12. Oktober 2016

IGHV fordert patientenfreundlichere und qualitätsorientierte Hilfsmittelversorgung

Mit einem gemeinsamen Positionspapier fordern die 14 Verbände der Interessengemeinschaft Hilfsmittelversorgung (IGHV) eine Verbesserung der Hilfsmittelversorgung in Deutschland. Am 31. August hatte das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf zum Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) verabschiedet, das jedoch der IGHV zufolge noch erheblichen Regelungsbedarf erfordert.

Aus Sicht der IGHV muss eine Ausgestaltung der Hilfsmittelverträge sowie des Hilfsmittelverzeichnisses erfolgen und eine Entbürokratisierung im Hilfsmittelbereich stattfinden. Weiterhin müssen die Ansprüche der Versicherten konkretisiert, der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) gestärkt und ein Beteiligungsrecht der Hersteller und Leistungserbringerverbände realisiert werden. „Grundsätzlich begrüßen wir die Intention des Gesetzentwurfs, die Versorgung mit Hilfsmitteln im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung zu stärken und die Rahmenbedingungen für die Gewährleistung der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität der Hilfsmittelversorgung weiterzuentwickeln. Dennoch haben wir zu dem vorliegenden Referentenentwurf noch eine Reihe von Änderungs- und Ergänzungsvorschlägen“, sagt Klaus Jürgen Lotz, Präsident des Bundesinnungsverbands für Orthopädie-Technik (BIV-OT) und Mitglied des IGHV.
 
Im Einzelnen dürfe, falls Ausschreibungen gesetzlich weiterhin für erforderlich gehalten werden, der Preis nicht mehr alleiniges Entscheidungskriterium sein. Bei der Bewertung von Ausschreibungsangeboten müssten Qualitätskriterien stärker herangezogen werden. Im Bereich der individuellen Hilfsmittelversorgung sei gesetzlich sicherzustellen, dass hier künftig gar keine Ausschreibungen mehr durchgeführt werden dürfen.
 
Ferner werde durch den Gesetzentwurf die Aufnahme eines neuen Hilfsmittels im Verzeichnis zum Verwaltungsakt, so die IGHV. Daher sollten gelistete Hilfsmittel nur per Aufhebungsbescheid gestrichen werden. Gebühren seien ungeeignet, da diese gegebenenfalls eine Marktzugangshürde darstellen und so die Listung neuer Produkte verhindern würden. Dies unterdrücke Innovationen. Um unnötigen bürokratischen Aufwand zu vermeiden bedürfe es einer klaren Abgrenzung zwischen innovativen Hilfsmitteln und neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB). Zudem sei die Dokumentation der Versorgung insbesondere bei geringwertigen Hilfsmitteln ein zweckloser bürokratischer Mehraufwand. Gesetzlich für die Hilfsmittelversorgung zuständige MDK-Strukturen sollten sowohl finanziell, als auch personell besser ausgestattet werden, fordert die Interessengemeinschaft.
 
Außerdem fordern die Verbände in Bereichen der Beteiligungsrechte der Hersteller und Leistungserbringerverbände eine aktive und verbindliche Mitarbeit. Sie müssen am Fortschreibungsprozess zum Hilfsmittelverzeichnis sowie an der Erstellung der angedachten Verfahrensordnung beteiligt sein. Zudem sollen sie an der Definition der Vorgaben zur Hilfsmittelabrechnung sowie der Festlegung der Rahmenbedingungen für Vertragscontrolling und der Inhalte und Maßnahmen zur Entbürokratisierung mitarbeiten, um hier die gegebenen Strukturen zu verbessern.
 
Die Interessengemeinschaft Hilfsmittelversorgung (IGHV)
Die IGHV ist ein Verbund von 14 Verbänden und Leistungserbringergemeinschaften aus den Gesundheitshandwerken Orthopädie- und Orthopädie-Schuhtechnik, Reha-Technik, Homecare, Apotheken sowie der Medizintechnik und vertritt die Interessen von rund 30.000 Betrieben und Unternehmen:

- Arbeitsgemeinschaft Orthopädieschuhtechnik (AGOS)
- Bundesfachverband Elektronische Hilfsmittel für Behinderte e.V. (BEH)
- Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed)
- Deutscher Apothekerverband e.V. (DAV)
- EGROH
- Eurocom
- Fachvereinigung Medizinprodukte e.V. (FMP)
- Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT)
-  Qualitätsverbund Hilfsmittel e.V. (QVH)
- Rehavital, Reha-Service-Ring (RSR)
- Sanitätshaus Aktuell AG
- Spectaris Medizintechnik
- Zentralverband Orthopädie-Schuhtechnik (ZVOS)