30. Mai 2012

Operationsanstieg teilweise ökonomisch motiviert


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Die Zahl der Krankenhausfälle und der jeweils abgerechnete Schweregrad steigen scheinbar unaufhaltsam. Doch nur ein Teil dieser Steigerung lässt sich durch die demografische Entwicklung erklären. Das zeigt ein Gutachten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung Essen (RWI), das der GKV-Spitzenverband in Auftrag gegeben hat.

„Vieles deutet darauf hin, dass in den Kliniken aufgrund ökonomischer Anreize medizinisch nicht notwendige Leistungen erbracht werden“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg. „Wir brauchen kurzfristig eine Stabilisierung von Preis und Menge und wir brauchen mittelfristig neue Modelle zur Steuerung der Mengen, insbesondere im Bereich planbarer Operationen. Es muss das gemeinsame Anliegen der Kliniken, der Patienten und der Krankenkassen sein, dass die Anreize für medizinisch nicht notwendige Operationen gemindert werden.“

Nach Analysen der Gutachter steigt die Leistungsmenge (im DRG-Fallpauschalensystem der sogenannte Casemix) seit Einführung der Fallpauschalen jährlich um zirka drei Prozent. Schon die Begleitforschung zur DRG-Einführung zeige, dass weniger als die Hälfte davon auf die Alterung der Bevölkerung zurückzuführen ist. Offenbar, so das Fazit des Gutachtens, erbringen Krankenhäuser einen Teil der zusätzlichen Leistungen allein aus ökonomischen Gründen.

Es sei gut, so der GKV-Spitzenverband, dass die Politik die Thematik aufgegriffen und erste Vorschläge zur Begrenzung der Mengendynamik erarbeitet hat. Kurzfristig sollten insbesondere Mehrleistungsabschläge den Anreiz für Krankenhäuser reduzieren, ökonomisch induzierte und medizinisch nicht notwendige Leistungen zu erbringen. Da aber die Preise im Rahmen der aktuellen Gesetzgebung nicht wirkungsvoll begrenzt würden, steige weiterhin der Anreiz, in die Menge zu gehen. Die Maßnahmen seien also kurzfristig ein Schritt in die richtige Richtung, aber mittelfristig keine Lösung.

Der Vorstand des GKV-Spitzenverbands begrüßt es, dass die Politik die Diskussion über neue Formen der Mengensteuerung angestoßen habe. Von Stackelberg sieht aber auch kurzfristigen Handlungsbedarf: „Zu dem Mengenproblem darf durch Scharfstellung des Orientierungswertes und der Refinanzierung von Tarifsteigerungen nicht auch noch ein Preisproblem kommen. Höhere Preise verstärken den Anreiz, aus rein ökonomischen Aspekten heraus Mehrmengen zu erbringen.“

Das RWI-Gutachten finden Sie unter www.gkv-spitzenverband.de im Internet.