01. Juli 2020

DDG fordert erneut Nationale Diabetesstrategie

freshidea/AdobeStock

Nachdem die politische Entscheidung über eine Nationale Diabetesstrategie jahrelang verschleppt worden sei, begrüßt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), dass mit den Beratungen im Bundestag am 2. Juli 2020 wieder Bewegung in eine mögliche Gesetzesinitiative kommt. "Wir brauchen ein gesamtgesellschaftliches Konzept, dass von Prävention über Forschung und Früherkennung bis hin zu fächer- und sektorenübergreifenden Versorgungskonzepten reicht“, fordert Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der DDG.

Nur eine solche Gesamtstrategie könne die stetig steigenden Diabeteserkrankungen in Deutschland aufhalten und gesamtgesellschaftliche Gesundheitsrisiken reduzieren. 

Deutschland hat mit rund sieben Millionen Betroffenen die zweithäufigste Diabetesrate in Europa. Jedes Jahr erkrankt über eine halbe Millionen Menschen neu an Diabetes. Für das Jahr 2040 gehen Schätzungen von 12 Millionen Betroffenen aus. Die WHO und die International Diabetes Federation (IDF) sprechen von einer Diabetes-Pandemie. „Das hängt auch damit zusammen, dass wir bis heute keinen politischen Rahmenplan gegen diese Volkskrankheit haben“, erklärt DDG-Präsidentin Prof. Dr. med. Monika Kellerer. „Während Länder wie Großbritannien, Finnland und Österreich bereits eigene nationale Strategien beschlossen und umgesetzt haben, existiert in Deutschland immer noch kein Konzept, wie wir die steigenden Erkrankungszahlen und zunehmend schlechte Versorgungssituation eindämmen können.“ Sie begrüßt daher den nächsten Schritt zu einer von der DDG lange geforderten Gesetzesinitiative für eine Nationale Diabetesstrategie am 2. Juli. „Wir hoffen, dass die Koalitionäre nun das Thema konsequent angehen und wir endlich die bereits seit Jahren existierenden WHO-Empfehlungen umsetzen können.“

Noch Anfang des Jahres drohte die Nationale Diabetesstrategie zu scheitern, da sich die Verantwortlichen aus der Regierungskoalition über Maßnahmen zur verbindlichen Zuckerreduktion in Lebensmitteln sowie ein Werbeverbot zuckerhaltiger Lebensmittel für Kinder nicht einigen konnten, berichtet die DDG. Dabei spiele eine gesunde Ernährung bei der Prävention von Diabetes eine entscheidende Rolle.

Die DDG appelliert an die Politiker, wesentliche Kernpunkte des Rahmenplans, den sie gemeinsam mit anderen Diabetes-Verbänden erstellt hat, unbedingt beizubehalten. „Insbesondere in der Versorgung und Nachwuchsförderung muss sich noch viel tun“, betont Kellerer, Ärztliche Direktorin des Zentrums für Innere Medizin I am Marienhospital Stuttgart. Die Zahl der Krankenhausbetten mit Schwerpunkt „Endokrinologie und Diabetologie“ habe sich im Gegensatz zu fast allen anderen internistischen Schwerpunkten in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch reduziert. Gleichzeitig sinke die Zahl der klinischen Lehrstühle für Diabetologie mit Direktionsrecht rasant. An den derzeit 37 staatlichen medizinischen Fakultäten in Deutschland sei das Fach nur noch mit acht bettenführenden Lehrstühlen repräsentiert. Diese Entwicklung gefährde die Sicherstellung des medizinischen Nachwuchses, weil Medizinstudierende und Auszubildende in anderen medizinischen Fachberufen mit dem Fachgebiet „Diabetes“ zu wenig in Kontakt kommen. Ebenso müsste der Ausbau der digitalen Versorgungsangebote insbesondere in den strukturschwachen Regionen vorangetrieben werden, mahnt die DDG an. "All dies fehlt in dem aktuellen Gesetzesentwurf", so die Fachgesellschaft.

Dabei könne  eine flächendeckende, qualitativ hochwertige diabetologische Versorgung Komplikationen und Folgeerkrankungen einer Diabetes-Erkrankung vermeiden und so beispielsweise die in Deutschland hohen Zahlen an diabetesbedingten Dialysen, Gefäßkomplikationen und Amputationen und letztendlich auch die hohe diabetesbedingte Mortalität senken, betont die DDG. Ein zu spät diagnostizierter und nicht adäquat behandelter Diabetes verkürze die Lebenszeit um etwa sechs Jahre. „Bei Millionen Betroffenen wirkt sich das nicht zuletzt auch auf die gesamtgesellschaftlichen Kosten aus. Derzeit beansprucht die Versorgung der Diabetespatientinnen und -patienten inklusive ihrer Begleit- und Folgeerkrankungen jährlich über 21 Milliarden Euro“, so Bitzer.