17. Juli 2013

AOK fordert Nutzenbewertung für Hilfsmittel und Medizinprodukte


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Mit dem Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) und den neu geschaffenen Strukturen zur Nutzenbewertung sei die Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung verbessert worden, so der AOK Bundesverband. Der hier erprobte Ansatz solle nun wo immer möglich auch in anderen Bereichen genutzt werden – unter anderem im Bereich Medizinprodukte und Hilfsmittel. Dies forderte die AOK in einem Positionspapier mit dem Titel „So geht’s“, in dem der Bundesverband Vorschläge für Strukturreformen in der GKV für die nächste Legislaturperiode macht.

Bei Medizinprodukten spiele der Patientennutzen schon beim Marktzugang faktisch keine Rolle und werde auch bei der Vergütung bisher nicht berücksichtigt, äußert die AOK in dem Positionspapier. Dies müsse sich insbesondere für Hochrisiko-Medizinprodukte ändern. Die frühe Nutzenbewertung bei Arzneimitteln habe gezeigt, wo der Patientennutzen ein entscheidender Faktor für die Vergütungshöhe sei.

Die Erstattung eines Hilfsmittels soll zukünftig davon abhängen, ob dieses einen Patientennutzen im Vergleich zu bestehenden Alternativen nachweisen kann, fordert die AOK. Basierend auf solchen Erkenntnissen sollten dann Krankenkassen kassenindividuelle Verträge abschließen können.

Stellungnahme des Qualitätsverbund Hilfsmittel: Qualitäts- statt Preiswettbewerb erforderlich
Der Qualitätsverbund Hilfsmittel e.V. (QVH) hat kritisch zu dem Positionspapier der AOK Stellung genommen. Dass Medizinprodukte einen nachweislichen Patientennutzen haben sollten, könne niemand bestreiten. „Jedoch reicht die ausschließliche Orientierung auf das Produkt nicht aus. Auch die Service- und Dienstleistungsqualität rund um das Produkt muss stimmen“, so Jörn Mohaupt, Leiter der Geschäftsstelle des QVH. „Ein Medizinprodukt kann erst in vollem Umfang genutzt werden, wenn es auf die individuellen Bedürfnisse angepasst wurde, wenn der Patient im Umgang eingewiesen wurde und wenn andere qualitätsgesicherte Dienst- und Serviceleistungen jeder Zeit abgerufen werden können“, so Mohaupt weiter.

Seit Jahren fordere der QVH einheitliche Qualitätsstandards für die unabdingbaren Dienst- und Serviceleistungen rund um das Medizinprodukt. Diese Qualitätsstandards müssen eindeutig, leicht verständlich und prüfbar sein und die Erfüllung beim Patienten vor Ort systematisch geprüft werden. Der Patient müsse im Detail wissen welche Standards für seinen Versorgungsbereich festgelegt wurden, um die Möglichkeit zu bekommen, die Qualität seiner Versorgung beurteilen zu können.

Letztlich brauchen auch die Leistungserbringer Anreize, gute Versorgungsqualität abzuliefern, räumte der QVH ein. Da passe der Grundsatz aus dem AOK Papier sehr gut „Gutes Geld nur für gute Qualität“. Zukünftig müsse es auch in der Hilfsmittelbranche vielmehr darum gehen, gemeinsam die Instrumente für einen echten Qualitätswettbewerb zu entwickeln und zu etablieren. Es gelte, sich zunehmend von der gelebten Praxis zu verabschieden und nicht den Preiswettbewerb als alleiniges Instrument zu nutzen, sondern bei gleichzeitigem Preiswettbewerb konsequent einen Qualitätswettbewerb zu fördern. 

Zum Positionspapier der AOK

Zur Stellungnahme des QVH