13. Oktober 2016

WHO und Kinderärzte fordern Zuckersteuer auf Softdrinks

In Frankreich gilt bereits seit 2012 eine Getränkezuckersteuer in Höhe von sieben Cent pro Liter. (Foto: Michael Eichhammer/fotolia)

Zum Schutz der Gesundheit fordert der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) die Einführung einer Zuckersteuer in Deutschland auf Limonaden und Softdrinks.

Die Verbraucherschützer von Foodwatch empfehlen bereits, 20 bis 30 Cent pro Liter Süßgetränk zu erheben. Dieser Forderung schließe sich der Verband an, betonte Präsident Thomas Fischbach am 10. Oktober bei einem Kongress im hessischen Bad Orb. Die Einnahmen – mutmaßlich eine Milliarde Euro – könnten in Schutzprogramme gegen Diabetes fließen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte eine Sondersteuer auf zuckrige Getränke zur Bekämpfung des Übergewichts.

Der Kinder- und Jugendärzteverband erklärte, dass bereits andere Länder mit einer Zuckersteuer liebäugeln, sie geplant oder eingeführt haben. In Frankreich gelte seit 2012 eine Zusatzsteuer von sieben Cent pro Liter. Großbritannien wolle 2018 eine Abgabe einführen, um stark gesüßte Getränke für Konsumenten unattraktiv zu machen.

Foodwatch hatte vor Kurzem berichtet, dass mehr als jeder zweite Softdrink in Deutschland überzuckert sei. Nach dem Ergebnis einer Studie enthalten 274 von insgesamt 463 untersuchten Produkten (59 Prozent) mehr als fünf Prozent Zucker. In 171 Produkten (37 Prozent) stecken sogar mehr als acht Prozent Zucker, also sechseinhalb Stücke Würfelzucker pro 250 Milliliter. Getränke mit einem Anteil von mehr als fünf Prozent gelten in Großbritannien als überzuckert.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, 25 Gramm Zucker pro Tag in verarbeiteten Lebensmitteln nicht zu überschreiten. „Das halte ich für viel. Besser wären zehn bis fünfzehn Gramm“, sagte Fischbach. Die WHO erklärte heute, es sei allen Regierungen zu empfehlen, zuckerhaltige Getränke mit einer Sondersteuer von mindestens 20 Prozent zu belegen. Diese könne zu einem spürbaren Rückgang des Zuckerkonsums führen. Im Ergebnis würden weniger Menschen an Übergewicht, Fettleibigkeit, Diabetes oder Karies leiden, heißt es.