26. Juli 2013

Bundesweit erster Facharztvertrag für Orthopädie unterzeichnet

Der Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), der Berufsverband der niedergelassenen Chirurgen (BNC), die AOK Baden-Württemberg, Bosch BKK und MEDI Baden-Württemberg haben den bundesweit ersten orthopädischen Facharztvertrag unterzeichnet. Der Vertrag gilt nicht nur für Orthopäden, sondern auch für Chirurgen, die orthopädische Leistungen erbringen. Ziel ist, die Behandlung von Patienten mit Rückenschmerzen, Osteoporose und anderen Erkrankungen des Bewegungsapparates nachhaltig zu verbessern und Schwächen der Regelversorgung zu vermeiden.

„Die Regelversorgung liefert nicht die passende Antwort auf die Herausforderungen, vor die die orthopädischen Volkskrankheiten das Gesundheitssystem stellen“, erklärt Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. „Allein die wachsende Zahl orthopädischer Operationen, die immer wieder für Schlagzeilen sorgen, ist ein Hinweis darauf.“ Hauptprobleme, die Hermann mit dem neuen, an das AOK-HausarztProgramm angegliederten Facharztvertrag angehen will, sieht er „in der mangelnden strukturierten Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten und einer durch falsche Vergütungsanreize motivierten ‚7-Minuten-Medizin‘.“

Reinhard Deinfelder, BVOU-Landesvorsitzender für Württemberg, bestätigt dies: „In der Regelversorgung fördert die Systematik der Vergütung für die Versorgung von orthopädischen Patienten eine apparative Diagnostik und Therapie und nicht die Beratung bzw. Motivation des Patienten". Er weist darauf hin, dass der Patient bei Beschwerdebildern wie dem unspezifischen Rückenschmerz durch Veränderungen seines Lebensstils maßgeblich Einfluss auf den Behandlungserfolg hat und eine gründliche, breitgefasste Anamnese zur richtigen Diagnosestellung unerlässlich ist.

„Die Vergütung im neuen Vertrag ist so aufgebaut, dass sich der teilnehmende Facharzt Zeit nehmen kann für eine ausführliche Anamnese und körperliche Untersuchung sowie eingehende Beratung“, erläutert Dr. Dieter Haack, Bundesvorsitzender des BNC. Entsprechende unterstützende Angebote wie z.B. Rückenkurse halten die AOK Baden-Württemberg und die Bosch BKK bereit.

Geregelt ist auch, an welchem Punkt der Hausarzt an die Fachärzte überweist und dass er dabei eine Befunddokumentation mit übermittelt. So kann der Orthopäde direkt an die Voruntersuchung und -behandlung durch den Hausarzt anknüpfen. Im Gegenzug bekommt der Hausarzt unmittelbar einen aussagefähigen Bericht zur Diagnosestellung und weiterführende Therapievorschläge.

Die teilnehmenden Ärzte profitieren von einem angemessenen, am Versorgungsbedarf orientierten und planbaren Honorar. „Der Vertrag stärkt die konservative orthopädische Versorgung durch mehr Planungssicherheit und eine bessere Bezahlung der Praxen,“ erklärt Dr. Werner Baumgärtner, Vorsitzender von MEDI Baden-Württemberg. „Auch das ambulante Operieren wird gefördert, was uns wegen der teilnehmenden Chirurgen wichtig war.“

Niedergelassene Orthopäden und Chirurgen in Baden-Württemberg können sich ab sofort in den Vertrag einschreiben. Sobald ein Quorum von landesweit 200 Orthopäden erreicht ist, kann die Einschreibung der Patienten beginnen. Teilnehmen können alle Versicherten der AOK Baden-Württemberg und der Bosch BKK, die in das HausarztProgramm eingeschrieben sind.