23. Mai 2017

Ab wann sind Fehlstellungen von Kinderbeinen behandlungsbedürftig?

Nicole Effinger/fotolia

Im Laufe des Wachstums verändern sich die Beine von Kindern normalerweise gravierend: Säuglinge und Kleinkinder haben immer ausgeprägte O-Beine. Im zweiten bis dritten Lebensjahr werden aus O- dann X-Beine. Aber bei vielen Kindern kommt es im Laufe des Wachstums darüber hinaus zu Fehlentwicklungen, die korrigiert werden sollten. An der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim werden jetzt moderne 3-D-Anlaysegeräte eingesetzt, die Fehlstellungen von Beinen und Füßen bei Kindern auch unter Belastung darstellen können.

Mit dieser neuen "hipEOS"-Technik kann der Bewegungsapparat der jungen Patienten im Stehen aufgenommen werden. "Das zeigt ein realitätsnahes Belastungsbild von Knochen und Gelenken und damit auch eventuelle Fehlstellungen, die später im Erwachsenenalter oft Auslöser von Erkrankungen sind", sagt Klinikdirektorin Professor Dr. Andrea Meurer.

Was ist normal?
Die richtige Endposition haben Beine und Füße normalerweise bei Mädchen ab dem 14. und bei Jungen ab dem 16. Lebensjahr erreicht. Bei durchgedrückten Knien und aneinander liegenden Innenknöcheln sollte dann zwischen den beiden Kniegelenken ein zwei Finger breiter Abstand bestehen. Sind Kniescheiben und Kniegelenke auch nach vorne gerichtet, zeigen im optimalen Fall die Füße im 10 bis 15 Grad-Winkel nach außen.

20 Prozent der älteren Kinder leiden unter X- oder O-Beinen
Bei Innenrotationsfehlern werden die Betroffenen langfristig am optimalen Laufen gehindert, bei Außenrotationsfehlern drohen schmerzhafte Veränderungen in den Kniegelenken. Lebenslange Beschwerden wären die Folge, wenn hier nicht operativ korrigiert wird, meinen die Experten der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim. Gleiches gelte, wenn ältere Jugendliche weiterhin ausgeprägte X- oder O-Beine aufweisen. Laut Statistik zeigt sich bei 20 Prozent der Kinder über 10 Jahre dieses Problem. Die Praxis und die Belastungsanalysen unter Einsatz der EOS-Technik zeigen aber auch, dass bei Kindern nur in etwa zehn Prozent der Fälle Fehlentwicklungen bei der Beinachsenveränderung operativ korrigiert werden müssen, um lebenslange Beschwerden und Folgeschäden zu vermeiden. O-Beine  beispielweise  können durch operativ eingesetzte Klammern in Unter- und Oberschenkelknochen wirkungsvoll korrigiert werden.
 
Chirurgischen Eingriff wenn möglich vermeiden
Grundsätzlich versuchen die Mediziner am Klinikum Friedrichsheim einen chirurgischen Eingriff wann immer vertretbar zu vermeiden. "Allerdings bringen rein konservative Maßnahmen, etwa die immer wieder praktizierte Erhöhung der Schuhränder oder der Einsatz knieübergreifend korrigierender Beinschienen, keine messbare Korrekturwirkung. Sie belasten die Kinder im Alltag aber über lange Zeit erheblich", so die Auffassung von Oberärztin Dr. Stefanie Adolf. Der chirurgische Eingriff sei da dann meist die bessere Alternative. Zumal man den Umfang des Eingriffs durch minimalinvasive Operationsmethoden in der Regel auf ein Minimum reduzieren könne.

Den Eltern raten die Orthopäden der Klinik, in der Wachstumsphase auf viel Bewegung und sportliche Belastung der Kinder achten. Das seien die besten Voraussetzungen dafür, dass Füße und Beine gesund wachsen - und Korrekturen per Operation die Ausnahme bleiben.