28. Juni 2018

Lutz Hennicke verstorben

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Lutz Hennicke bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes. (Foto: Werner Lerch)

Lutz Hennicke ist am 14. Juni 2018 nach langer Krankheit verstorben. Er hat den landesweiten Arbeitskreis Orthopädie-Schuhtechnik Sachsen in Dresden gegründet, war Gründungsmitglied des Arbeitskreises Orthopädieschuhtechnik Baden-Württemberg sowie zwischen 1983 und 2004 dessen Vorsitzender.

Lutz Hennicke wurde am 24.1.1938 in Leipzig geboren. Nach der polytechnischen Oberschule und einer Lehre zum Orthopädieschuhmacher ging er auf die Fachschule nach Dresden und legte dort die Meisterprüfung als Schuhmacher und Orthopädieschuhmacher ab. Wenige Tage vor dem Mauerbau floh er am 5. August 1961  aus der DDR über Berlin und kam schließlich nach Baden-Württemberg. 1962 hat er in Karlsruhe einen Orthopädie-Schuhmacherbetrieb gekauft und kontinuierlich aufgebaut. Im Jahr 2001, nach fast 40-jähriger Selbständigkeit, hat er den Betrieb seiner Tochter übergeben und ist in Ruhestand gegangen. Seinen Lebensabend verbrachte er in seiner alten Heimat, dem sächsischen Langenleuba-Oberhain.

Lutz Hennicke war 1976 Gründungsmitglied des Arbeitskreises Orthopädieschuhtechnik Baden-Württemberg und seit 1983 dessen Vorsitzender. Ab Mitte der 80er Jahre reiste er regelmäßig zur Leipziger Frühjahrs- und Herbstmesse und nahm vorsichtige Verbindung zu dem Berufskollegen Herbert Weimert, dem damaligen Obermeister aus Dresden, auf.

Bereits wenige Monate nach dem Mauerfall und damit vor der Wiederherstellung des Innungs- und Verbandswesens in der ehemaligen DDR, gründete Lutz Hennicke im Februar 1990 mit dem damaligen Landesgewerbeamt Baden-Württemberg, den landesweiten Arbeitskreis Orthopädie-Schuhtechnik Sachsen in Dresden. Im Frühjahr 1990 war er Teilnehmer der ersten Wirtschaftsdelegationsreise Baden-Württembergs nach Sachsen unter Führung des damaligen Wirtschaftsministers Schaufler.

Bereits im April 1990 führte er für den neu gegründeten Arbeitskreis in Sachsen den ersten von acht Unternehmensführungslehrgängen in Dresden durch. In über 50 Veranstaltungen und Zusammentreffen hat er beide Arbeitskreise fest miteinander verbunden. 2004 gab er den Vorsitz des Arbeitskreises Baden-Württemberg in jüngere Hände.

Lutz Hennicke ist es damit gelungen, nicht nur ein Mann der ersten Stunde zu sein, er hat sich auch große Verdienste um das Zusammenwachsen des einst geteilten Deutschlands erworben. 2006 bekam er dafür, im Auftrag von Bundespräsident Horst Köhler, von Regierungspräsident Dr. Rudolf Kühner das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Auch heute, nach knapp 30 Jahren, leben die beiden Arbeitskreise ihre kurz nach der Wende begonnene Partnerschaft. Waren die ersten Jahre der Kooperation zunächst von uneigennütziger Hilfe seitens des baden-württembergischen Arbeitskreises geprägt, ist der offene und konstruktive Dialog inzwischen für beide Seiten zu einem wichtigen Erfahrungsaustausch geworden. Was am Anfang von Lutz Hennicke und Herbert Weimert initiiert wurde, führen alle Mitglieder in beiden Arbeitskreisen gemeinsam weiter. Insbesondere durch die zwischenmenschlichen Erfahrungen und Eindrücke sind Freundschaften entstanden, die längst über den beruflichen Horizont hinausgehen.

Lutz Hennicke hat durch seine zahlreichen Initiativen und durch sein unermüdliches Engagement wesentliche Spuren im Orthopädieschuhmacherhandwerk hinterlassen.

Werner Lerch