01. August 2018

Diabetisches Fußsyndrom: "Entitätenkonzept" in der Diskussion

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v.l.: Dr. Dirk Hochlenert, Annette Switala (C. Maurer Fachmedien), Dr. Gerald Engels, OSM Jürgen Stumpf und OSM Herbert Türk. (Foto: C. Maurer Fachmedien)

Am 28. Juli 2018 veranstalteten C. Maurer Fachmedien und die Zeitschrift „Orthopädieschuhtechnik“ in München erneut ihr interdisziplinäres Symposium zum Entitätenkonzept, das neue Behandlungsperspektiven für den Diabetischen Fuß eröffnet. Dr. Dirk Hochlenert, Dr. Gerald Engels, OSM Jürgen Stumpf und OSM Herbert Türk zeigten gemeinsam auf, wie der Blick auf die Biomechanik des Fußes in die orthopädische und chirurgische Behandlung einbezogen werden sollte.


Wie Dr. Engels und Dr. Hochlenert mit ihren Kooperationspartnern festgestellt haben, sind es immer ganz bestimmte, prominente Stellen am diabetischen Fuß, an denen Wunden entstehen. Diese begrenzte Anzahl an Wunden an ganz bestimmten Stellen des Fußes sind für sie die „Entitäten“. Ihre Entstehung hat biomechanische Ursachen, sind Engels und Hochlenert überzeugt. Versteht man die jeweiligen Ursachen, dann lässt sich besser entscheiden, welche orthopädieschuhtechnischen und chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten am erfolgversprechendsten sind.

Die acht häufigsten Entitäten, mit denen die Orthopädieschuhtechnik zu tun hat, waren es, die in dieser Veranstaltung mit den anwesenden Orthopädieschuhmachern, Orthopädietechnikern und Chirurgen interdisziplinär diskutiert wurden. Ob Läsionen unter verschiedenen Metatarsaleköpfen, unter den Zehenkuppen, ob Torsionsläsionen der Großzehe oder lateroplantare Läsionen an MTK 5 beim Hohlfuß: Zu allen Entitäten erläuterten Dr. Dirk Hochlenert und OSM Jürgen Stumpf die biomechanischen Hintergründe, bevor es dann gemeinsam mit OSM Herbert Türk und Fußchirurg Dr. Gerald Engels an die orthopädieschuhtechnischen und chirurgischen Behandlungsmöglichkeiten ging.

Stumpf und Türk hatten für das Symposium Pionierarbeit geleistet, indem sie das Entitätenkonzept, das Dr. Hochlenert, Dr. Engels, Dr. Stephan Morbach und OSM Peter Brümmer mit anderen Netzwerkpartnern entwickelt haben, genauer durchdacht und für die Orthopädieschuhtechnik weiterentwickelt hatten. Dezidiert zeigten sie  auf, welche orthopädieschuhtechnischen Maßnahmen für die acht vorgestellten Entitäten zur Verfügung stehen. Dabei traten die beiden Orthopädieschuhmachermeister dafür ein, die diabetesadaptierte Fußbettung nicht mehr ohne Stufen und Pelotten zu fertigen, sondern auch Entlastungselemente einzubauen, die gezielt Druck auf belastbare Regionen des Fußes umverteilen. 

Dr. Gerald Engels, der aufgrund eines Krankenhausaufenthaltes per Videokonferenz zugeschaltet wurde, begeisterte das Publikum mit ebenso verständlichen wie humorvollen Ausführungen über die operativen Möglichkeiten und machte deutlich, dass einige Entitäten, etwa Läsionen an den Zehenkuppen bei Hammer- und Krallenzehen, leichter operativ als orthopädieschuhtechnisch behandelt werden können. Der Experte für Wundchirurgie am Diabetischen Fuß zeigte auf, dass in vielen Fällen keine aufwändige Knochenchirurgie nötig ist, um eine innere Entlastung des Fußes zu bewirken. Seine Spezialität sind feine Eingriffe an den Weichteilen, etwas Sehnendurchtrennungen, die den Patienten nicht strapazieren, aber sehr vorteilhafte Veränderungen in der Biomechanik des Fußes bewirken können – eine selten gelebte Praxis, die die fußerhaltende Chirurgie am Diabetischen Fuß voranzubringen verspricht.