23. Juli 2013

Positionspapier der Gesundheitshandwerke Ostwestfalen-Lippe fordert Partnerschaft zwischen Kostenträgern und Leistungserbringern

(v. l.): Jürgen Sautmann (Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Bielefeld), Volker Rosenberger (Obermeister der Zahntechniker-Innung OWL), Wilhelm Rehmann (Obermeister der Innung für Orthopädie-Schuhtechnik OWL) und Thomas Hölker (Obermeister der Innung für Orthopädie-Technik im Regierungsbezirk Detmold)

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Mit Sorge blicken die drei Gesundheitshandwerke in Ostwestfalen-Lippe derzeit auf die aktuellen Entwicklungen im Gesundheitswesen. In einem Positionspapier fordern sie eine gleichberechtigte Partnerschaft der Kostenträger mit Ärzten und Heilberufen. Auch allein mit Patienten der GKV müsse kostendeckendes Arbeiten möglich sein - zudem fordern sie, Verträge wieder verstärkt auf Landes- und Bundesebene abschließen zu können.

Rechtssicherheit schaffen
"Wir haben großen Zweifel daran, dass es noch lange so weiter gehen kann wie bisher", sagen Thomas Hölker, Obermeister der Innung für Orthopädietechnik und Wilhelm Rehmann, Obermeister der Innung für Orthopädie-Schuhtechnik. In der Praxis übernehmen die Betriebe schon heute viele Handgriffe, die eigentlich von Ärzten zu tätigen wären. Zwar sei dies für viele Betriebe mittlerweile schon Routine und an Erfahrung mangele es nicht. Obermeister Hölker: "Das Problem ist dabei die Rechtssicherheit." Es sei dringend notwendig, rechtliche Rahmenbedingungen für die schon heute gängige Praxis zu schaffen. "Durch die Übertragung bestimmter ärztlicher Leistungen auf die Gesundsheitshandwerke kann ein wertvoller und wirtschaftlicher Beitrag zur Überwindung von medizinischer Unterversorgung geleistet werden." Auch die bisher fehlende Einbindung der Gesundheitshandwerke im Rahmen der Gesundheitskarte könne dabei viel Tranzparenz schaffen und die Behandlung für alle Beteiligten vereinfachen.

Wirtschaftliche Festbeträge vonnöten - und mehr Verträge auf Landes- und Bundesebene
Insbesondere im Hilfsmittelbereich gebe es derzeit auch keine wirtschaftlich kalkulierten Festbeträge. Obermeister Wilhelm Rehmann, Innung für Orthopädie-Schuhtechnik, fordert: „Hier muss es künftig ein offenes und transparentes Verfahren unter Einbeziehung wirtschaftlicher Kriterien geben“. 

Zu schaffen machen den Betrieben der Orthopädietechnik, der Orthopädieschuhtechnik und der Zahntechnik die gesetzlichen Krankenkassen, die zunehmend ihre Marktmacht missbrauchen. "Es werden immer mehr Leistungsverträge für immer kleinere Flächen abgeschlossen. Und wer sich auf Verträge mit immer geringeren Vergütungen nicht einlässt, darf für Patienten dieser Kassen gar keine Leistung mehr erbringen." Es müsse eine neue Regelung her, derzufolge Leistungsverträge im Hilfsmittelbereich zunehmend wieder landes- oder bundesweit abgeschlossen werden müssen. Nicht zuletzt könne damit viel unnötige Bürokratie abgebaut werden, so die Gesundheitshandwerke.

Auch GKV muss kostendeckendes Arbeiten ermöglichen
Wirtschaftlich Arbeiten sei in vielen Betrieben kaum noch möglich. »Ich möchte auch dann kostendeckend arbeiten, wenn ich ausschließlich für gesetzlich versicherte Patienten tätig bin«, sagt Volker Rosenberger, Obermeister der Zahntechniker-Innung OWL. Ohne eine Erhöhung der Vergütungen, die zumindest die Inflation und die Kosten des technischen Fortschritts ausgleichen, sei das aber aktuell nicht möglich. Die Anbindung der Erhöhung der Vergütungen an die Grundlohnsummenentwicklung müsse daher, wie bei fast allen anderen Leistungserbringern, aufgehoben werden. 

Auch so genannte Handelsgesellschaften, über die oft billiger Zahnersatz aus dem Ausland eingeführt werde, mache den Meisterbetrieben zu schaffen. Gerade in den deutschen Meisterlaboren spiele aber Patientenschutz und -sicherheit aufgrund des Medizinproduktegesetzes mit umfassenden Dokumentationspflichten eine große Rolle. "In Deutschland wird aus gutem Grund ein hoher Wert auf die lückenlose Qualitätskontrolle gelegt. Doch kaum kann etwas Geld gespart werden, spielt die Gesundheit oft keine Rolle mehr."

370 Betriebe der drei Gesundheitshandwerke mit insgesamt 1492 Mitarbeitern und 262 Auszubildenden in Ostwestfalen-Lippe werden von ihren Innungen vertreten. Gemeinsam fordern sie die Politik nun im Vorfeld der Bundestagswahl auf, Stellung zu beziehen. Besonders im Hinblick auf die demographische Entwicklung sei eine Stärkung der Betriebe unbedingt erforderlich.