie interessieren sich für den Beruf Orthopädieschuhmacher/in? Weitere Informationen zu Berufsbild und Ausbildungsweg erhalten Sie beim Zentralverband Orthopädieschuhtechnik (ZVOS), www.zvos.de, Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Tel. 0 5 11 / 54 39 80 – 80.Fotos: ZVOS

Ausbildung Dauer Abschluss Ausbildungsort
Ausbildung zum Orthopädieschuhmacher 3 ½ Jahre Gesellenbrief Ausbildungsbetrieb und Berufsschule
Duales Studium Technische Orthopädie 4 Jahre (8 Semester) Gesellenbrief/Bachelor of Engineering (B. Eng.) Ausbildungsbetrieb und Fachhochschule Münster
Meisterausbildung Von 6 Monaten (Vollzeit) bis -24 Monate (berufsbegleitend) Meisterbrief Meisterschule (Düsseldorf, Hannover, Landshut, Langen, Siebenlehn)
Studium Technische Orthopädie 3 Jahre (6 Semester) Bachelor of Engineering (B. Eng.) Fachhochschule Münster
Studium Orthopädieschuhtechnik 4 Jahre (8 Semester) berufsbegleitend Bachelor of Science (B. Sc.) Hochschule Kaiserlautern/Standort Pirmasens (ab Frühjahr 2020 geplant)
Studium Orthobionik 4 Jahre (8 Semester) Bachelor of Science (B. Sc.) Private Hochschule Göttingen
Biomedizinische Technik (Master) 2 Jahre (4 Semester) Master of Science (M.Sc.) Fachhochschule Münster
Biomechanik-Motorik Bewegungsanalyse 2 Jahre (4 Semester) Master of Science (M.Sc.) Justus-Liebig-Universität Gießen
Medizinische Orthobionik 1 Jahr (2 Semester) Master of Science (M.Sc.) Private Hochschule Göttingen
Sports-/Reha-Engineering 1 ½ Jahre (3 Semester) Master of Science (M.Sc.) Private Hochschule Göttingen

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