11. April 2018

ZDH sieht keinen Zusammenhang zwischen Ausbildungsvergütung und Ausbildungsabbruch

Holger Schwannecke (Foto: Stegner/ZDH)

Anlässlich der aktuellen Diskussion um die hohe Zahl von Ausbildungsabbrüchen und einen Mindestlohn in der Ausbildung erklärte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke, dass das vorzeitige Beenden von Ausbildungsverträgen unterschiedliche Ursachen habe. Die Ausbildungsvergütung sei selten der Grund für ein vorzeitiges Beenden der Ausbildung.


„Wir im Handwerk wollen Fachkräfte qualifizieren und an uns binden. Insofern bedauern wir, wenn Auszubildende vorzeitig ihre Lehre abbrechen. Und wir analysieren die Ursachen. Dabei stellen wir fest: Vorzeitiges Beenden von Ausbildungsverträgen hat sehr unterschiedliche Ursachen. Ein Großteil hat die Ausbildung nicht wirklich abgebrochen, sondern nur den Vertrag gelöst und setzt die Ausbildung in einem anderen Betrieb fort. Ein Wechsel ist umso leichter, je größer das Ausbildungsangebot ist. Die Aussteigerzahlen müssen aber auch im Verhältnis zu anderen Bildungsbereichen gesehen werden. Im Vergleich zum akademischen Bereich sind die Ausbildungsabbrüche im Handwerk deutlich geringer. Mit ausbildungsbegleitenden Hilfen und der Assistierten Ausbildung stehen Auszubildenden zudem Unterstützungsinstrumente bei fachlichen und persönlichen Schwierigkeiten zur Auswahl, die noch bekannter gemacht werden müssen", so Schwannecke.

Die in jüngster Zeit zunehmende Vertragslösungsquote sei auch auf die steigende Zahl von geflüchteten Auszubildenden zurückzuführen. Sprachdefizite und unzureichende Kenntnisse in Rechnen, Schreiben und Lesen würden zu Problemen vor allem in der Berufsschule und damit leider auch zu Ausbildungsabbrüchen führen.

Schwannecke: "Wir dürfen die Themen Ausbildungsvergütung und Lohn nicht in einen Topf werfen. Die Ausbildungsvergütung ist kein Lohn oder Gehalt, sondern ein Zuschuss zum Lebensunterhalt. Dazu kommen dann noch das Kindergeld und weitere soziale Förderungen. Azubis sind keine voll einsatzfähigen Arbeitskräfte, sondern lernen noch. Die Höhe der Ausbildungsvergütungen orientiert sich an der Leistungsfähigkeit der ausbildenden Betriebe und den steigenden Einsatzmöglichkeiten der Auszubildenden zusammen."

Hinzu komme, dass es regionale wie auch branchenbezogene Unterschiede bei den Auszubildenden-Entgelten gibt. Eine generelle starre Untergrenze für Ausbildungsvergütungen würde dieser Vielfalt und den regionalen wie branchenüblichen Besonderheiten in keiner Weise gerecht werden, meinte Schwannecke. "Deswegen kann nur ein branchenspezifischer Ansatz eine Lösung sein. Darüber sollten aber die Sozialpartner entscheiden und nicht die Bundesregierung. Wir wollen auf keinen Fall, dass die Tarifautonomie ausgehebelt wird. Um Auszubildende besser zu unterstützen, wäre das Azubi-Ticket eine Möglichkeit. Schließlich bekommt auch ein Student während seiner Ausbildung Vergünstigungen, wie das Semesterticket.“