10. September 2013

WIdO fordert gemeinsames Wettbewerbssystem von GKV und PKV

"Das duale Krankenversicherungssystem in Deutschland mit einem Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung als eigenständige Systeme stößt an Grenzen" sagte Prof. Klaus Jacobs, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), anlässlich der Veröffentlichung einer Analyse des Instituts unter dem Buchtitel "Die Krankenversicherung der Zukunft". Es müsse eine gemeinsames System geschaffen werden, „das gleichzeitig solidarisch und wettbewerblich ausgestaltet ist und allen Versicherten und Patienten gleichermaßen nutzt."

Der Analyse der WIdO zufolge lag das durchschnittliche Jahreseinkommen der PKV-Versicherten 2010 bei knapp 47.000 Euro und damit weit mehr als doppelt so hoch wie bei den gesetzlich Versicherten mit weniger als rund 21.500 Euro. Viele Privatversicherte, darunter vor allem Solo-Selbständige, verfügen jedoch nur über kleine Einkommen und haben Schwierigkeiten, die Beiträge für einen umfassenden Krankenversicherungsschutz zu bezahlen, so das WIdO. 4,6 Prozent der Privatversicherten stand 2010 im Mittel sogar nur ein Einkommen in der Größenordnung des steuerfreien Existenzminimums von etwas mehr als 8.000 Euro pro Jahr zur Verfügung. Anders als in der GKV erführen solche schutzbedürftigen Versicherten jedoch keine Solidarität innerhalb der PKV, meint das WIdO. Eine bevölkerungsweite Solidarität bei der Finanzierung des Krankenversicherungsschutzes gebe es wegen der Systemtrennung von GKV und PKV ebenfalls nicht.

Fast 90 Prozent der gesetzlich Versicherten halten es ganz oder zumindest teilweise für richtig, dass Besserverdiener im Gesundheitssystem mehr bezahlen als Geringverdiener, ergab die Analyse. Auch unter den Privatversicherten falle die entsprechende Zustimmung mit mehr als 85 Prozent sehr hoch ausO.

Neben Analysen wie diesen beschreiben die Autoren des Buches auch Lösungsansätze für ein zukunftsfähiges Krankenversicherungssystem. Klaus Jacobs zufolge müsse dieses drei zentrale Merkmale aufweisen: die solidarische Finanzierung eines umfassenden Leistungskatalogs, lebhaften Wettbewerb auf der Grundlage möglichst uneingeschränkter Wechselrechte zu allen Versicherungen sowie wirksame Instrumente zur Steuerung der Gesundheitsversorgung im Hinblick auf Qualität und Wirtschaftlichkeit. Bei einem Fortbestand der Dualität auf dem Krankenversicherungsmarkt könnten alle drei Anforderungen aber nicht erfolgreich erfüllt werden, so die Autoren.

Bei dem "Systemwettbewerb" zwischen GKV und PKV in Deutschland könne keine Rede davon sein, dass es sich um einen sinnvollen Wettbewerb handelt, von dem alle Ver­sicherten und Patienten profitieren. Nur ein äußerst kleiner Teil der Bevölkerung verfügt überhaupt über eine echte Wahloption. Dabei handelt es sich überwiegend um junge und gesunde Personen, die an Fragen der Gesundheitsversorgung zumeist kein akutes Interesse haben. Dieser „untaugliche Wettbewerb“ konterkariere im Ergebnis alle Bemühungen zur flächendeckenden Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen und wirtschaftlichen Versorgung für die gesamte Bevölkerung und wirke letztlich kontraproduktiv.