17. März 2014

Die Gesundheitshandwerke: Demographischen Wandel gemeinsam meistern


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Unter dem Motto „Den demographischen Wandel gemeinsam meistern!“ stellten sich anlässlich des Medientags der Internationalen Handwerksmesse am 3. März 204 in München die Präsidenten der fünf Gesundheitshandwerke (Augenoptik, Hörgeräteakustik, Orthopädie-Technik, Orthopädie-Schuhtechnik und Zahntechnik) der Öffentlichkeit. Ihre Hauptforderungen: Faire Verträge mit den Krankenkassen, Erhalt des Meisterprinzip und Sicherstellung einer flächendeckenden hochwertigen Versorgung. Von Wolfgang Best.

Zu Beginn der Pressekonferenz stellt Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker die Situation der Gesundheitshandwerke gegenüber den Kassen dar. Sie plädierte für faire Rahmenbedingungen zwischen Leistungserbringern und Kostenträgern um auch in der Zukunft den Patientinnen und Patienten eine Versorgung zu garantieren, die stets den höchsten fachlichen wie technischen Gegebenheiten folgen folgt.

Durch Fusionen hätten die Kassen heute ein große Markt macht, die sie leider auch ausnutzen würden, um den Preis zu drücken und Vertragsregelungen umzusetzen, die nicht zum Nutzen der Versichertengemeinschaft sind. Dazu gehörten unnötige Formulare genauso, wie die jahrelangen Forderungen nach inhaltslosen ISO-Zertifikaten. Frickel forderte, die Verhandlungsmacht der Kassen einzuschränken und plädierte dafür Kollektivverträge beizubehalten, weil sie sich bewährt haben und  weil sie für Versorgungssicherheit und Versorgungsstabilität und ein einheitliches Versorgungsniveau in allen Regionen sorgen.

Mobiliät auf allen Ebenen erhalten
„Der Wandel hin zu einer immer älter werdenden Gesellschaft stellt viele Herausforderungen die Gesundheitshandwerke und damit auch an die Orthopädieschuhtechnik“, erklärte ZVOS-Präsident Werner Dierolf. Best-Agers wollten gut versorgt sein, um lange mobil und jung zu bleiben. Dazu gehöre in besonderem Maße die Mobilität und gesundes schmerzfreies Gehen und die Fähigkeit, auch im Altern noch Sport treiben zu können. „Wir Orthopädieschuhmacher packen das Problem von Grund auf an“, so Dierolf, „denn eine gesunde und aufrechte Körperhaltung beginnt bei den Füßen!“.

Rücken- und Kniebeschwerden könnten zu einem hohen Prozentsatz vermieden werden, wenn der Fuß schuh­orthopädisch korrekt versorgt ist. Besonders hob Dierolf den positiven Effekt der Orthopädieschuhtechnik auf die Kosten im Gesundheitswesen aber auch in der Arbeitswelt hervor. Eine schuhorthopädische Versorgung habe den volkswirtschaftlichen Effekt, dass Krankheits- und Pflegekosten sinken. Insbesondere beim diabetischen Fußsyndrom könnten durch eine frühzeitige und qualitativ hochwertige Versorgung viel Folgekosten vermieden werden.

„Können kennt keine Grenzen“
Matthias Bauche, Vizepräsident des Bundesinnungsverbandes Orthopädietechnik bezog sich in seinem Statement auf das diesjährige Motto der Internationalen Handwerksmesse. Das Können der Orthopädietechnik werde dabei sowohl in der orthopädietechnischen Versorgung von Spitzensportlern als auch im Alltag von vielen Menschen eingesetzt. Wie Dierolf betonte auch Bauche, dass gerade die Erkrankungen des Bewegungsapparates und ihre sachgerechte Therapie eine wesentliche Rolle bei der Erhaltung der Mobilität und der Arbeitskraft in einer alternden Gesellschaft spielen.

Rund 85 Prozent aller Sinneseindrücke werden über die Augen aufgenommen. Diese Zahl alleine verdeutliche, wie wichtig das Sehen für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist, erklärte Thomas Truckenbrod, Präsident des Zentralverbandes der Augenoptiker.
Spätestens ab einem Alter von 60 Jahren ließen spätestens bestimmte Sehfunktionen nach, darunter die Tagessehschärfe, das Kontrast- und das Dämmerungssehen. Schon heute sei die nachlassende Sehkraft einer der Gründe für die Vereinsamung von Senioren, deren Aktionsradius mit der zunehmenden Fehlsichtigkeit schrumpft. „Schlechtes Sehen grenzt aus und macht krank“, so Truckenbrod.  Insofern habe der demographische Wandel auch in Bezug auf das Sehen gravierende Folgen für das soziale Leben in Deutschland.

Hände weg vom Meisterprinzip
Für die konsequente Einhaltung des Meisterprinzips sprach sich Uwe Breuer, Präsident des Verbandes der Zahntechniker-Innungen (VDZI) im Namen aller Gesundheitshandwerke aus. Durch die verpflichtende Meisterpräsenz werde ein Höchstmaß an Patientensicherheit, fachgerechter Versorgung und Verbraucherschutz in den entsprechenden Versorgungsbereichen gewährleistet.
Breuer betonte dies insbesondere vor dem Hintergrund der Pläne der EU-Kommission, welche die Anzahl regulierter Berufe weiter nach unten schrauben wolle. Die Erfahrungen mit der ersten Liberalisierung hätten schon einen Vorgeschmack auf die Folgen gegeben. In liberalsierten Berufen, wie zum Beispiel bei den Fliesenlegern, seien die Ausbilungszahlen deutlich zurückgegangen. „Ein Angriff auf den Meisterbetrieb ist ein Angriff auf den Ausbildungsmotor in Deutschland“ warnte Breuer.

Neben den besonderen Qualitätsvorschriften im Gesundheitswesen basiere die Qualitätssicherheit bei den einzelgefertigten Medizinprodukten und damit verbundenen Dienstleistungen maßgeblich auf den Eckpfeilern der Handwerksordnung, die den Meisterbrief als Zugangsvoraussetzung zur Berufsausübung vorsieht. Sein Fazit lautete deshalb: "Hände weg vom Meisterprinzip!"

„Bedingt durch den demographischen Wandel und dem damit verbundenen Nachwuchsmangel an Fachkräften kann es in bestimmten Regionen Deutschlands zu Lücken in der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung kommen. Dies dürfte vor allem für den ländlichen Raum gelten. Hierfür bedarf es Konzepte und Lösungen, wie das verhindert werden kann.“ erklärten die Gesundheitshandwerke einhellig. Die aktive gewerkespezifische Weiterentwicklung und Modernisierung der Berufsbilder in enger Abstimmung mit den angrenzenden Versorgungspartnern sei auf dem Weg. 

© Wolfgang Best/Orthopädieschuhtechnik