09. April 2020

ANWR: Schnellkredit der Bundesregierung lässt kleine Händler außen vor

Frank Schuffelen (Foto: ANWR)

Trotz des neuen KfW Schnellkredit-Programms klafft noch immer eine große Lücke im Hilfsprogramm der Bundesregierung, kritisiert die ANWR Group. Rund 3 Millionen kleine Unternehmen in Deutschland würden noch immer durch das Raster fallen und seien nicht antragsberechtigt. „Wir brauchen dringend und schnell die Korrektur des KfW-Schnellkredit-Programms“, fordert Frank Schuffelen, Vorstandssprecher der ANWR Group. Er hofft auf den Bundestag, der die Vorlage in der Woche nach Ostern auf Basis einer entsprechenden Anpassung noch verabschieden muss.

„Ansonsten ist zu befürchten, dass viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen und vor allem die kleineren Innenstädte verwaisen, da die Vielfalt des Einzelhandels verloren geht“, warnt Schuffelen.

Die Direkthilfeprogramme der Länder, die der Bund für Soloselbständige mit 9.000 Euro und für Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten mit 15.000 Euro fördert, reichen für die meisten dieser mittelständischen Betriebe nicht aus, um die in der Krisenzeit bestehenden Kosten zu decken und die jetzt benötigte Sommerware zu finanzieren, erklärt die ANWR Group. Die Lager seien voll, die aktuelle Frühjahresware sei bezahlt, könne aber in diesem Jahr nicht mehr verkauft werden. Eine große Belastung würden zudem die Mietzahlungen darstellen. Die Händler könnten die  ausfallenden Umsätze durch eine unverschuldete Ladenschließung – bei weiterhin bestehenden Mietforderungen – auf Dauer nicht stemmen. Auch hier sieht die ANWR Group dringenden Unterstützungsbedarf. Neben der Politik sieht die Verbundgruppe gleichzeitig auch die Vermieter in der Pflicht, einen Teil der Last zu tragen. "Hier muss der Gesetzgeber schnell Rechtssicherheit schaffen", fordert die ANWR Group.

Viele Händler können KfW-Schnellkredit nicht nutzen
Der vergangene Woche von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte KfW-Schnellkredit mit einer 100-prozentigen Staatsabsicherung gilt für Unternehmen von 11 bis 249 Vollzeit-Mitarbeitern. Viele angeschlossenen Schuh-, Sport- und Lederwarenhändler in der ANWR Gruppe haben zwar 10 oder mehr Mitarbeiter, diese sind allerdings überwiegend in Teilzeit angestellt. Nach einschlägigen Statistiken fallen insgesamt rund 3 Millionen Unternehmen in Deutschland unter die Schwelle des Förderprogramms, so die ANWR Group. Frank Schuffelen kann die Beschränkung nicht nachvollziehen: „Es kann doch nicht sein, dass es nur daran scheitert, dass viele Händler keine 10 Vollzeitkräfte beschäftigen, weil eine effiziente Personaleinsatzplanung bei kleinen Geschäften im Einzelhandel dies nicht zulässt.“

Die ANWR Group fordert deshalb, die Mitarbeiterzahl-Untergrenze des KFW-Schnellkredit-Programms aufzuheben. Wenn ein Unternehmen bereits Soforthilfe bekommen habe, könne dieser Betrag entsprechend mit dem Betrag aus dem Schnellkredit-Programm verrechnet werden, um eine Doppelförderung zu vermeiden. Die EU-Kommission hatte bereits am vergangenen Freitag Nachbesserungen bei KfW-Krediten für betroffene Unternehmen genehmigt. Allerdings ohne eine zusätzliche Schwelle der Mitarbeiterzahl.