03. Juli 2019

82 Prozent der GKV-Versicherten werden mehrkostenfrei mit Hilfsmitteln versorgt

Foto-Ruhrgebiet/fotolia

82 Prozent der GKV-Versicherten erhalten eine mehrkostenfreie Hilfsmittelversorgung durch die gesetzlichen Krankenkassen. Lediglich 18 Prozent zahlen durchschnittlich 118 Euro dazu. Zu diesem Ergebnis kommt der erste Bericht des GKV-Spitzenverbandes über die von GKV-Versicherten gezahlten Mehrkosten bei Hilfsmitteln. Dieser erscheint von nun an jährlich zum 30. Juni.

Für den Mehrkostenbericht wurden 85 Prozent der Abrechnungsdaten von Versorgungsfällen aus dem 2. Halbjahr 2018 ausgewertet. Diese Daten wurden kassenartenübergreifend und leistungserbringerneutral analysiert. Insgesamt handelt es sich um 15,3 Millionen Hilfsmittelversorgungen mit einem Ausgabevolumen rund 3,9 Milliarden Euro. Für 2,5 Millionen der geleisteten Hilfsmittelversorgungen – das sind 18 Prozent – wurden Mehrkosten um die 303 Millionen Euro dokumentiert. Das sind Mehrkosten, die in der Zeit von Juni bis Dezember 2018 von GKV-Versicherten aus eigener Tasche gezahlt wurden – 2/3 (rund 198 Millionen Euro) davon für Hörhilfen.

Für Einlagen wurden bei 49 Prozent der Versorgungen Mehrkosten erfasst (durchschnittliche Höhe je Versorgungsfall 35 €). In der PG 17 (Hilfsmittel zur Kompressionstherapie) wurden für 30 % der Versorgungen Mehrkosten erfasst (durchschnittliche Höhe je Versorgungsfall 23 €). Für 19 % der Versorgungen in der PG 05 (Bandagen) wurden Mehrkosten erfasst (durchschnittliche Höhe je Versorgungsfall 19 €). In der PG 23 (Orthesen/Schienen) waren es 8 % der Versorgungen (durchschnittliche Höhe der Mehrkosten je Versorgungsfall 20 €).

Der GKV-Spitzenverband gibt an, dass diese Daten durch fehlerhafte Angaben der Leistungserbringer verzerrt sein könnten: „Es ist nicht auszuschließen, dass in einzelnen Abrechnungen die gesetzliche Zuzahlung oder aber der Eigenteil der Versicherten fälschlicherweise als Mehrkosten ausgewiesen wurde. Da die Daten in der Regel manuell erfasst werden, kann es in Einzelfällen zudem zu Fehleingaben kommen.“ Der GKV-Spitzenverband geht jedoch davon aus, dass es in Zukunft zu einer besseren Datenqualität kommen wird, da die Angabe der Mehrkosten ab dem 01. Januar 2020 gemäß einer Änderung der Technischen Anlage 1 (Version 13) zu den Abrechnungsverfahren gemäß § 302 SGB V über ein Pflichtfeld erfolgen wird.

„Natürlich wird sich ein Teil unserer Versicherten auch weiterhin auf eigenen Wunsch für eine Versorgung mit Mehrkosten entscheiden. Wir wollen jedoch, dass diese Entscheidung für oder gegen Mehrkosten bewusst gefällt wird. Kassen und Leistungserbringer müssen somit ein mehrkostenfreies Angebot vertraglich sicherstellen und umfassend beraten. Unsere Versicherten möchten wir anregen, sich auch selbst stärker zu informieren“, so Gernot Kiefer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes. 

Hintergrund
Im April 2017 hatte der Gesetzgeber mit dem Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) mehrere neue Maßnahmen beschlossen, um die Versichertenrechte zu stärken. Seitdem sind die Kassen angehalten, in den Verträgen mit den Leistungserbringern eine hinreichende Anzahl von mehrkostenfreien Hilfsmitteln festzulegen. Die Leistungserbringer müssen GKV-Versicherten mehrkostenfreie Hilfsmittel anbieten und diese über ihren Versorgungsanspruch (Sachleistungsprinzip) informieren. Wünschen Versicherte eine zusätzliche Leistung außerhalb des Sachleistungsprinzips der GKV, sind die Leistungserbringer nunmehr verpflichtet, den Krankenkassen auch die Höhe der mit den Versicherten abgerechneten Mehrkosten mitzuteilen. 

Zum Mehrkosten-Bericht des GKV-Spitzenverbandes (PDF)