15. Mai 2017

Staatssekretär Laumann stellt Bericht zu Entwicklungen im Gesundheitswesen vor

Staatssekretär Karl-Josef Laumann (Foto: Holger Groß)

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Eine größere Unabhängigkeit des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) fordert Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter und Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung, in seinem Bericht zu den wichtigsten Entwicklungen im Gesundheitswesen in den vergangenen drei Jahren aus Sicht der Patienten und Pflegebedürftigen. Darin spricht er sich auch für die Beseitigung von Qualitätsmängeln in der Hilfsmittelversorgung aus und fordert ein Gesundheitssystem, in dem alle Berufsgruppen auf Augenhöhe agieren.

Eine Forderung des Patientenbeauftragten ist die Neuorganisation des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK). „Viele Patienten und Pflegebedürftigen empfinden den MDK als verlängerten Arm der Kranken- und Pflegekassen – etwa bei der Erstellung von Gutachten zur Arbeitsunfähigkeit oder zur Einstufung der Pflegebedürftigkeit. Laut Gesetz können bis zu einem Viertel der Verwaltungsratsmitglieder des MDK ganz legal hauptamtlich bei den Kranken- und Pflegekassen angestellt sein. Zudem erlässt der GKV-Spitzenverband Richtlinien für den MDK. Ich sehe hier einen klaren Handlungsbedarf. Patienten und Pflegebedürftige müssen ohne jeden Zweifel darauf vertrauen können, dass der MDK grundsätzlich unabhängig und neutral aufgestellt ist. Daher muss er personell wie inhaltlich neu organisiert und von den Kranken- und Pflegekassen gelöst werden“, sagt Laumann.

Laumann spricht sich in seinem Bericht für mehr Versorgungsverantwortung der nichtärztlichen Gesundheitsberufe aus - im Sinne der Übernahme ausgewählter ärztlicher Leistungen: "Durch ihre stärkere Einbindung in die Versorgungsverantwortung kann der steigenden Anzahl von Patienten begegnet werden. Es besteht ein großes Potential bei der Übernahme bestimmter ärztlicher Leistungen durch die Gesundheitsberufe (Substitution). Wir brauchen ein Gesundheitssystem, in dem alle Gesundheitsberufe auf Augenhöhe agieren. Das Verhältnis der Gesundheitsberufe untereinander neu auszutarieren, ist eine der ganz großen Herausforderungen der Gesundheitspolitik der kommenden Jahre."

Außerdem fordert der Patientenbeauftragte, Qualitätsmängel in der Hilfsmittelversorgung zu beseitigen. Dies der Bericht an der mangelnden Produktqualität in der Inkontinenzversorgung fest. Erst durch eine Studie, in der 2015 die von den Krankenkassen gelieferten Inkontinenzprodukte überprüft worden waren, sei überhaupt Bewegung in die Angelegenheit geraten und erreicht worden, dass sich der GKV-Spitzenverband zur Überarbeitung der Produktgruppen im Hilfsmittelverzeichnis bereit erklärt habe. Zuvor habe es dort "sage und schreibe 23 Jahre keine Aktualisierung mehr gegeben". Mit dem neuen Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz seien nun patientenorientierte Regeln festgeschrieben worden, insbesondere, dass Kritierien wie Qualität, individueller Bedarf, Versorgungssicherheit und Wohnortnähe stärker berücksichtigt werden. Positiv hob Laumann auch hervor, dass nun die Wahl zwischen verschiedenen aufzahlungsfreien Hilfsmitteln möglich ist und die Patienten besser beraten werden müssen.

© sw/orthopädieschuhtechnik