03. Juli 2013

Stiftung Warentest: Chrom VI in vier von 20 getesteten Kinderschuhen

Foto: Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest hat für die Juli-Ausgabe der Zeitschrift test 60 Lederprodukte, darunter Kinderschuhe, Uhrarmbänder und Arbeitshandschuhe, auf ihren Chrom VI-Gehalt untersucht. Jeder fünfte Kinderschuh und jeder dritte Arbeitshandschuh enthielt so viel "Chromat", dass er nicht verkauft werden dürfte, so Stiftung Warentest.

Ein Handschuh der Firma „Gebol“ überschritt den Grenzwert sogar um das Zwanzigfache. Chrom VI ist ein Reaktionsprodukt, das unter ungünstigen Umständen im Gerbprozess, aber auch in der späteren Verarbeitung von Leder auftreten kann. Es kann Allergien verursachen und gilt in einer speziellen Oxidationsform als stark toxisch und krebserregend.

Viele der getesteten Produkte liegen über der Grenze von 3 mg pro Kilogramm, die für Chrom VI in Leder gilt, darunter jeder dritte Arbeitshandschuh und jeder fünfte Schuh. "Jeder fünfte Kinder­schuh und jeder dritte Arbeits­hand­schuh im Test enthält so große Mengen Chrom VI, dass sie nicht hätten verkauft werden dürfen", so der Kommentar von Stiftung Warentest.

Orientieren könnten sich Kunden an den ersten unabhängigen Prüfsiegeln für chromfrei gegerbte Lederwaren, zum Beispiel das ECARF-Siegel und das IVN-Zertifikat, meint die Stiftung Warentest. Die Kinderschuhe von Pololo seien die einzigen im Test, die solche Siegel tragen. Stiftung Warentest wies auch darauf hin, dass nicht immer Verlass darauf sei, wenn Schuhe vom Hersteller ohne offizielles Siegel  als "chromfrei gegerbt" bezeichnet würden.

Auf die Testergebnisse reagierten die Händler bereits: Deichmann hat einen Rückruf des belasteten Produkts angekündigt, Reno will die betroffene Kollektion aus den Regalen nehmen.

Im Testbericht relativiert Stiftung Warentest die Test-Ergebnisse allerdings deutlich stärker als iin der Pressemitteilung: "Auch unser Test wirft nur ein Schlaglicht: Jeder Wert ist eine Einzel­messung. Würden wir heute noch einmal einkaufen, wären die Ergeb­nisse vermutlich andere." Starke Chromatanteile werden im Testbericht auf Importe von Ledern aus China - andere Länder werden nicht genannt -  und auf Gerbprozesse, die nicht dem Stand der Technik entsprechen, zurückgeführt. Chromgerber dürften sich allerdings darüber ärgern, dass in der Kurzmitteilung nicht wie im Test erklärt wird, unter welchen Bedingungen Chrom VI entsteht, leicht entsteht der Eindruck, Chromgerbung an sich sei gefährlich. Unter den schädlichen Eigenschaften von Chrom VI verweist Stiftung Warentest jedoch lediglich auf seine Eigenschaft, Kontaktallergien auslösen zu können.

Der ausführliche Test Chrom VI in Leder erscheint ist in der Juliausgabe der Zeitschrift "test" erschienen und auch unter www.test.de/chromat abrufbar.