28. August 2018

ZVOS beim Behindertenbeauftragen Jürgen Dusel

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ZVOS-Hauptgeschäftsführer Oliver Dieckmann (l.) und der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel. (Foto: ZVOS)

Am 13. August 2018, kurz vor dem 100. Tag seiner Amtszeit, empfing Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, ZVOS-Hauptgeschäftsführer Oliver Dieckmann und Elisabeth Vogel, Leiterin Verbandskommunikation im ZVOS. Diskutiert wurden aktuelle Anliegen der Orthopädieschuhtechnik.

ZVOS-Hauptgeschäftsführer Oliver Dieckmann nutzte den Besuch, um gesundheitspolitische Anliegen der Orthopädieschuhtechnik zur Sprache zu bringen. So veranschaulichte er anhand zahlreicher Beispiele, warum die Gesundheitshandwerke ein Mitspracherecht beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) wie auch beim GKV-Spitzenverband erhalten sollten. Insbesondere bei der Fortschreibung der Produktgruppen sei die Expertise der Gesundheitshandwerke unerlässlich und nicht durch das Fachwissen anderer Berufsgruppen ersetzbar. Nur wenn die spezifische Sachkenntnis der Orthopädieschuhtechnik und anderer Gesundheitshandwerke hier berücksichtigt werde, könne das Wohl der Patienten in der Hilfsmittelversorgung gewährleistet werden, verdeutlichte Dieckmann.

Wie wichtig der Beitrag der Orthopädieschuhtechnik in der Hilfsmittelversorgung ist, machte Dieckmann auch am Beispiel des Diabetischen Fußes deutlich. In der interdisziplinären Zusammenarbeit leiste die Orthopädieschuhtechnik einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von Amputationen. Da Diabetes-Patienten ihren Blutzucker mit sportlichen Aktivitäten positiv beeinflussen können, der Fuß gerade im Sport aber ausreichend geschützt sein müsse, sollte der Sportschuh für Diabetes-Patienten zu einer Kassenleistung werden, forderte der ZVOS-Hauptgeschäftsführer. Dabei sei es wichtig, dass der Schuh nicht nur individuell auf den Fuß des Patienten, sondern auch auf die von ihm betriebene Sportart abgestimmt sei.

Auch mit dem Hinweis, dass erblindete Diabetespatienten eine geeignete Schuhversorgung benötigen, um ihre Mobilität zu erhalten, stieß der ZVOS auf offene Ohren bei Jürgen Dusel. Der selbst schwer sehbeeinträchtigte Behindertenbeauftragte bekräftigte, wie wichtig es für blinde Menschen sei, mit den Füßen auch im Schuh möglichst viel ertasten zu können. Zudem habe er die Erfahrung gemacht, dass Schuhe von blinden Menschen durch das häufigere Anstoßen leiden können und schneller als üblich ausgetauscht werden müssten.

EU-Medizinprodukteverordnung: Interessen der Orthopädieschuhtechnik wahren
Oliver Dieckmann legte auch dar, dass die EU-Medizinprodukteverordnung in vielen Punkten eine personelle und finanzielle Überlastung kleiner und mittelständischer Betriebe bedeute. Auch inhaltlich würden die geforderten Risikomanagementsysteme und sonstigen Anforderungen die Orthopädieschuhtechnikbetriebe vor große Herausforderungen stellen. „Die damit einhergehenden Verpflichtungen sollten sich nur auf Hersteller beziehen, die Produkte mit höheren Risikoklassen auf den Markt bringen. Zudem sind die Bedingungen großer Medizinproduktehersteller mit denen kleiner Handwerksbetriebe nicht vergleichbar“, so die Auffassung des ZVOS-Hauptgeschäftsführers. „Sollten die Gesundheitshandwerke über Gebühr belastet werden, sind große Nachteile für Patienten und Menschen mit Behinderungen zu befürchten. Dies wäre für die Volksgesundheit unerträglich.“

Nachbesserungsbedarf beim HHVG
Ein Bestandteil des Gesprächs war auch möglicher Änderungsbedarf am Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG). Auch hier, betonte Dieckmann, sei eine Mitwirkungsmöglichkeit der Orthopädieschuhtechnik bei der Nachbesserung des Gesetzes im Interesse der Patientenversorgung. So stelle die vom ZVOS kritisierte Übermittlung der Mehrkosten an die Kostenträger für die Patienten eine Verletzung des Datenschutzes dar. Wichtig für Menschen, die auf Hilfsmittel angewiesen sind, sei es auch, auf eine Entbürokratisierung der Versorgung hinzuarbeiten und die derzeitige Marktmacht der Krankenkassen einzuschränken.

Arbeitsmöglichkeiten in der Orthopädieschuhtechnik
Der Behindertenbeauftragte freute sich zu hören, dass der Beruf des Orthopädieschuhmachers für behinderte Menschen offen steht, insbesondere auch über den Weg der Umschulung nach einem Unfall. Die Orthopädieschuhtechnik biete ein interessantes Arbeitsfeld, so Dusel. Und durch die in der Präqualifizierung geforderte Barrierefreiheit seien Orthopädieschuhtechnikbetriebe gesamtgesellschaftlich gesehen „weit vorne“.

Seit Mai 2018 ist Jürgen Dusel Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. Zuvor war der Volljurist Behindertenbeauftragter der Landesregierung in Brandenburg und hatte davor verschiedene Posten in der Landesverwaltung inne.

„Das Gespräch mit dem Behindertenbeauftragten war für uns sehr fruchtbar“, resümiert Oliver Dieckmann. Auch zu Dusels Vorgängerin im Amt, Verena Bentele, hatte der ZVOS bereits guten Kontakt gepflegt