20. Juni 2018

Bewegung im Zentralverband

Bei der Delegiertenversammlung des Zentralverbandes Orthopädieschuhtechnik (ZVOS) im April war es nicht gelungen, einen neuen Vorstand zu wählen (s. OST 6/2018). Während daraufhin einige Landesinnungen ankündigten, über den Verbleib im Zentralverband in ihren Innungen abstimmen zu lassen, kündigten die Innungen, die im ZVOS bleiben wollen, eine Neu- und Umstrukturierung des Verbandes an.

Nachdem bei der Mitgliederversammlung auch keine Mehrheit für einen Haushalt und eine notwendige Beitragserhöhung zustande kam, waren alle Vorstandsmitglieder - bis auf Präsident Dierolf - zurückgetreten und die Kandidaten für den Vorstand traten nicht mehr zur Wahl an.

In der Folge kündigten die Landesinnungen Saarland und Hessen sowie der Landesinnungsverband Niedersachen an, noch vor Ende Juni Mitgliederversammlungen anzuberaumen, um über einen Austritt aus dem ZVOS abzustimmen. Während das Saarland für einen Verbleib stimmte, fiel die Abstimmung in Hessen am vergangenen Samstag gegen den Zentralverband aus. Die Abstimmung in Niedersachsen steht noch aus. Für Baden-Württemberg erklärte der Vorstand, dass man im ZVOS bleiben werde.

In einer Pressemitteilung erklärt die Landesinnung Hessen, dass diese Entscheidung dem Vorstand und den anwesenden Innungsmitgliedern nicht leicht gefallen sei. In den vergangenen Jahren habe sich die Landesinnung mit großem Engagement im Ehrenamt und Hauptamt an der Arbeit im Bundesverband beteiligt. Leider habe man aber gerade in letzter Zeit immer wieder erleben müssen, dass die vielfältigen Aufgaben auf Bundesebene nicht gemeinsam vorbereitet und umgesetzt wurden. Aus Sicht der Landesinnung seien wichtige Entscheidungen unvorbereitet, sehr spontan und teilweise ohne Absprache getroffen wurde. Zudem sei die Einbindung der Gremien und der Informationsfluss vom ZVOS in die Innungen vernachlässigt worden.

Trotz des Austrittes betonte die Landesinnung Hessen, dass man nach wie vor davon überzeugt sei, dass das Orthopädieschuhmacherhandwerk eine starke gemeinsame Vertretung auf Bundesebene braucht. Für dieses Ziel wolle man sich auch zukünftig einsetzen.

Zentralverband arbeitet an neuen Strukturen
„Wie bedauern die Entscheidung der Landesinnung Hessen sehr“, erklärt Oliver Dieckmann, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes. „Wir hätten gerne gemeinsam weiter an einer erfolgreichen bundesweiten Vertretung gearbeitet - und Missverständnisse aufgeklärt.“. Die aktuelle Situation wird laut Dieckmann beim Zentralverband intensiv zu Neu- und Umstrukturierungen des Zentralverbandes genutzt.

Nachdem Werner Dierolf ja schon angekündigt hatte, als Präsident für eine weitere Periode nicht mehr zur Verfügung zu stehen, und er als Hauptgeschäftsführer zum Jahresende ausscheide, gebe es viel Gestaltungsspielraum für die Schaffung einer neuen Struktur, die zum Beispiel auch einen Umzug des Verbandes nach Berlin beinhalten könne, um näher an den Entscheidungsträgern in der Politik zu sein, erklärt Dieckmann. Die Wichtigkeit des Zentralverbandes als Interessensvertreter des Orthopädieschuhmacher-Handwerks auf  bundespolitischer Ebene sowie künftig verstärkt auch auf EU-Ebene sei den im Zentralverband organisierten Landesinnungen sehr deutlich vor Augen.

In der deutschen föderalistischen Struktur könne nur als Bundesverband agiert und verhandelt werden. Der Zentralverband sei dabei eine unverzichtbare Organisation für die Zukunft der Orthopädieschuhtechnik als Handwerk und für jeden einzelnen Betrieb. Allein der Umstand des einzelnen Aushandelns von Kassenverträgen auf Bundesebene oder gar dem Schreiben von einzelnen Kostenvoranschlägen müsse jeden Betrieb abschrecken. Davor soll und kann ein starker Zentralverband bewahren, genauso wie vor EU-Gesetzgebungsideen, die der Branche schaden, so Dieckmann.

Politische Arbeit soll intensiviert werden
Der schon jetzt intensiven politischen Arbeit will man deshalb beim Zentralverband noch mehr Gewicht geben. So ist jetzt bereits der Parlamentarische
Abend am 6. November in Berlin in Vorbereitung. Mit MdB Dr. Roy Kühne sei es gelungen, einen wichtigen Gesundheitspolitiker als Schirmherrn zu gewinnen, der bereits in der letzten Legislaturperiode ein offenes Ohr für die Anliegen des Handwerks gehabt habe. „Die Parlamentarischen Abende des ZVOS sind hoch beachtet in der Politik“, erklärt Oliver Dieckmann. Deshalb seien sie die ideale Gelegenheit, die eigenen Anliegen direkt mit den verantwortlichen Politikern anzusprechen, wie zum Beispiel die dringend nötige Anpassung des HHVG, die Beteiligungsrechte der Orthopädieschuhtechnik bei der Versorgungsplanung sowie die Mitbestimmungsrechte beim GKV-SpiBU und bei der Gestaltung des Hilfsmittelverzeichnis.

„Die aktiven Landesinnungen, die einen starken Zentralverband schaffen wollen, nehmen auch andere Themen unter die Lupe“, berichtet Oliver Dieckmann. Schwachstellen und ein Optimierungsbedarf in Abläufen, die zum einem großen Teil auch der knappen Haushaltssituation und engen Personaldecke geschuldet waren, sollen durch die anstehende Umstrukturierung behoben werden.

Für die Neuausrichtung des Verbandes sucht der Zentralverband das Gespräch mit allen Innungen, die sich für eine starke bundesweite Interessenvertretung einsetzen wollen und lädt alle Landesinnungen und Mitglieder am 27.Juni zu einem Treffen nach Berlin ein. Das Ziel ist, gemeinsam strukturell und inhaltlich die Basis für eine erfolgreiche Arbeit zu legen.
Noch vor dem Austritt der Landesinnung Hessen hatte es auf Initiative des LIV Niedersachsen Ende Mai ein Treffen von Innungen zur Zukunft der Orthopädie-Schuhtechnik gegeben. Unabhängig von der Einladung des ZVOS soll das Folgetreffen auf Einladung der Landesinnung Hessen am 11. Juli in Kassel stattfinden.