21. November 2016

„Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2017”: Aktuelle Zahlen zum Diabetischen Fußsyndrom

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Die Zahl von Majoramputationen bei Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom ist in Deutschland mit etwa 12.000 trotz steigender Patientenzahlen stagnierend. Sie liegt jedoch immer noch höher als in Skandinavien und den Niederlanden. Das stellt der jüngst erschienene Gesundheitsbericht Diabetes 2017 fest, der die neuesten Zahlen zum Diabetes mellitus beinhaltet.

Herausgeber des jährlichen Berichts sind die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE - Deutsche Diabetes Hilfe. 

Aktuell sind etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetes mellitus erkrankt, darunter etwa zwei Millionen, die noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. Jeder vierte Diabetiker erleidet im Laufe seines Lebens ein Diabetisches Fußsyndrom. Die Prävalenz des diabetischen Fußulkus liegt bei zirka zwei bis zehn Prozent der Diabetes-Patienten in Deutschland. Die jährliche Inzidenz liegt unverändert bei zwei bis sechs Prozent aller Diabetiker. In Deutschland haben rund 250.000 Diabetiker eine Fußläsion. Etwa 1 Million Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko, eine Fußläsion zu erleiden. Die Neuerkrankungsrate liegt jährlich unverändert bei 2,2 bis 5,9 Prozent.

Etwa 12.000 Majoramputationen im Jahr finden bei Diabetespatienten statt. Die Hauptursache sind periphere Durchblutungsstörungen und Infektionen. Etwa 40 Prozent der Patienten mit schweren Durchblutungsstörungen haben Diabetes. Das Risiko einer Amputation ist für Diabetiker um das zirka 20-fache erhöht. Immer noch zu häufig erfolgt eine hohe Amputation bei schweren Durchblutungsstörungen ohne vorangegangene Angiographie oder den Versuch einer arteriellen Revaskularisation. Der Bericht weist darauf hin, wie wichtig das Einholen einer Zweitmeinung in einem spezialisierten Gefäßzentrum für die Reduktion von Majoramputationen ist.

Erschreckend oft werde amputiert, ohne eine Bildgebung der Blutgefäße oder eine arterielle Revaskularisation durchzuführen, wie es die Leitlinien eigentlich empfehlen. Der Bericht nennt Zahlen einer großen Krankenkasse, bei der dies bei 37 Prozent von über 42.000 untersuchten Patienten bis zu zwei Jahre vor der Amputation nicht stattgefunden hat.

50 bis 70 Prozent aller Amputationen der unteren Extremität sind Folge einer diabetischen Stoffwechselstörung. Bei 85 Prozent der Amputationen bei Diabetikern ging ein Fußulkus voraus, das später eine schwere Infektion oder Gangrän ausbildete.

Weitere Themen
Der Gesundheitsbericht Diabetes umfasst viele weitere Themen. Wie viele Menschen erkranken jedes Jahr neu an Diabetes? Welche Fortschritte gibt es in der Therapie? Wie leben Kinder mit Diabetes? Was versteht man unter Schwangerschaftsdiabetes? Auch die „Epidemiologie des Diabetes in Deutschland“, „Prävention des Typ-2-Diabetes in Deutschland – Herausforderungen und Visionen“ und „Medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes – Entwicklungen der letzten 21 Jahre“ werden behandelt.

Neu im „Gesundheitsbericht Diabetes 2017“ ist außerdem der Artikel „Zuckerkonsum, Übergewicht, Typ-2-Diabetes: die Beweise für eine kausale Beziehung sind erdrückend“. Er liefert  evidenzgesicherte Argumente, an der auch die Lebensmittel- und Zuckerindustrie zukünftig nicht mehr vorbeisehen kann. Weitere neue Beiträge sind  „Demenz – eine 'neue' Folgeerkrankung des Diabetes im Alter“, „Tätigkeitsschwerpunkte einer Diabetesberaterin“ und „Selbsthilfe goes Politics“.

Außerdem erläutern Experten die häufigsten Begleit- und Folgeerkrankungen des Diabetes. In Beiträgen wie „Diabetes mellitus und Herzerkrankungen“, „Schlaganfall bei Diabetes“ und „Diabetes und Augenerkrankungen“ gehen sie darauf ein, wie häufig diese auftreten und wie sie behandelt beziehungsweise verhindert werden können. Auch „Diabetes-Register und Diabetes-Surveillance als Bausteine einer nationalen Diabetesstrategie“ und „Soziale Ungleichheit und Diabetes“ sind Themen der Veröffentlichung.

Der Bericht umfasst rund 260 Seiten und ist auf der Internetseite der Deutschen Diabetes Gesellschaft und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe kostenfrei als herunterladbare PDF-Datei oder gedruckt für 6,50 Euro zuzüglich Versandkosten beim Kirchheim-Verlag erhältlich.

Mehr Informationen im Internet:

Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2017 kostenfrei als PDF-Datei:
Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2017