12. Dezember 2019

Ausbildungsplatznachfrage sinkt auf neuen Tiefstand

XtravaganT/AdobeStock

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Erstmals ist in Deutschland die Nachfrage nach dualen Ausbildungsplätzen unter die Zahl von 600.000 gefallen. Mit 598.800 jungen Menschen, die entweder einen Ausbildungsvertrag abschlossen oder aber noch auf Ausbildungsplatzsuche waren, lag die Nachfrage um 11.200 unter dem Vorjahreswert. Damit haben die seit 2016 wieder sinkenden Schulabgängerzahlen den Ausbildungsmarkt erreicht. Parallel zur gesunkenen Ausbildungsplatznachfrage ging 2019 auch die Zahl der neu abgeschlossenen dualen Ausbildungsverträge zurück. Mit 525.100 fiel sie um 6.300 niedriger aus als 2018.

Dies sind zentrale Ergebnisse der Analysen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Jahr 2019. Sie basieren auf der BIBB-Erhebung über neu abgeschlossene Ausbildungsverträge zum Stichtag 30. September sowie auf der Ausbildungsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Bereits zwischen 2016 und 2018 war laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Abgänger aus allgemeinbildenden Schulen um 43.400 gefallen. 2019 dürfte sie nach ersten Schätzungen nochmals um rund 7000 gesunken sein. Ausschlaggebend hierfür ist die demografische Entwicklung. Bislang konnten die daraus resultierenden Nachfragerückgänge nach dualer Berufsausbildung jedoch durch eine wachsende Ausbildungsnachfrage junger Geflüchteter kompensiert werden. 2019 stieg die Zahl der Geflüchteten, die sich bei der BA als Ausbildungsstellenbewerber registrieren ließen, aber nicht mehr an. Mit 38.100 verharrte sie in etwa auf dem Vorjahreswert.

Wie bereits in den Vorjahren blieben auch 2019 viele Betriebe und Jugendliche bei ihrer Suche auf dem Ausbildungsmarkt erfolglos. 53.100 (9,4 Prozent) aller von Betrieben angebotenen Ausbildungsplätze blieben unbesetzt, und rund 73.700 Jugendliche (12,3 Prozent) suchten vergeblich nach einem ihnen passend erscheinenden Ausbildungsplatz, darunter auch auffallend viele, knapp zwei Drittel, mit mittlerem Schulabschluss oder Studienberechtigung. Voneinander abweichende Vorstellungen der Betriebe und Jugendlichen, in welchen Berufen oder Regionen die Ausbildung stattfinden oder über welche Merkmale der jeweilige Ausbildungsvertragspartner verfügen soll, waren hierfür die Ursache.

2019 gelang es erstmals, die seit zehn Jahren stetig zunehmenden Passungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt nicht weiter anwachsen zu lassen, sondern zumindest auf das Niveau des Jahres 2017 zurückzudrängen. Dies trug mit dazu bei, dass 2019 die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vergleich zum Vorjahr weniger stark sank (-1,2 %) als die Zahl der Ausbildungsplatzangebote und der Ausbildungsplatznachfrage (jeweils -1,8 %).