10. Oktober 2012

Ärzte protestieren trotz Einigung im Honorarstreit


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Am Aktionstag „Praxis ohne Helferin“ und an den Praxisschließungen nahmen heute bundesweit zehntausende Praxen teil. In diesen Arztpraxen fand entweder ein eingeschränkter Betrieb statt, andere Praxen blieben ganztags zu. Trotz der am Vorabend erzielten Einigung zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung und dem Spitzenverband der Krankenkassen beteiligten sich zusätzlich bundesweit tausende Medizinische Fachangestellte und Ärzte an über 30 Demonstrationen vor Krankenkassenzentralen im gesamten Bundesgebiet.

„Das sollte ein deutliches Signal an die Krankenkassen sein, dass Arzthonorare Praxishonorare sind und im Wesentlichen dazu dienen, den Betrieb der niedergelassenen Arztpraxen aufrecht zu erhalten“, erklärt Dr. Dirk Heinrich, Sprecher der Allianz der Ärzteverbände und Vorsitzende des NAV-Virchow-Bundes. Deshalb seien auch 0,9 Prozent Erhöhung für ärztliche Preise zu wenig, um die Kosten- und Preissteigerungen der letzten fünf Jahre auszugleichen. „Diese Preispolitik der Krankenkassen gefährdet mittelfristig auch die Arbeitsplätze von Arzthelferinnen und medizinischen Angestellten“, betont Dr. Heinrich. Auch die Arbeitsbedingungen seien für viele niedergelassene Ärzte unbefriedigend. „Der hohe – großteils durch die Krankenkassen verursachte – bürokratische Aufwand, Regressandrohungen und die Einschränkungen bei der Auswahl der Medikation behindern die Arbeit in den Praxen. Wir sind Ärzte und nicht Bürokraten“, appelliert Heinrich an die Adresse der Krankenkassen.

GKV-Spitzenverband: Ärzteproteste überzogen und substanzlos

"Wir haben absolut kein Verständnis für die Forderungen der streikenden Ärzte. Mit den heutigen Protesten versuchen kleinere Verbände ihre Partikularinteressen auf dem Rücken der Patienten auszutragen. Gerade vor dem gestern erreichten Kompromiss in den Honorarverhandlungen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), die alle niedergelassenen Ärzte vertritt, erscheinen diese Proteste überzogen und substanzlos“, so Ann Marini, stellvertretende Pressesprecherin des GKV-Spitzenverbandes.

„Ab 2013 erhalten die niedergelassenen Ärzte insgesamt über eine Milliarden Euro mehr. Dieses Geld kommt von den Beitragszahlern, die einen Anspruch auf geöffnete Praxen und eine umfassende medizinische Versorgung haben. Das innerärztliche Verteilungsproblem, das hinter den Protesten steckt, muss die Ärzteschaft selbst lösen – genug Geld steht insgesamt zur Verfügung.“