12. August 2020

Physiotherapeuten fordern 50,13 Prozent mehr Vergütung

Foto: zynkevych/fotolia

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50,13 Prozent mehr Vergütung fordern der Deutsche Verband für Physiotherapie (ZVK) und drei weitere physiotherapeutische Verbände in den aktuellen Verhandlungen mit dem GKV-Spitzenverband. Bei der wirtschaftlichen Aufwertung der Physiotherapie gehe es in erster Linie um die Qualität des physiotherapeutischen Behandlungsprozesses und um einen deutlichen Mehrwert für die Patientenversorgung, so der ZVK.

„Wir fordern mehr Zeit für die Behandlung des Patienten und eine zusätzliche Vergütung für bislang nicht vergütete Bestandteile der physiotherapeutischen Behandlung wie zum Beispiel der physiotherapeutischen Diagnostik“, erklärt Andrea Rädlein, Vorsitzende des Deutschen Verbandes für Physiotherapie.

Anfang August hatten die Verbände beim ersten Aufeinandertreffen zum Thema Vergütung den Kostenträgern die Ergebnisse aus der Wirtschaftlichkeitsanalyse ambulanter Therapiepraxen (WAT-Gutachten) vorgestellt und unter Berücksichtigung der am 1. Juli 2019 in Kraft getretenen Bundeshöchstpreise ihre Forderung berechnet. 

Der Deutsche Verband für Physiotherapie weist darauf hin, dass zu einer physiotherapeutischen Behandlungseinheit neben der Behandlung selbst folgende Tätigkeiten gehören:

  • die physiotherapeutische Diagnostik (die eine ausführliche Anamnese beinhaltet, ein auf den Patienten angepasster Therapieplan erstellt wird und ein Gespräch mit dem Patienten über das angestrebte Therapieziel erfolgt),
  • die Erstellung der Verlaufsdokumentation,
  • die Kommunikation mit dem behandelnden Arzt,
  • die Erstellung eines Therapeuten-Arztberichtes,
  • der Einzug der Zuzahlung
  • die formale/inhaltliche Prüfung, ob die Verordnung gemäß den Vorgaben der Heilmittelrichtlinie ordnungsgemäß ausgestellt wurde
  • ggf. die Änderung/Ergänzung der fehlerhaften Verordnung durch den behandelnden Arzt.

Aktuell, so der Deutsche Verband für Physiotherapie, sehen die Vereinbarungen mit den Krankenkassen vor, dass eine physiotherapeutische Behandlungseinheit zwischen 15 und 25 Minuten dauern soll. Mit der Vergütung für diesen Zeitkorridor werden aktuell der zeitliche Aufwand für die Behandlung des Patienten und der zeitliche Aufwand aller dafür erforderlichen Vor- und Nacharbeiten von den Krankenkassen vergütet. Das führe dazu, dass die Patienten – bei ca.10 Minuten Vor- und Nachbereitungszeit – theoretisch lediglich 15 Minuten behandelt werden könnten. Der Verband weist darauf hin, dass unter der knappen Zeit in erster Linie die Patienten leiden.

Um Abhilfe zu schaffen und Fakten für die Verhandlung mit den Kostenträgern zu haben, ermittelten der ZVK gemeinsam mit den drei weiteren physiotherapeutischen Verbänden im Rahmen einer Expertenbefragung die durchschnittlichen Zeiten für die Vor- und Nachbereitung wie beispielsweise für die Unterstützung des Patienten beim An- und Auskleiden oder Hilfestellung beim An- oder Ablegen von Verbänden, bei Prothesen oder anderen Hilfsmitteln. Schon immer erforderlich, aber durch die Corona-Pandemie noch deutlich verstärkt, kommen hierzu noch spezielle Hygienemaßnahmen für den Therapeuten und die Räumlichkeiten. Das Ergebnis sei alarmierend für die Versorgungsqualität: Durchschnittlich 666 Sekunden – das entspricht etwa elf Minuten – Vor- und Nachbereitungszeit entstehen bei jeder einzelnen Behandlung. Unter dem Motto „Physiotherapie ist mehr wert“ fordert der Deutsche Verband für Physiotherapie hier ein Umdenken von den Kostenträgern.

„Mit dieser Analyse liegen uns erstmals konkrete Zahlen zum Arbeitsaufwand vor. Diese müssen sich in der Leistungsbeschreibung – mit Blick auf längere Behandlungszeiten - sowie in entsprechenden Leistungspositionen wie beispielsweise der physiotherapeutischen Diagnostik oder der Erstellung eines Therapieberichts widerspiegeln. In diesen Verhandlungen verknüpfen wir deshalb unsere Vergütungsforderungen mit einem deutlichen Mehrwert für die Versorgung unserer Patienten“, betont Andrea Rädlein den Handlungsdruck auf Seiten der Kostenträger.