09. Oktober 2017

Das Bindegewebe als Ursache für Schmerzen?

Dr. Charles Mathonet (rechts) referierte über die Bedeutung des Bindegewebes als mögliche Ursache für Schmerzen. (Foto: Innung für Orthopädie-Schuhtechnik Mittelrhein-Pfalz)

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Auf der Suche nach dem Ursprung „unerklärlicher“ Schmerzen referierte Dr. Charles Mathonet, Oberarzt im Neuwieder Marienhaus Klinikum St. Elisabeth, bei der Innung für Orthopädie-Schuhtechnik Mittelrhein-Pfalz. Im Blickpunkt stand das Bindegewebe.

Im Koblenzer Servicehaus Handwerk versammelten sich die Mitglieder der Innung für Orthopädie-Schuhtechnik Mittelrhein-Pfalz, um dem Experten für Orthopädie und Unfallchirurgie zu lauschen. Viel zu lange, so das Credo des Mediziners, blieb das Bindegewebe in puncto Forschung unbeachtet. Ging es um Beschwerden, untersuchte man die Knochen und die Muskeln, nicht aber die Faszien, das Bindegewebe, die Bänder und Sehnen, die die Muskeln umschließen. Anders als lange angenommen, sei es keineswegs bloßes „Füllmaterial“, so Mathonet. Ganz im Gegenteil.

Das Netzwerk aus Bindegewebe, das den gesamten Körper durchzieht und stabilisiert, „lebt und verändert sich“. Unter anderem diene es als feuchtes Schmiermittel, das die Muskeln bei Bewegung flexibel aneinander vorbeigleiten lässt. Zudem befinden sich Rezeptoren an den Faszien, die dem Menschen gemeinsam zum Beispiel mit dem Sehsinn und dem Gleichgewichtsorgan helfen, seine Lage wahrzunehmen. „Verfilzen diese Faszien, etwa durch Bewegungsmangel, kann dies ein Erklärungsmuster für Schmerzen sein“, schilderte Charles Mathonet. Eine Erkenntnis, die den Weg für neue Behandlungsmethoden und sinnvolle Maßnahmen zur Vorbeugung ebnet. „Wir wissen heute: Möglichst vielfältige Bewegungen sowie spezielle Massagen erhalten die Elastizität des Bindegewebes“. Dass der Körper kein starres Gerüst ist, sondern ein biegsames, dynamisches Modell, das über Bänder und Federn miteinander verbunden ist – dieses Bild gewinne in der Medizin mehr und mehr an Bedeutung, ist der Arzt aus Belgien überzeugt.

Auch für die Orthopädie-Schuhmacher als „Mobilmacher“ sind Denkanstöße dieser Art von großer Wichtigkeit. Dementsprechend interessiert wurde der Vortrag des Experten aufgenommen. Rührig ist die Innung, die 81 Vollmitglieder umfasst. Ob Treffen mit dem Zentralverband, Ausarbeiten von Verträgen mit den Krankenkassen, Öffentlichkeitsarbeit zur Nachwuchsgewinnung oder Teilnahme an Messen: Die Orthopädie-Schuhmacher sind dabei. Die Institution, die allen hiesigen Innungen vorsteht, ist die Kreishandwerkerschaft (KH) Mittelrhein. Sie organisierte auch die jetzige Herbstversammlung mit umfassendem Serviceangebot.

So sorgte Steuerberater und Diplom-Finanzwirt Gerhard Regnery für Durchblick in puncto „Schwerpunkte der Steuerprüfung im Handwerk“. Aktuelles aus dem Zentralverband (ZVOS) sowie Vertragssituation und Abrechnungsfragen aus der Praxis berichtete der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Michael Seelig. Die Finanzen der Innung sind das Ressort von Geschäftsführer Karlheinz Gaschler, wobei die Beschlüsse einstimmig erfolgten. Am Ende des Tages gab es viele zufriedene Gesichter – und neue Ideen, wie der Mensch auch in fortgeschrittenem Alter gut zu Fuß unterwegs sein kann.