11. Juli 2013

Bauerfeind sagt Gutscheinaktion mit Tchibo ab

Der Hilfsmittelhersteller Bauerfeind setzt die für September geplante Einlagen-Gutschein-Aktion mit dem Kaffee- und Konsumgüterexperten Tchibo nicht um. Für ein erfolgreiches Durchführen der Aktion, die den Bauerfeind-Qualitätspartnern neue Kundengruppen ins Geschäft bringen sollte, fehle die breite Akzeptanz im orthopädischen Hilfsmittelmarkt, teilte das Unternehmen mit.

Neue Kundengruppen für die Fachhandelspartner zu gewinnen – zusätzlich zum Rezeptgeschäft – sei das Anliegen der Aktion gewesen, so Bauerfeind. Dafür sei Tchibo als temporärer Partner gewählt worden, weil dessen starke Präsenz in Top-Lagen sowie im Internet garantiere, die ausgewählte Zielgruppe (modebewusste Frauen zwischen 25 und 45 Jahren) umfassend zu erreichen.

Die auf vier Wochen beschränkte Gutschein-Aktion sei nicht für Patienten gedacht gewesen, deren Weg in das Fachgeschäft über den Arzt führt, betont Bauerfeind. Vielmehr sollten gesundheitsbewusste Menschen die Vorzüge von medizinischen Hilfsmitteln – hier speziell der Schuheinlage "ErgoPad weightflex 2" – für den Alltag erfahren. Den Fachgeschäften sollte die Chance geboten werden, am „Point of Sale“ mit ihrer Kompetenz und ihren Leistungen zu überzeugen und eine neue Klientel für sich zu gewinnen.

Kritik in der Branche ging der Absage voraus
Bereits unmittelbar nach Bekanntgabe war die geplante Tchibo-Aktion auf vehemente Kritik in der Branche gestoßen. ZVOS-Präsident Werner Dierolf setzte sich direkt mit Bauerfeind in Verbindung und erläuterte die Bedenken des Orthopädieschuhmacher-Handwerks gegen die Werbeaktion. Vor allem die Kombination der Einlagenabgabe in Verbindung mit einer Fußvermessung und Beratung stieß beim Orthopädieschuhmacher-Handwerk auf Kritik. Das sei zu diesem Preis nicht zu machen, so Dierolf. Nicht umsonst nehme man im Handwerk wirtschaftliche Aufzahlungen zu den Festbeträgen für Einlagen, weil eine gute Beratung mit individueller Versorgung nicht zu einem niedrigen Preis zu erbringen sei.

Auch die rehaVital Gesundheitsservice GmbH wandte sich in einem offenen Brief an Bauerfeind. Man könne nicht erkennen, wie die Zusammenarbeit mit Tchibo das Premium-Image der Marke Bauerfeind unterstreiche. Die preisliche Abwertung der Tchibo-Aktion, so rehaVital, könne man nur als implizite Abwertung der fachlichen Beratung interpretieren. Weiterhin wolle man Kunden auf die therapeutische Qualität der Bauerfeind-Einlagen hinweisen, müsse jedoch angesichts der aktuellen Techibo-Aktion die Entwicklung der geschäftlichen Vertrauensbeziehung neu bewerten. Seinen Mitgliedern empfahl rehaVital in diesem Zusammenhang, die Tchibo-Aktion nicht zu unterstützen.

Auch Sani-Aktuell rief seine Mitglieder dazu auf, die Einlagenaktion mit Tchibo zu hinterfragen. Man überlasse es der individuellen Kalkulation der Unternehmen, ob der Betrag, den die Bauerfeind-Qualitätspartner pro eingelöstem Gutschein erhalten, ein betriebswirtschaftlich sinnvolles Ergebnis darstelle, so Sani-Aktuell. Ebenfalls überlasse man es der Einschätzung des Mitglieder, ob eine einzige Einlage für alle Kunden und sämtliche Schuharten aus fachlicher Sicht sinnvoll sei. Es bleibe abzuwarten, ob auch beim Vertrieb anderer Hilfsmittel künftig dieser Weg beschritten werde und wie sich der neue Vertriebsweg auf die Kostenerstattung der gesetzlichen Krankenkassen auswirke, so Sani-Aktuell. 

Bauerfeind reagierte am 10. Juli mit der Absage der gesamten Aktion.

© sw/orthopädieschuhtechnik