01. Juli 2020

ZVOS: Hilfsmittelbranche hält zusammen

Uwe Branscheidt (l), Landesinnungsmeister Sachsen, und ZVOS-Präsident Stephan Jehring (r). Branscheidt wurde bei der Mitglieder­versammlung des ZVOS neu in den Vorstand gewählt. Foto: C. Maurer Fachmedien

Anzeige

Über eine gute Zusammenarbeit in der Hilfsmittelbranche während der Corona-Krise konnte ZVOS-Präsident Stephan Jehring bei der Mitgliederversammlung des Zentralverband Orthopädieschuhtechnik (ZVOS) am 26. Juni in Hannover berichten. Dennoch stehe die Branche vor großen Herausforderungen.

Schon im März, gleich nach Ausbruch der Pandemie, hätten sich die zehn größten Verbände im Hilfsmittelbereich zusammengeschlossen. „Es ist einmalig, dass die Zusammenarbeit so gut geklappt hat und alle an einem Strang ziehen“, berichtete Jehring über die Arbeit in der eigens gegründeten Task Force Covid 19. Die Branche habe mit einer Stimme gesprochen. 

Erfolgreich waren die Hilfsmittelverbände zum Beispiel mit ihrem Memorandum zur Medizinprodukteverordnung (MDR), deren Start um ein Jahr verschoben wurde. „Es ist nicht aufgehoben, aber Sie haben mehr Zeit für die Umsetzung“, so Jehring. Das für die MDR nötige Risikomanagement für die Produktgruppen Einlagen und Schuhe sei fast komplett. Wenn alles fertig gestellt sei, werde der ZVOS es den Betrieben zur Verfügung stellen. Dazu werde es auch Informationsveranstaltungen geben.

Die Task Force zu Covid 19 habe viel erreicht, erklärte Jehring, doch leider sei es letztlich nicht gelungen, dass die Branche, wie andere Bereiche, einen finanziellen Schutzschirm erhält. Aus dem Gesundheitsministerium sei zu hören gewesen, dass es die Branche nicht gefährde, wenn einige Wochen mal weniger zu tun sei. Den Zahlen entspreche dies nicht, so Jehring. Auch wenn die Umsatzzahlen wieder langsam nach oben gingen, sei die Krise für die Betriebe noch nicht ausgestanden. „Wir werden auch diese Krise überleben“, zeigte sich Jehring dennoch zuversichtlich, unterstrich aber gleichzeitig die Notwendigkeit, dass sich die Hilfsmittelbranche bei der Politik und auch in der Öffentlichkeit mehr Gehör verschaffen ­müsse – auch um in Situationen wie dieser künftig mehr finanzielle Unterstützung zu erhalten.

Uwe Branscheidt neu im Vorstand
Neu in den Vorstand gewählt wurde Uwe Branscheidt, Landesinnungsmeister aus Sachsen. Ferdinand Weber hatte auf eigenen Wunsch den Vorstand verlassen, so dass eine Nachwahl nötig wurde. Uwe Branscheidt wird sich, wie schon bei seinem vorigen Engagement im Vorstand, vor allem um das Vertragswesen kümmern. Dazu will er einen Vertragsausschuss aufbauen, der für den ZVOS die Verträge verhandelt. Dabei will Branscheidt immer auch mit anderen Innungen zusammenarbeiten und sich mit ihnen abstimmen.

Neues Baumuster für Sicherheitsschuhe
Stephan Jehring berichtete vom Baumuster für orthopädische Sicherheitsschuhe, das der ZVOS erneuern wollte. Bei der Prüfung habe allerdings die Vorderkappe den Belastungen nicht standgehalten. Nach Rücksprache mit der DGUV könne allerdings das alte Baumuster bis zum Jahresende verwendet werden. Für die Entwicklung eines neuen Baumusters sei eine Arbeitsgruppe gebildet worden. Es soll so aufgesetzt werden, dass sich damit möglichst alle schweren Fälle lösen lassen. Das neue Baumuster soll den Betrieben mehr Flexibilität in der Versorgung bieten und bis Mitte 2021 fertiggestellt und geprüft sein. Dazu soll es dann auch eine neue Kalkula­tion geben, so Jehring.

Kompetenzzentren haben die Förderzusage
„Es ist endlich gelungen, die Arbeit der vielen Jahre zu einem positiven Ende zu bekommen. Alle drei Kompetenzzentren haben die Zuwendungszusage erhalten“, berichtete Roland Stegemann, Schulleiter der Meisterschule in Siebenlehn. Nun könne man mit dem Aufbau beginnen.

Stegemann warnte jedoch davor, sich als Förderer jetzt aus der Finanzierung des Vereins Bildungs- und ­Forschungsmanagement (BiFo) zurückzuziehen. Ein Viertel der bewilligten Fördermittel für die Kompetenzzentren müsse der ­BiFo selbst aufbringen, betonte er. Diese könnten die Schulen, welche die drei Kompetenzzentren betreiben, nicht ­alleine stemmen. Eine Unterstützung des BiFo sei deshalb weiterhin nötig.

Geschäftsführerin Jessica Kuhn berichtete, dass seit dem 1. Mai das Sekretariat wieder besetzt ist und durch ­eine 450-Euro-Kraft unterstützt werden soll. Perspektivisch soll die Geschäftsstelle noch um eine weitere qualifizierte Person erweitert werden. Räumlich hat sich die Geschäftsstelle verkleinert, was Kosten spare, so Jessica Kuhn. Auch ­seien einige Verträge gekündigt worden, was die Ausgaben des ZVOS verringere. Eine Beitragserhöhung für den ZVOS war dennoch nötig, sie wurde von den Delegierten einstimmig beschlossen.

Höhere Gebühren will der ZVOS für die Vergabe und für Zertifikate für Fortbildungspunkte erheben, berichtete Vorstandsmitglied Birgit Funk-Kleinknecht. Nach den bisherigen, seit 2010 geltenden Gebühren rechne sich der Aufwand nicht. Die Mitgliederversammlung beschloss deshalb, die Gebühren für die Akkreditierung und die Ausstellung von Zertifikaten anzuheben.

Neue Produktgruppe Diabetes geplant
Bei der Fortschreibung der Produktgruppen Einlagen (08) und Schuhe (31) im Hilfsmittelverzeichnis will der ZVOS wieder eng mit anderen Verbänden und Innungen zusammenarbeiten und sich bezüglich der Vorschläge und Forderungen abstimmen. Zu den häufig kritisierten Regelungen in der PG 31 zur Diabetesversorgung gab es inzwischen ein gemeinsames ­Treffen mit der AG Diabetischer Fuß beim GKV-Spitzenverband. „Das war ein sehr gutes, positives Gespräch“, berichtete Vorstandsmitglied Thomas Ehrle. Er konnte auch berichten, dass für die Diabetesversorgung eine eigene Produktgruppe geplant sei. Dort sollen die Versorgungs- und Präqualifizierungsrichtlinien definiert werden.