05. April 2013

DIHK: Fachkräftemangel trifft Gesundheitswirtschaft besonders stark


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Bei der Suche nach qualifiziertem Personal sieht sich die Gesundheitswirtschaft wie kaum eine andere Branche in Deutschland mit großen und weiter wachsenden Schwierigkeiten konfrontiert. Das zeigt eine neue Auswertung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).  

"Der Fachkräftemangel droht immer stärker zur Wachstumsbremse für die Gesundheitswirtschaft zu werden", sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Bei den dringend gesuchten technischen Spezialisten im Pharma- und Medizintechnikbereich wachsen die Herausforderungen ebenso wie bei den raren Pflegekräften in den Gesundheits- und sozialen Diensten."

Dercks verwies auf eine aktuelle branchenspezifische Auswertung der jüngsten DIHK-Arbeitsmarktumfrage. Dieser Analyse zufolge können in der Gesundheitswirtschaft fast 40 Prozent der Unternehmen offene Stellen zwei Monate und länger nicht besetzen, in der Gesamtwirtschaft gilt das "nur" für 29 Prozent der Betriebe.

"Und die Folgen sind gravierend", berichtete Dercks: "84 Prozent der Unternehmen fürchten eine Mehrbelastung der Belegschaft aufgrund des Fachkräftemangels." In diesen Entwicklungen liege "eine reale Gefahr für die Gesundheitswirtschaft als Wachstums- und Beschäftigungsmotor in Deutschland", betonte er.

Die Ansatzpunkte zur Fachkräftesicherung seien vielfältig. Für den wichtigen Aspekt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei etwa eine ausgebaute Kinderbetreuungsinfrastruktur "unerlässlich", so der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer. Die Betriebe ihrerseits könnten sich "mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und betrieblich unterstützten Betreuungsangeboten ebenso einbringen wie mit verstärkter betrieblicher Gesundheitsförderung".

Doch seien auch andere Ansätze erforderlich. Beispielsweise entstünden neue Tätigkeitsfelder im technischen Bereich. Zudem solle "ein ergänzender IHK-Pflegeberuf eingerichtet werden, der es ermöglicht, die bewährte Struktur der IHK-Ausbildungen auch auf den Pflegebereich anzuwenden", sagte Dercks. "Insgesamt gilt: Kreativität ist gefragt!"

Die DIHK-Analyse "Fachkräfte in der Gesundheitswirtschaft 2012/2013" erfasst nicht nur Krankenhäuser, Pflegeheime und -dienste oder Versicherungen, sondern auch viele angrenzende industrielle Branchen und Dienstleistungssektoren, darunter etwa Medizintechnik oder Biotechnologie, die Pharmabranche oder den Handel mit Gesundheitsgütern.