15. Februar 2017

Berufsabitur: Abitur und Gesellenbrief bald gemeinsam erwerben?

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Wie kann es gelingen, das Handwerk für motivierte qualifizierte junge Menschen attraktiver zu machen? Ein neuer, doppelqualifizierender Abschluss "BerufsAbitur" soll durch die Verknüpfung von Gesellenabschluss und allgemeiner Hochschulberechtigung leistungsstarke Jugendliche bereits in der Schulzeit auf die Perspektiven im Handwerk aufmerksam machen.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hat im Jahr 2015 die bildungspolitische Initiative "Höhere Berufsbildung" ins Leben gerufen, um chancenreiche berufliche Bildungs- und Karrierewege im Handwerk aufzuzeigen und weiterzuentwickeln. Eine erste bundesweite Bildungsmarke soll in diesem Zusammenhang der  doppelqualifizierende Abschluss "BerufsAbitur" werden.

Für die Jugendlichen würde der doppelqualifizierende Bildungsgang viele Vorteile bieten. Sie müssen sich nicht frühzeitig auf einen Bildungsweg festlegen, sondern halten sich alle Möglichkeiten offen. Neben den Hochschulen stehen ihnen nach dem Berufsabitur auch alle Karrieremöglichkeiten im Handwerk offen, wie der Meister oder der Betriebswirt im Handwerk, für die sie durch das Abitur in besonderer Weise qualifiziert wären. Teilnehmende Betriebe haben dann natürlich keine Garantie, dass der Lehrling als Geselle im Betrieb bleibt. Aber sie haben es einfacher, motivierte Nachwuchskräfte mit begründeter Perspektive im Handwerk zu gewinnen.

Bis das Angebot bundesweit flächendeckend angeboten wird, müssen jedoch noch einige Hürden genommen werden. Es muss ein bundesweites Regelangebot mit verbindlichen Standards gestaltet werden, die in den Bundesländern Anwendung finden. Darüber hinaus muss man sich natürlich am Bedarf der Wirtschaft orientieren und bestehende Lernorte berücksichtigen.

Verschiedene Modellvarianten in Planung
Zunächst soll deshalb ein bundesweit gültigen Modell, konzipiert, erprobt und umgesetzt werden unter Beteiligung aller bildungspolitisch relevanten Akteure, wie Wirtschaftsorganisationen, Sozialpartner, Kultusministerkonferenz und Bundesministerien.

Um der länderspezifischen Situation gerecht zu werden, wurden verschiedene Modellvarianten entwickelt, deren Umsetzung von den Akteuren diskutiert wird. Im Modell Duale Fachoberschule wird das Anliegen eines durchgängig dual strukturierten Ausbildungsganges aufgegriffen. Dabei soll die 13. Klassenstufe auf die Ausbildungsjahre drei und vier gestreckt werden. Das Modell Duale Fachoberschule würde allerdings eine berufsbezogene Klassenbildung erfordern, für deren Einrichtung eine stabile Mindestschülerzahl benötigt wird.

Die Modellvariante „Einmündung in die Berufsoberschule“ wäre demgegenüber berufsübergreifend und damit flexibler zu organisieren. Hier würden die Schüler nach Abschluss der Berufsausbildung, während der durch zusätzlichen Unterricht auch die Fachhochschulreife erworben werden kann, in die Abschlussklasse der Berufsoberschule wechseln, wo sie die Hochschulreife erwerben könnten.

Die dritte Variante „Integratives Modell am Beruflichen Gymnasium“ verknüpft die duale Berufsausbildung mit der gymnasialen Oberstufe an einem beruflichen Gymnasium.

Es wird angestrebt, diese drei Varianten im Schuljahr 2017/2018 auf ihre Umsetzbarkeit zu überprüfen. Die Erprobung findet an ausgewählten Schulstandorten und in ausgewählten Berufen statt und soll wichtige Erkenntnisse für eine mögliche Umsetzung in der Fläche liefern.