10. November 2016

11. Bauerfeind-Branchenforum in München

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Über das Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz diskutierten (v.l.): Dr. Dirk Usadel, Albin Mayer, Dr. Roy Kühne, Gisela Bödeker mit Moderator Henning Quanz.

Der Gesetzesentwurf zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung (HHVG) sowie neue Strukturen und Sichtweisen für eine künftige Gesundheitsversorgung: Mit diesen Themen beschäftigten sich am 3. und 4. November die Teilnehmer des 11. Bauerfeind-Branchenforums in München.

Knapp 400 Sanitätsfachhändler und Orthopädie(schuh)techniker nahmen an der Veranstaltung im Westin Grand Hotel teil. Dr. Roy Kühne, Mitglied des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, stellte sich der Diskussion auf dem Podium.

„Es ist wichtig, dass wir als Partner weiter an einem Strang ziehen“, betonte Gastgeber Prof. Hans B. Bauerfeind in seiner Eröffnungsrede. Seiner Meinung nach benötigt die Branche ein neues Image und auf dem Weg dahin folgende Voraussetzungen: ein neues Wort für Hilfsmittel, innovative Produkte und zeitgemäßen Service, moderne Warenpräsentation, starke Allianzen sowie passende Rahmenbedingungen. Kritisch setzte sich der Vorstandsvorsitzende der Bauerfeind AG mit dem Entwurf des HHVG auseinander. „Ich habe den Eindruck, mit dem neuen HHVG soll die Umsetzung der Eigenbeteiligung erschwert werden. Der Entwurf enthält derzeit Regelungen, die zeigen, dass es Zweifel gibt an den Leistungen und an der Vertrauenswürdigkeit der Leistungserbringer.“

Dazu stellte sich Dr. Roy Kühne, Mitglied des Gesundheitsausschusses im Deutschen Bundestag, der Diskussion mit Gisela Bödeker, Bödeker Orthopädie-Technik GmbH, Albin Mayer, Orthopädie-Technik Mayer & Behnsen GmbH, sowie Dr. Dirk Usadel, Rechtsanwalt aus München. Große Zustimmung erhielt Kühne für seine Bekräftigung, das Hilfsmittelverzeichnis grundlegend zu überarbeiten. Einigkeit bestand  darin, dass die derzeit im HHVG-Gesetzesentwurf formulierte Meldepflicht von Zuzahlungen an die Krankenkassen zu streichen sei. 

Beim Thema Ausschreibung gingen die Meinungen zwischen dem Politiker und den Leistungserbringern dann auseinander. Eine Ausschreibung, die Preis und Qualität berücksichtigt, kann sich Gisela Bödeker nicht vorstellen. „Wer definiert die Qualität“, fragte die Bauerfeind-Qualitätspartner-Beirätin. Roy Kühne entgegnete, dass genaue Beschreibungen nötig seien: „Die Qualitätskriterien möchte ich
schon in der Sachebene genau verankern.“ Albin Mayer argumentierte gegen Ausschreibungen. „Wo Ausschreibungen stattfinden, sinkt die Qualität“, sagte der Obermeister der Innung für Orthopädie-Technik Sachsen und Thüringen. Er sprach sich dafür aus, dass die Krankenkassen verpflichtet werden, mit Verbänden die Verträge abschließend zu verhandeln.  „Das Gesetz verspricht mehr, als Geld da ist bzw. mehr als man bereit ist, in das System zu stecken – sei es über Steuerzuschüsse oder Beitragserhöhungen“, stellte Dr. Dirk Usadel fest. Der Rechtsanwalt bezweifelte, dass einzelne Regelungen im Entwurf des HHVG „von der Gesetzgebungskompetenz überhaupt gedeckt“ sind.

Zukunft und Qualität waren die Themen in den Keynotes
Die Keynotes beim 11. Branchenforum widmeten sich dem notwendigen Wandel der Branche, um für die Zukunft gerüstet zu sein. „Wovon leben Sie morgen?“, fragte Dr. Pero Mićić, Vorstand der FutureManagementGroup AG. Der Experte für Zukunftsmanagement beleuchtete Chancen und Risiken, Unwahrscheinliches und Überraschendes, auf das wir für die Zukunft vorbereitet sein sollten.
Schwerpunkt seines Vortrages war die These, dass die Gesellschaft zu gegenwartsbezogen handeln würde und wir uns mit Fehlern aus dem Hier und Jetzt – wie er es auch in seinem aktuellen Buch beschreibt – sprichwörtlich „die Zukunft versauen“.

Über aktuelle Entwicklungen und künftige Strukturen in der Gesundheitsversorgung sprach Prof. Volker Amelung und stellte fest: „Wir können uns schlechte Qualität nicht leisten“. An den  Gesundheitssektor stellte er die Forderung noch stärker zu kooperieren und partnerschaftliche Beziehungen mit benachbarten Branchen auszubauen. Mit kritischem Blick analysierte er die stockende Entwicklung technischer Innovationen sowie die mangelnde Digitalisierung im deutschen Gesundheitssektor.  

„Die Qualität in der Versorgung der Patienten ist uns besonders wichtig. Unsere Qualitätspartnerschaft mit Sanitätsfachhändlern sichert die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit“, hatte Thomas Bauerfeind zuvor betont. Für 2017 kündigte der Bauerfeind-Vorstand an, dass speziell die Messtechnologie noch stärker in den Vordergrund rücken wird.