26. Juni 2017

Ottobock: Investor steigt ein

Ottobock will mit Hilfe des Investors EQT weiter wachsen.(Foto: Ottobock)

Anzeige

Das schwedische Private Equity-Unternehmen EQT übernimmt 20 Prozent an der Otto Bock HealthCare GmbH und wird damit der erste familienfremde Anteilseigner in 98 Jahren Firmengeschichte. Die Investitionsvereinbarung haben beide Seiten am 24. Juni am Stammsitz in Duderstadt unterschrieben. 80 Prozent bleiben weiterhin in den Händen der Otto Bock Holding GmbH & Co. KG, die zu 100 Prozent der Inhaberfamilie Näder gehört.

„Wir verbinden die Dynamik von Ottobock als Weltmarktführer in der technischen Orthopädie mit EQT als führendem europäischen Investor im Medtech-Bereich mit umfassender Expertise und einer starken Bindung an die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg. Gemeinsam nutzen wir das Know-how im Medtech-Bereich und die Kompetenz von Private Equity, um noch agiler zu werden, noch schneller auf Zukunft umzuschalten, unsere führende Stellung in der digitalen Transformation weiter auszubauen und versteckte Performance- und Ertragspotenziale zu heben“, sagt Prof. Hans Georg Näder, Vorsitzender der Geschäftsführung der Otto Bock Holding GmbH & Co. KG.

EQT hat sich in einem Bieterverfahren, das die Investmentbank J.P. Morgan geführt hat, gegen eine Reihe anderer internationaler Investoren durchgesetzt. „Wir sind beeindruckt, von der andauernden Innovationskraft von Ottobock und der Fähigkeit des Unternehmens, den Rahmen für Mobilitätslösungen im Bereich Wearable Home Rehabilitation im Wachstumsmarkt der Human Bionics zu definieren“, sagt Marcus Brennecke, der von München aus die Region Deutschland, Österreich und Schweiz (DACH) für EQT verantwortet. Gegründet wurde EQT 1994 von Conni Jonsson und dem Investor AB (vor 100 Jahren von der der schwedischen Unternehmerfamilie Wallenberg gegründet). Nach Angaben von Ottobock verfolgt  EQT eine nachhaltige und langfristig angelegte Anlagestrategie. Zu den Geldgebern der insgesamt 37 Milliarden Euro umfassenden 24 Fonds gehören gut 400 institutionelle Investoren aus aller Welt, darunter Versicherungen, Pensionsfonds, Stiftungen und Family Offices. Medizintechnik ist ein wesentlicher Branchenschwerpunkt. EQT beteiligt sich gezielt an Familienunternehmen und weitet die Präsenz im deutschsprachigen Raum aus. EQTs aktuelle Investitionen im Healthcare-Segment umfassen unter anderem Sivantos, den führenden Spezialisten im Hörgerätebereich (ehemals Siemens Audiology Solutions) und den italienischen Hersteller für Endoprothesen, Lima. Das Geld aus der Transaktion soll überwiegend der weiteren Finanzierung des Wachstums etwa durch Akquisitionen wie jüngst bebionic und BionX dienen.

Ottobock verfolgt im Rahmen der Strategie „Roadmap 22“ einen ambitionierten Wachstumspfad in den Bereichen Prothetik, Orthetik, Human Mobility und Medical Care. Das Unternehmen erwirtschaftete 2016 einen Umsatz von 884,5 Millionen Euro und beschäftigt mehr als 7.000 Mitarbeiter. An einem möglichen Börsengang will Ottobock weiter festhalten. „Allerdings wird ein solcher Schritt durch den Einstieg von EQT eher später als früher erfolgen“, erklärte Näder.  Die Vereinbarung steht noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch die Kartellbehörden. Der Abschluss, das sogenannte Closing, soll im zweiten Halbjahr erfolgen.