26. April 2017

Liraglutid als möglicher Ausweg aus Diabetesvorstufen

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(Foto: fotolia/Andrey Popov)

In einer internationalen klinischen Studie an übergewichtigen Menschen zeigten Forscher des Imperial College London, dass der Wirkstoff Liraglutid das Fortschreiten von Diabetesvorstufen zur eigentlichen Erkrankung verzögern oder ganz verhindern kann. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal „The Lancet“.

Der Wirkstoff Liraglutid gehört zu den sogenannten GLP-1-Analoga. Diese Medikamente werden unter die Haut gespritzt und ahmen die Wirkung des Darmhormons GLP-1 nach: sie wirken appetithemmend, verzögern die Magenentleerung, regen die Insulinfreisetzung an und unterdrücken die Neubildung von Zucker in der Leber. Sie werden bei Patienten mit Typ-2-Diabetes eingesetzt, wenn andere Medikamente den Blutzucker nicht ausreichend senken, und können mit weiteren Wirkstoffen kombiniert werden.

In ihrer aktuellen Studie haben die Londoner Forscher nun untersucht, ob Liraglutid auch zur Behandlung des sogenannten Prädiabetes eingesetzt werden kann. Dazu untersuchten sie zwischen 2011 und 2015 insgesamt 2254 übergewichtige Patienten mit bereits leicht erhöhten Blutzuckerwerten. Zusätzlich zu einer Änderung ihres Lebensstils (Kalorienreduktion, mehr Bewegung) spritzten sich zwei Drittel (1505) der Teilnehmer einmal täglich selbst Liraglutid unter die Haut, ein Drittel (749) spritzte sich ein Placebo. Die Verteilung erfolgte zufällig und war für die Autoren nicht einsehbar. Über drei Jahre (160 Wochen) hinweg maßen die Forscher, ob und wie schnell  die Teilnehmer einen Typ-2-Diabetes entwickelten. Dabei fiel auf, dass nur etwa die Hälfte der Teilnehmer (1128) die Studie beendete.

Nach Ablauf der Untersuchungszeit hatte sich bei 26 Teilnehmern in der Liraglutid-Gruppe ein Diabetes entwickelt, was etwa zwei Prozent entsprach. Dem gegenüber standen 46 Teilnehmer in der Placebogruppe, umgerechnet sechs Prozent. Während in der Placebogruppe durchschnittlich 87 Wochen bis zur Erkrankung vergingen, waren es mit Liraglutid 99 Wochen. Darüber hinaus förderte das Medikament die Gewichtsabnahme (sieben statt zwei Prozent) und die Normalisierung der Blutzuckerwerte (66 statt 36 Prozent).  Berichte über ernste Nebenwirkungen gab es sowohl in der Placebogruppe (13 Prozent) als auch in der Liraglutid-Gruppe (15 Prozent).

Aus ihrer Studie schlussfolgern die Autoren, dass der Einsatz von Liraglutid bei Menschen mit Fettleibigkeit und Diabetesvorstufen das Risiko für eine Diabeteserkrankung reduziert. Allerdings weisen sie auch auf den hohen Preis des Medikaments hin. Daher schlagen sie die Entwicklung von Tests vor, welche Patienten von der Medikamentengabe wirklich profitieren, beziehungsweise schlagen sie vor, eine Testphase von 12 Wochen einzuführen, nach der die Wirkung ausgewertet wird.

Quellen:

Le Roux CW., et al.: 3 years of liraglutide versus placebo for type 2 diabetes risk reduction and weight management in individuals with prediabetes: a randomised, double-blind trial. In: The Lancet, DOI: 10.1016/S0140-6736(17)30069-7

Imperial College London: Type 2 diabetes prevented in 80 percent of at-risk patients with repurposed drug.