29. April 2020

Sicherung der Hilfsmittelversorgung: Verbände begrüßen Forderungskatalog von Roy Kühne


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Mehrere Verbände aus der Hilfsmittel- und Medizintechnik-Branche unterstützen die Forderungen des Gesundheitspolitikers Dr. Roy Kühne (CDU), die er in einem Positionspapier an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn übermittelt hat. Die Verbände sehen angesichts der Corona-Krise dringenden Handlungsbedarf, um die Situation der Leistungserbringer in der Hilfsmittelversorgung zu verbessern.

Mit dem finanziellen Rettungsschirm und weiteren unbürokratischen Schritten müsse sichergestellt werden, dass die Hilfsmittel-Leistungserbringer auch während der Pandemie ihrer für das Gesundheitssystem essentiellen Tätigkeit im üblichen Maß nachgehen zu können, erklären der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) und der Industrieverband Spectaris. Nur so könne eine Unterversorgung mit Hilfsmitteln vermieden und die gewohnt qualitativ hochwertige Hilfsmittelversorgung gewährleistet werden.

Wichtig sei auch die Forderung Kühnes, dass Leistungserbringer im Hilfsmittelbereich als systemrelevante Versorger eingestuft werden, die bei der Verteilung von Schutzausrüstungen vorrangig berücksichtigt werden. Für eine Hilfsmittelversorgung nah am Patienten, am Versicherten oder am Bewohner eines Pflegeheims müsse außerdem ein uneingeschränkter Zugang zu den Einrichtungen ermöglicht werden, bei dem zum Schutz aller besondere hygienische Anforderungen einzuhalten sind. Angesichts stark gestiegener Preise für Pflegemittel und Schutzausrüstungen müsse zudem die Vergütungspauschale auf ein auskömmliches Niveau angehoben werden. Ebenso wie Kühne stehen Spectaris und der BVMed der Beschlagnahmung von Hilfsmitteln sehr kritisch gegenüber. Eine stabile und sichere Versorgung sei nur möglich, wenn Lagerbestände der Hilfsmittel-Leistungserbringer unberührt blieben, so die beiden Verbände.

Sanitätshaus Aktuell AG und Reha-Service-Ring weisen darauf hin, dass es zur Sicherstellung der Versorgung mit medizinischen Hilfsmitteln eines ausreichenden Lagerbestands unter anderem von Sauerstoffkonzentratoren, Kranken- und Pflegebetten sowie Schutzausrüstung bedarf. Damit kein Versorgungsengpass auftritt, dürfe die ambulante Hilfsmittelversorgung nicht zugunsten der klinischen Versorgung ins Hintertreffen geraten. Die Bezugsquellen der Hilfsmittelversorger zugunsten stationärer Einrichtungen zu beschlagnahmen, käme einem Versorgungskollaps gleich. Sie begrüßen ausdrücklich die Forderungen Kühnes:

1. Einrichtung eines Schutzschirms für Hilfsmittelerbringer, um Liquiditätsengpässe aufzufangen
2. Anerkennung der Hilfsmittelerbringer als systemrelevante Versorger
3. Schutz der Bezugsquellen vor Beschlagnahmungen
4. Ermöglichung einer kontaktarmen Versorgung und Beratung durch Nutzung digitaler Tools wie Videotelefonie und Telemonitoring
5. Sicherstellung der Versorgung chronischer Wunden auf der Grundlage telemedizinischer Anamnese

„Wir nehmen die Gefahren durch das Coronavirus sehr ernst“, sagt Ben Bake, Vorstandschef der Sanitätshaus Aktuell AG, „mahnen aber davor, Menschen mit anderen, teilweise schwereren Erkrankungen, und mittelständische Hilfsmittelunternehmen, aufgrund nicht zu Ende gedachter Entscheidungen im Stich zu lassen.“ Sanitätshäuser seien bisher nicht von Ladenschließungen betroffen gewesen, würden durch die Corona-Krise dennoch große Umsatzeinbrüche verzeichnen, die insbesondere auf die Reduzierung oder gar Einstellung des Praxisbetriebs der Verordner zurückzuführen seien. Kurzarbeit, Kündigungen und sogar Betriebsschließungen aufgrund von Insolvenzen seien als Folgen zu erwarten.

„Hilfsmittelhersteller sind zentrale Säulen der ambulanten Versorgung. Diese kann jedoch nur sichergestellt werden, wenn die Belieferung des Marktes unter den jetzigen Bedingungen überhaupt möglich ist“, so Eurocom-Geschäftsführerin Oda Hagemeier. Eurocom begrüße den Appell von Dr. Roy Kühne, eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, und unterstütze seine Forderungen, die Hersteller als systemrelevante Versorger zu benennen. Auch den Vorschlag, die Einfuhr von Materialien, die zur Herstellung von Hilfsmitteln notwendig sind, durch ein ‚Fast-Track‘-Verfahren an den EU-Binnengrenzen zu erleichtern, unterstütze der Verband. "Die Sicherstellung der Versorgung mit Hilfsmitteln kann nur garantiert werden, wenn wir während und nach der Krise noch eine funktionierende herstellende Industrie haben“, so Oda Hagemeier.