29. März 2017

AG FUSS: Jahrestagung mit 25-jährigem Jubiläum

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Der bisherige Vorstand der AG FUSS wurde auf dem Mitgliederversammlung im Amt bestätigt (v.l.): Dr. Joachim Kersken (Stellvertreter des Sprechers), Prof. Ralf Lobmann (1. Sprecher), Dr. Sibylle Brunk Loch (Schatzmeisterin), Dr. Anna Trocha (Schriftführerin) und Dr. Gerald Engels (Stellvertreter des Sprechers).

Am 10. und 11. März 2017 feierte die AG FUSS ihr 25-jähriges Jubiläum in Stuttgart Bad Cannstatt. "Sie sind eine äußerst aktive Arbeitsgruppe in der DDG, die sehr viel ge­­leis­tet hat“, lobte DDG-Präsident Prof. Baptist Gallwitz die AG FUSS in seinem Grußwort.

So wäre die Qualifikation Podologe/Fußpfleger DDG ohne die AG FUSS nicht entstanden. Zudem habe die AG die ambulanten und stationären Versorgungsabläufe verbessert und enorm viel für die interdisziplinäre Zusammenarbeit getan. Nicht zuletzt durch das Einholen von Zweitmeinungen habe die Arbeitsgruppe zur Verringerung von Amputationen beigetragen. Wertvoll seien auch die kritischen Stellungnahmen beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, zuletzt zur Hyperbaren Sauerstofftherapie. „Das sind nur einige Ihrer Leistungen – ganz herzlichen Dank dafür“, resümierte Gallwitz.

Dr. Gerhard Willms, 1992 der erste Vorsitzende der AG FUSS, erinnerte daran, wie in den 70er- und 80er-Jahren die Folgeerkrankungen des Diabetes näher in den Blick rückten. 1989 wurde in der St. Vincent-Erklärung das ehrgeizige Ziel formuliert, Amputationen innerhalb von fünf Jahren um 50 Prozent zu verringern. Bei ihrem ersten Treffen verabschiedete die AG FUSS 1992 die „Oppenheimer Erklärung“, die Handlungsanweisungen zur Amputationsvermeidung formulierte.

Heinrich Reike, der von 1994 bis 1996 den Vorsitz innehatte, berichtete, dass er damals sehr beeindruckt von den „Düsseldorfern“ und Prof. Ernst Chantelau war, ebenso von den fußerhaltenden Operationen von Prof. René Baumgartner. Eine unveröffentlichte Studie von Prof. Max Spraul, bei der Chirurgen zu Amputationen befragt wurden, erregte damals erhebliches Aufsehen. Sie zeigte, dass jeder Zweite, der im Krankenhaus am Diabetischen Fuß behandelt wurde, eine Majoramputation erlitt und dass 13 Prozent der Patienten verstarben. In den Folgejahren habe man sich genauer mit Gefäßen befasst und verstärkt Strategien für den Fußerhalt gesucht; es sei eine Aufbruchstimmung auch in der Chirurgie spürbar gewesen, so Reike. Man fand heraus, dass die Patienten, die zusätzlich zur Polyneuropathie eine periphere arterielle Verschlusskrankheit hatten, das größte Majoramputationsrisiko haben. Schon damals erkannte die AG FUSS, dass durch eine multidisziplinäre, strukturierte Betreuung Majoramputationen erheblich verringert werden können.
Zu Reikes Amtszeit begann man, Referenten aus anderen Ländern auf Veranstaltungen einzuladen und zudem die Versorgungssysteme verschiedener Länder zu vergleichen. Daraus wurde später die Eurodiale-Gruppe.

Die DDG-Zertifizierung von Fußbehandlungseinrichtungen wurde unter  Prof. Maximilian Spraul eingeführt, der von 1998 bis 2002 Sprecher der AG FUSS war. 1998 wurde die Diabetic Foot Study Group gegründet, in der Vertreter der AG FUSS bis heute engagiert sind. Auch wurden innerhalb der AG FUSS verschiedene Arbeitsgruppen ins Leben gerufen, unter anderem zur Schuhversorgung, zur Fußdokumentation, zu Kodierempfehlungen, zur Qualitätssicherung und eine Arbeitsgruppe für Podologen. Viele eigene Veranstaltungen, darunter die regelmäßig stattfindenden Postgraduate Courses für Ärzte und Podolgen, tragen bis heute zur Fortbildung bei. Eine besondere Errungenschaft in dieser Zeit sei auch gewesen, dass die Wagner-Armstrong-Klassifikation in die Fußdokumentation der Disease-Management-Programme aufgenommen wurde. Dies habe auch die Basis für IV-Verträge geschaffen, so Spraul.

Der aktuelle AG-FUSS-Sprecher Ralf Lobmann würdigte, dass die Mitgliedszahlen der AG FUSS kontinuierlich auf zuletzt 702 Mitglieder gestiegen sei. Die Zertifizierungen der AG FUSS fänden zunehmend auch Anerkennung in der Kos­tenerstattung und in Selektivverträgen. Aus den Daten der zertifizierten Einrichtungen konnten zudem wissenschaftliche Studien entstehen. In Regionen mit besonders vielen zertifizierten Einrichtungen seien Strukturverträge entstanden; auch konnte die Zahl der Majoramputationen in den beteiligten Zentren auf 3,1 Prozent gesenkt werden.

Die AG Schuhversorgung beschäftigte sich auf der Jahrestagung mit der Überarbeitung der Risikoklasse VI (Amputationsversorgung) und mit Diabetesschutzschuhen. Diskutiert wurde auch, ob eine bundesweite DDG-Zertifizierung für Orthopädieschuhmacher eingeführt werden soll. 

Einen ausführlichen Bericht zu den Diskussionen und Ergebnissen in der AG Schuhversorgung der AG FUSS lesen Sie in der Aprilausgabe der Orthopädieschuhtechnik.