14. November 2018

Leichter durch den Diabetes-Alltag - Forschungsprojekt "GlycoRec" abgeschlossen

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Diabetes-Management mit dem Smartphone: Prof. Stephan Weibelzahl demonstriert die GlycoRec-Benutzeroberfläche. (Foto: PFH)

Wie man Diabetes-Patienten per Smartphone im Alltag besser unterstützen kann, hat ein Forschungsverbund unter Koordination der PFH Private Hochschule Göttingen untersucht. Mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelten fünf Projektpartner das interaktive Bio-Life-Logging-System "GlycoRec", das individuelle Handlungsempfehlungen gibt.

Gemeinsam mit der PFH haben das Unternehmen Emperra E-Health Technologies aus Potsdam, das L3S Forschungszentrum an der Leibniz-Universität Hannover, die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden sowie das Deutsche Diabetes Zentrum drei Jahre lang im Rahmen des Projekts geforscht. In dieser Zeit hat das BMBF das Vorhaben mit 1,4 Millionen Euro gefördert. Nun veröffentlichten die Forschungspartner ihren Abschlussbericht.

"Viele Menschen mit Diabetes sind ständig in Sorge vor Über- oder Unterzuckerung. Sie empfinden es als mühsam, nach jeder Mahlzeit die Kohlenhydratmenge zu schätzen und unter Berücksichtigung aller Einflussfaktoren schließlich die für sie notwendige Insulinmenge zu berechnen. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass dabei Fehler unterlaufen", erklärt Wirtschaftspsychologe Prof. Dr. Stephan Weibelzahl von der PFH, der das Projekt leitete.

Tipps über drei smarte Schnittstellen
Abhilfe schafft GlycoRec (von "Glycose" und "Recommendation", also Empfehlung), indem es automatisch Patientendaten erfasst: Blutzuckerwerte werden vom Messgerät an das GlyoRec-System übertragen, ebenso verhält es sich mit den Verabreichungen aus dem Insulin-Pen. Ein Schrittzähler erfasst die Gehbewegungen. Und ihre Kohlenhydratmengen können die Patienten über das Smartphone mithilfe einer umfangreichen Mahlzeiten-Datenbank leicht eingeben. Auf Grundlage der so gesammelten Werte erhalten die Nutzer individuelle Handlungsempfehlungen, Tipps und Warnungen auf ihr Handy, eine Smart-Watch oder einen Smart-TV. Außerdem können sie auch jederzeit selbst Hilfestellung anfordern.

"Für Patienten, die bislang ein Diabetes-Tagebuch genutzt haben, wird der Umgang mit ihrer Krankheit leichter und sicherer", so Weibelzahl. Insbesondere unerfahrene Diabetes-Patienten, so fanden die Forscher in Tests heraus, können ihre Krankheit mit GlycoRec deutlich besser managen. Wer hingegen bereits routiniert mit seinem Diabetes umgeht, benötigt die Empfehlungen des Systems seltener. "Für die Akzeptanz ist es besonders wichtig, dass sich die Kontakthäufigkeit individuell auf die Bedürfnisse einstellen lässt. Außerdem haben uns die Praxistests gezeigt, welche Hinweise von welchen Nutzergruppen als hilfreich oder als überflüssig erachtet werden", erläutert Weibelzahl. All dies ist in die Entwicklung eines Prototyps, genannt Demonstrator, eingeflossen.

Praxisumsetzung folgt
Im nächsten Schritt treibt die Emperra GmbH das Projekt nun weiter bis zur Marktreife voran.Wann GlycoRec als Produkt erhältlich sein wird, ist allerdings noch nicht genau abzuschätzen, wie Weibelzahl anmerkt: "Auch wenn der Prototyp bereits voll funktionsfähig ist, sind für den Regelbetrieb noch zahlreiche Anpassungen notwendig."