14. Oktober 2013

Qualitätseinbußen bei der Kontrolle von Hörgeräte-Versorgungen

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Trotz der anstehenden deutlichen Erhöhung der Festbeträge für Hörgeräte drohen massive Qualitätseinbußen bei der Schwerhörigen-Versorgung, warnt der Deutsche Berufsverband der HNO-Ärzte und die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Hintergrund ist ein Vertrag zwischen der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker und der AOK sowie rund 100 Betriebskrankenkassen. Darin verzichten die Vertragspartner auf die Nachuntersuchung beim verordnenden Hals-Nasen-Ohrenarzt.

Dies verstoße nicht nur gegen die geltende Hilfsmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, sondern auch gegen die zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung und Spitzenverband Bund der Krankenkassen eigens abgeschlossenen Qualitätsvereinbarung zur Hörgeräteversorgung, so die Kritik der beiden Vereinigungen.

Der Präsident des Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte, Dr. Dirk Heinrich, bemängelt das Vorgehen von Kassen und Hörgeräteakustikern: „Die nach § 135 SGB V vorgeschriebene Qualitätssicherung wird nicht mehr stattfinden können. Für die Patienten besteht die Gefahr, dass Komplikationen zu spät erkannt werden.“

Eine der häufigsten Komplikationen, die bei dem Einsatz von Hörgeräten auftreten können, sind Gehörgangsdruckgeschwüre. Ohne die gründliche Nachuntersuchung beim HNO-Facharzt würden sie zu spät erkannt, erklärt Dr. Jan Löhler, Direktor des wissenschaftlichen Institutes für angewandte HNO-Heilkunde in Bad Bramstedt. Trotzdem es bald deutlich mehr Geld für Hörgeräte gebe, müssten die Patienten aufgrund des Vertrags zwischen Kassen und Hörgeräteakustikern mit einer Verschlechterung der Qualität rechnen.

Nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Köhler, konterkariert der Vertrag außerdem die gemeinsamen Anstrengungen zur Verbesserung der Behandlungsqualität: „Weder die Bundesinnung der Hörgeräteakustiker noch die beteiligten Krankenkassen legen offensichtlich großen Wert auf die Qualitätssicherung bei der Hörgeräteversorgung, wie sie Kassenärztliche Bundesvereinigung und Spitzenverband Bund der Krankenkassen festgelegt haben.“ Deshalb sei es Aufgabe der zuständigen Aufsichtsbehörden, umgehend für die Einhaltung der geltenden Hilfsmittel-Richtlinie zu sorgen.

Steigende Festbeträge
Nach Beschluss des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen steigt der Festbetrag für Hörhilfen von schwerhörigen Versicherten in der gesetzlichen Krankenversicherung zum 1. November 2013 von 421 auf 785 Euro. Anders als bisher wird die Nachsorge dabei künftig gesondert vergütet.

Der deutlich höhere Erstattungsbetrag ist an Vorgaben geknüpft. So müssen die Hörgeräte bestimmte technische Voraussetzungen, wie den Einsatz von Digitaltechnik und die Auswahlmöglichkeit verschiedener Hörprogramme, erfüllen. Für Erwachsene mit an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit gilt der neue Festbetrag bereits seit Anfang März 2012. Mehr als 500.000 Menschen pro Jahr erhalten in Deutschland ein neues Hörgerät.