23. Juli 2013

Viele Gesundheitsberufe, wenig Patientenorientierung? – IAT-Expertise untersucht Gesundheitsberufe

Die Berufelandschaft im Gesundheitssektor sei kaum noch überschaubar. Angesichts einer Vielzahl neuer Bildungsangebote, Spezialqualifikationen und erweiterter Kompetenzprofile drohe die Patientenorientierung auf der Strecke zu bleiben. Diese Schlussfolgerung ziehen Christoph Bräutigam, Michaela Evans und PD Dr. Josef Hilbert in einer aktuellen Studie des Instituts Arbeit und Technik (IAT /Westfälische Hochschule). „Eine strategische Berufsbildungspolitik für die Gesundheitsberufe, systematisch verknüpft mit einer menschengerechten Arbeitsgestaltung, steht seit langem aus!“

In der Expertise für die Friedrich-Ebert-Stiftung untersuchen die IAT-Wissenschaftler vom Forschungsschwerpunkt „Gesundheitswirtschaft und Lebensqualität“ Berufsbilder im Gesundheitssektor und suchen nach Wegen „vom Berufebasteln zur strategischen Berufsbildungspolitik“. Denn die Gesundheitsberufe stünden in einem Spannungsfeld unterschiedlichster Interessen: Das Management wolle gerne Effizienzreserven heben und entwickele vielfältige Tätigkeitsprofile mit oft engen Spezialisierungen, die schnelle Kompetenz zu niedrigen Löhnen versprechen. Vertreter der Berufsgruppen setzten auf neue Aufgaben und autonomere Arbeit, um mehr Ansehen und bessere Bezahlung durchzusetzen. Auch Hochschulen und andere Bildungsträger böten innovative Qualifikationen an, vor allem, wenn damit gute Auslastung zu erwarten sei.

Die zunehmende Akademisierung vieler nicht-ärztlicher Heilberufe gelte als sinnvoll und alternativlos. Unsicherheit bereite allerdings, dass für die betroffenen Studierenden wie für die Gesundheitsanbieter auf absehbare Zeit unklar sein werde, auf welche Stellen, mit welchen Befugnissen und zu welchen Bedingungen gearbeitet werden soll. „Insgesamt findet in der Welt der Krankenhäuser eine dynamische Erneuerung der Berufsbilder statt, die weder in ihrer Ausrichtung noch mit Blick auf die zu erwartenden Ergebnisse strategisch fundiert ist“, heißt es in der  Studie.

Die IAT-Forscher plädieren deshalb für einen „Berufsbildungsbericht Gesundheitswirtschaft“. Er soll eine empirisch fundierte Berichterstattung zur Lage und zur Entwicklung von Qualifikationen, Tätigkeiten und Arbeitsroutinen enthalten sowie ein wissenschaftliches Trendmonitoring über innovative Gestaltungsmöglichkeiten. Der Gestaltungsdialog in und mit der Praxis soll ausgebaut werden, um das dort vorhandene Wissen abzuholen und um innovative Gestaltungsansätze auf Praxistauglichkeit zu prüfen.