05. Februar 2020

Runner’s World Laufsymposium mit vielen Neuheiten aus der Running-Szene

Fotos: Runner's World

Das bereits 7. Laufsymposium der Zeitschrift Runner’s World fand am 27. Januar im Rahmen der ISPO-Sportmesse in München statt. Wie schon bei den vergangenen Veranstaltungen erwies sich das Symposium wieder als wichtiger Treffpunkt der Laufszene, bei dem Hersteller ihre neuen Konzepte vorstellten und sie mit den Fachleuten aus der Branche diskutierten. Gegenüber den Vorjahren war die Zahl der Teilnehmer nochmals deutlich gestiegen.

„Wir leben in einer unglaublich spannenden und innovativen Zeit“, erklärte Urs Weber, Redakteur bei Runner’s World und Moderator des Symposiums gleich zu Beginn. Das Segment Running habe sich seit den siebziger Jahren, als Laufen zum Gesundheitssport wurde, eher langsam entwickelt. Erst in den letzten fünf Jahren habe die Entwicklung deutlich an Fahrt aufgenommen – ausgerechnet zu einer Zeit, als alte, scheinbar gesicherte Auffassungen über Laufschuhe begraben wurden. Urs Weber erinnerte an den Vortrag von Benno Nigg auf dem Laufsymposium 2015, auf dem dieser  erklärt hatte, dass die Konzepte Dämpfung und Pronationskontrolle wissenschaftlich nicht länger haltbar seien.

„Benno Nigg ließ uns damals mit einem Fragezeichen zurück“, erinnerte sich Weber. Als neue Konzepte habe er lediglich den  bevorzugten Bewegungspfad des Läufers und den Komfort des Schuhs als wichtigste Faktoren zur Vermeidung von Laufverletzungen angeboten. Daraus habe man folgern müssen, dass Laufschuhe offenbar die ganzen Jahre auf der Basis falscher Parameter verkauft wurden.

Die Ratlosigkeit von damals sei vorbei. „Heute haben wir Lösungen“, freute sich Weber zu verkünden. Neue, innovative Hersteller aber auch die etablierten Marken würden Konzepte entwickeln, die einen neuen Zugang zur Leistungsverbesserung und Verletzungsvermeidung bieten. Einige davon stellten ihre Neuheiten auf dem Laufsymposium vor.

Schuhe mit Bewegungssensoren und die App „Map my run“, die Daten zum Laufstil speichert und auswertet, hatte Under Armor schon 2019 vorgestellt. Die Weiterentwicklung bietet dem Läufer nun in Echtzeit Rückmeldungen zu seinem Laufstil, wie zum Beispiel der Schrittlänge oder dem Fußaufsatz. So kann er seinen Laufstil direkt korrigieren, wenn er den für ihn als optimal berechneten Bereich verlässt. Basis für die Berechnung sind zum einen Daten zu Alter, Geschlecht, Gewicht und Körpergröße sowie die Empfehlungen erfahrener Lauftrainer.

Andreas Moll vom Asics Innovationscenter stellte die Neuentwicklungen von Asics hinsichtlich der Laufeffizienz vor. Durch das Studium von Laufstilen und biomechanische Analysen hat Asics das Sprunggelenk als „Energiefresser“ in der Bewegung ausgemacht. Mit der neu entwickelten „Guidesole“, die in drei Modellen verbaut ist, soll die Auf- und Ab-Bewegung im Sprunggelenk reduziert und die Landung besser unter dem Körperschwerpunkt zentriert werden. Dadurch erhalte der Läufer mehr Vortrieb und ein ganz neues Rollgefühl.

Einen Schuh, der Verletzungen verhindern soll,  präsentierte Nike  mit dem neuen „Nike React Infinity Run“, dessen Material und Eigenschaften von Kylee Barton, Senior Footwear Director bei Nike, vorgestellt wurden. Ähnlich wie bei anderen Marken, wird auch hier ein Zwischensohlenmaterial eingesetzt, das gute Dämpfungseigenschaften mit hoher Rückstellkraft kombinieren soll. An der Ferse ist die Sohle etwas dicker für Dämpfung und Komfort, sowie etwas breiter für mehr Stabilität. Zusätzlich wurde die Laufsohle insgesamt, aber vor allem im Vorfußbereich abgerundet. Dies soll eine bessere Abrollung von der Ferse bis zu den Zehen ermöglichen.

Verhindert dieser Schuh tatsächlich Verletzungen? Das wurde in einer Studie des British Columbia Institute an 226 Probanden untersucht, die sich in einem zwölf Wochen dauernden Programm auf einen Halbmarathon vorbereiteten. Als Vergleichsschuh diente der Nike Air Zoom Structure 22. Als Verletzung galt, dass man drei oder mehr Trainingseinheiten verpasste. Bei der Auswertung zeigte. sich, dass die Träger des neuen React Infinity Run tatsächlich 52 Prozent weniger Verletzungen hatten als die Läufer im Vergleichsschuh.

Ganz der Nachhaltigkeit verschrieben hat sich die Marke Veja aus Frankreich, die 2004 von zwei jungen Betriebswirten mit dem Wunsch gegründet wurde, Schuhe ganz aus natürlichen Materialien wie organischer Baumwolle und Naturkautschuk herzustellen. Mittlerweile haben die beiden 4,5 Millionen Paar Schuhe verkauft. In München stellten sie ihren ersten Laufschuh vor, der zwar nicht komplett aber doch weitgehend aus natürlichen Materialien besteht.  

(ein ausführlicher Bericht über das Laufsymposium folgt in der Ausgabe 3/2020 der Orthopädieschuhtechnik).