03. August 2018

Sachverständigenrat Gesundheit legt Gutachten 2018 vor

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Wie können die erheblichen, aber begrenzten Mittel, die in Deutschland für Gesundheit aufgebracht werden, so eingesetzt werden, dass das Wohl der Patienten bedarfsgerecht und in hoher Qualität erreicht wird? Dies war die Ausgangsfrage des neuen Gutachtens, das der Sachverständigenrat Gesundheit dem Bundesgesundheitsministerium zur Weiterleitung an den Bundestag und den Bundesrat übergab.


„Trotz vielfältiger Reformgesetze gibt es weiterhin – nebeneinander – Über-, Unter- und Fehlversorgung im deutschen Gesundheitssystem“, erklärte der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Prof. Ferdinand Gerlach. „Wir empfehlen, hier mit einem Bündel von Maßnahmen gegenzusteuern. Oberstes Ziel muss dabei das Wohl der Patientinnen und Patienten sein: nicht nur der gegenwärtigen, sondern auch der zukünftigen. Alle Versicherten müssen sich darauf verlassen können, dass ihnen im Krankheitsfall wirksam geholfen wird. Deshalb müssen die zur Verfügung stehenden Mittel gezielt und nachhaltig eingesetzt werden. Damit soll jeder eine Versorgung erhalten, die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, seinem objektiven Bedarf und in diesem Rahmen auch seiner informierten Entscheidung entspricht.“

Um dies zu erreichen, macht der Rat zahlreiche Steuerungsvorschläge insbesondere für das zukünftige Angebot von Kliniken und Praxen und für die Inanspruchnahme des Gesundheitswesens.

Anzustreben sei eine gezieltere Steuerung der Patienten bei Beachtung der Selbstbestimmung. Dabei sollen nach Auffassung des Sachverständigenrats vor allem qualifizierte Hausärzte eine Lotsenfunktion übernehmen. Auch müsse die sprechende, aufklärende Medizin gestärkt werden.

Der Rat empfiehlt des Weiteren die Weiterentwicklung der Krankenhausplanung und -finanzierung. Die Krankenhausvergütung müsse weiterentwickelt werden, um Fehlanreize in der Krankenhausversorgung abzubauen. Es sei ratsam, den Strukturfonds auszubauen. Der Bundesanteil solle aus Steuermitteln – statt durch den Gesundheitsfonds – getragen werden. Im Gegenzug solle der Bund eine koordinierende Rolle erhalten. Dazu sollen ein föderaler Krankenhausentwicklungsplan erarbeitet und eine Bund-Länder-Kommission für bundeslandübergreifende Aspekte eingerichtet werden. Außerdem solle das DRG-System modernisiert und um zusätzliche Vergütungskomponenten ergänzt werden.

In der vertragsärztlichen Versorgung sollen ein verändertes Nachbesetzungsverfahren und mögliche zeitliche Beschränkungen von bestimmten Arztsitzen Planungsdefizite vermeiden.

Für die Zukunft wird eine deutliche Weiterentwicklung der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit von Kliniken und Praxen gefordert: Ambulante und stationäre Planung sollen aus einer Hand und inhaltlich besser aufeinander abgestimmt erfolgen sowie sich stärker an konkret erforderlichen Leistungen orientieren. Bei der Honorierung sollte – unabhängig vom Ort der Leistungserbringung – ambulant wie stationär das Grundprinzip des gleichen Preises für gleiche Leistung gelten, so der Sachverständigenrat.