27. Februar 2019

Dr. Günter Wellmitz verstorben

Dr. Günter Wellmitz

Er stammte aus einer Schuhmacherfamilie, war ausgebildeter Orthopädieschuhmacher und hielt diesem Handwerk auch die Treue, als er schon längst erfolgreicher Facharzt für Orthopädie war. Am 17. Januar 2019 ist Dr. Günter Wellmitz im Alter von 88 Jahren verstorben.

Günter Wellmitz war der älteste Sohn des Schuhmachermeisters Adolf Wellmitz und seiner Frau Elsbeth in Michendorf bei Berlin. Er wuchs in behüteten Verhältnissen auf, verbrachte aber die Jahre 1941 bis 1945 in Österreich, wohin in dieser Zeit ganze Schulklassen zum Schutz vor Bombenangriffen verschickt wurden. Nach der Rückkehr nach Berlin erlernte er das Schuhmacherhandwerk im elterlichen Betrieb und erwarb den Meistertitel in diesem Handwerk. Vorzeitig, aufgrund seiner mit Auszeichnung bestandenen Prüfung, besuchte er den Orthopädieschuhmacher- Meisterkurs schon 1948 und wurde in einer größeren Maßwerkstatt für Damen-Luxusschuhe als Werkmeister eingesetzt.

Hier entwickelte er die Abteilung für orthopädische Maßschuhe. In der Nachkriegszeit waren insbesondere schwere Deformitäten zu versorgen. Bei einem Mangel an Rohleisten mussten viele Leisten mit der Bandsäge und Fräse aus dem Holzklotz gestaltet werden. Insgesamt entstand so ein Leistenlager von nahe nahezu 2000 Leisten, die er überwiegend selbst herstellte.
Wellmitz Wunsch war die Vereinigung von handwerklichen Fertigkeiten und medizinischem Wissen, um das Verständnis zwischen Meistern und Fachärzten zu verbessern. Schon während der Meisterausbildung hatte er die Abendoberschule besuchte und das Abitur abgelegt.

Von  1952 bis 1957 studierte er Medizin an der Humboldt- Universität zu Berlin. Nach dem Staatsexamen und der Promotion arbeitete er vorerst in einem Kreiskrankenhaus mit Unfallschwerpunkt, bevor die Orthopädische Universitätsklinik der Charité für 23 Jahre seine klinische und wissenschaftliche Wirkungsstätte wurde. Die Anerkennung als Facharzt für Orthopädie, die facultas docendi und die Habilitation waren weitere Stationen seiner beruflichen Entwicklung. Über 130 Veröffentlichungen, vier Lehrbücher, drei Monographien und über 100 Kongressvorträge zeigen sein breites wissenschaftliches Spektrum.

Einen großen Teil seiner Zeit nahm sein Engagement für die Ausbildung von Orthopädieschuhmachermeistern ein. Von 1977 bis 1991 war er an der Bezirksakademie des Gesundheits- und Sozialwesens in Dresden als Facharzt für Orthopädie und Vorsitzender des Meisterprüfungsausschusses und der Berufskommission tätig. Zusammen mit Oberstudienrat OSM Ing. Werner Mackrodt und dem Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Orthopädieschuhmacher, OSM Georg Haase, hat er den Beruf zum medizinischen Ausbildungsberuf geführt. Sein Wirken für die Orthopädie-Schuhtechnik wurde gewürdigt mit dem Heinrich Meier-Preis und der Ehrennadel des Handwerks in Gold.

Nach der Wende arbeitete Wellmitz als Orthopäde im Haus der Gesundheit am Alexanderplatz in Berlin und übernahm Lehraufträge in Oldenburg, Potsdam und an der Humboldt-Universität in Berlin. Sein erlerntes Handwerk ließ ihn auch in späteren Jahren nicht los. Schon im Ruhestand leitete er noch für zwei Jahre eine Schwerbeschädigtenfürsorge und war Gutachter für den Medizinischen Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen. Über zwanzig Jahre lang war er wissenschaftlicher Berater und Gutachter für die Schelchen GmbH (Pedag) in Königs Wusterhausen für die Entwicklung von Schuhen und Einlagen als Beitrag zur Fußgesundheit.

Entsprechend seinem beruflichen Werdegang publizierte Dr. Wellmitz wesentliche Beiträge zu Themen der Orthopädietechnik, unter anderem über den Einsatz von Kunststoffen für flexible Übergänge bei Unterschenkelprothesen und -orthesen. Noch als Facharzt für Orthopädie beschrieb er spezielle Versorgungen, zum Beispiel bei spastischen Lähmungen sowie in der Fertigung leichter, modischer Schuhe für schwere Deformitäten. Mit seinen Fachbüchern hat Günter Wellmitz die Ausbildung in der Orthopädieschuhtechnik nachhaltig geprägt. Das gemeinsam mit Werner Mackrodt herausgegebene Buch „Der orthopädische Schuh“ und das später von ihm selbst herausgegebene „Orthopädietechnik – ein Lehrbuch für Orthopädieschuhmacher, Podologen, Orthopädisten und Orthopädietechniker“ haben viele Generationen von Handwerken auf ihrem Ausbildungsweg begleitet und ihnen das nötige Rüstzeug für ihren Beruf vermittelt.