31. Januar 2018

Was treibt Lehrlinge um?

Tierney/fotolia

Am 14. und 15. Dezember 2017 war der Zentralverband Orthopädieschuhtechnik (ZVOS) bei der Berufsschule der Handwerkskammer Lübeck zu Gast. In Abstimmung mit dem Vorsitzenden der ALOST, Michael Blau, war Natascha Kiekhäfer, Nachwuchs- u. Bildungscoach im ZVOS, vor Ort, um im Gespräch mit den Lehrlingen zu erfahren, wie sie ihre Ausbildung bewerten und was sie sich von ihr versprechen.

Wie seid ihr auf den Beruf Orthopädieschuhtechnik aufmerksam geworden? Diese Frage wurde ganz unterschiedlich beantwortet. Mehrere Lehrlinge hatten von der Handwerkskammer, der Agentur für Arbeit oder vom ZVOS von diesem Beruf erfahren. Vielen war zunächst die Orthopädietechnik bekannt gewesen, bevor sie auf die Schuhtechnik aufmerksam wurden. Anzeigen und Auslegekarten („Azubi gesucht“) hatten ebenfalls die Idee zu dieser Ausbildung geweckt. Bei einem Teil der Schüler waren es auch die Eltern, die selbst Orthopädieschuhmacher sind. Einige wenige Schüler trugen selbst orthopädische Schuhe. Etwa 95 Prozent der Schüler gaben an, vor dem Beginn der Ausbildung ein Praktikum in der Orthopädieschuhtechnik gemacht zu haben.

Doch was reizt junge Menschen gerade an der Orthopädieschuhtechnik? Hier gab es ein ganzes Spektrum an Antworten: Die Möglichkeit, anderen zu helfen, wurde ebenso genannt wie die Aussicht, Wissen in funktioneller Anatomie zu erwerben und anzuwenden. Viele lockte das handwerkliche Arbeiten und die Möglichkeit, etwas für andere mit den Händen zu erschaffen und dabei individueller Produkte zu fertigen. Insgesamt bewerteten die Lehrlinge die Vielseitigkeit des Berufs als attraktiv.  
Weniger positiv bewerteten sie, dass es zu wenige Standorte der Berufsschulen gebe, einige unter ihnen hätten Anfahrtswege von bis zu sechs Stunden. Auch die geringe Vergütung wurde als problematisch angesehen, ebenso die Finanzierung der Lehrmittel und Fahrtkosten. Die Schüler äußerten das Bedürfnis nach Stipendien oder sonstigen Fördermöglichkeiten.

Gefragt danach, wie es weiter gehen soll, erklärten 85 Prozent der Lehrlinge, den Meister erwerben zu wollen. Nur wenige zeigten Interesse an einem reinen Bachelorstudium, viele aber  an einer Kombination aus mehreren Abschlüssen, wie Meister plus Bachelor. Dabei äußerten die Befragten großes Interesse an Lehrgängen zum Schaftbau, außerdem an den Bereichen Sport und Diabetes.

Natascha Kiekhäfer fragte auch, ob die Lehrlinge die Nachwuchswerbung aus der Imagekampagne des Handwerks kennen. Nur vier von 60 Schülern kannten Lena Frey aus der Kampagne „Hol dir meinen Job“ und Clarissa Lotter, die Studienabbrechern eine Ausbildung in der Orthopädieschuhtechnik schmackhaft machte.
Die Rekordpraktikanten, die 2017 durch verschiedene Handwerksbetriebe in Deutschland getourt waren und auch die Orthopädieschuhtechnik in den Betrieben von Achim Oberle und Axel Merz besucht hatten, kannten nur zwei Schüler.

Die Zeitschrift „Orthopädieschuhtechnik“ war den Schülern bekannt, sie liegt neben anderen Zeitschriften in den Klassen aus. Beim Lehrlingstag auf der Messe ORTHOPÄDIE SCHUH TECHNIK nahm der Nachwuchs vor allem die Workshops für Lehrlinge wahr. Er wünschte sich jedoch, dass auch die Aussteller auf den Messeständen spezielle Angebote bereithalten.

Natascha Kiekhäfer informierte die Schüler über besondere Aktivitäten des ZVOS zur Nachwuchsförderung. So diskutierte sie mit ihnen über die Nachwuchs-Postkarten des ZVOS und stellte die „Junge Runde“ vor, in der junge Persönlichkeiten der Orthopädieschuhtechnik Innovationsmöglichkeiten für die Orthopädieschuhtechnik diskutieren. Hier zeigten gleich vier Schüler Interesse, sich der Jungen Runde anzuschließen.