04. November 2020

OTWorld.connect feiert erfolgreiche Premiere

Alf Reuter (Foto: OTWorld)

Vom 27. bis 29. Oktober 2020 fand erstmals die OTWorld.connect statt. Das Alternativangebot zu Messe und Kongress in Leipzig, die beide pandemiebedingt nicht vor Ort stattfinden konnten, bot einen komplett digitalen Kongress mit Teilnehmern aus 82 Ländern und eine Online-Messe mit 52 Unternehmen.

Mit vielen interaktiven Formaten kam die Branchenplattform für Prothetik, Orthetik, Orthopädieschuhtechnik, Kompressionstherapie und individuelle Reha-Technik, dem großen Bedürfnis nach Austausch entgegen. Der zweisprachige Weltkongress mit 250 Beiträgen aus über 20 Ländern rückte die qualitätsgesicherte Versorgung mit Hilfsmitteln in den Fokus. Vier virtuelle Kongressräume standen den Teilnehmern für den virtuellen Austausch auf dem Weltkongress zur Verfügung. Der Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik (BIV-OT), lud zu international besetzten Podien und Gesprächsrunden ein. Teilnehmer hatten zudem die Möglichkeit in neu entwickelten Innovation-Showrooms die Produktwelten von 52 Unternehmen aus 15 Ländern zu besuchen. Digitale Workshops ermöglichten zusätzlich den praxisbezogenen interaktiven Austausch.

„Die OTWorld.connect hat uns ein tolles Versuchslabor für neue Formate eröffnet“, betont Alf Reuter, Präsident des Bundesinnungsverbands für Orthopädie-Technik (BIV-OT). „Wir sind begeistert, wie gut diese digitale Premiere gemeinsam mit unserem Partner Leipziger Messe GmbH gelungen ist. Man habe in der Corona-Krise „ein großes Zeichen setzen wollen“ mit dieser Sonderausgabe der OTWorld. Das sei gelungen, so Reuter: „Wir sind Handwerker – wir können digital. Deshalb werden uns etliche der neuen virtuellen Möglichkeiten auch in Zukunft begleiten. Der Digitalzug rollt und ist nicht mehr aufzuhalten!“

„Digital und Patientennähe sind kein Widerspruch“, konstatierte Prof. Hans Georg Näder, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Ottobock SE & Co. KGaA. Er bezeichnete die Pandemie als Treiber der digitalen Transformation der Branche, der Technischen Orthopädie, die mehr Zeit für die Patienten bringen könne. Schlussendlich müssen aber qualifizierte Fachleute die Verantwortung für die medizinisch-technischen Versorgungskonzepte übernehmen, wie BIV-OT-Präsident Reuter hervorhob. In Deutschland sei dies der Meister/die Meisterin. Der körpernahe Kontakt sei für die individuelle Versorgung unerlässlich, so müsse beispielsweise bei Anpassung und Kontrolle Hand angelegt werden – „hier hört Digitalisierung auf.“

#systemrelevant: Geschlossenheit beweisen
Der Schulterschluss der Branche wurde auf der OTWorld.connect in zahlreichen branchenpolitischen Foren betont. Die orthopädietechnischen Werkstätten und Sanitätshäuser müssten sich insgesamt noch stärker durchsetzen im vielstimmigen Chor des Gesundheitswesens, so der Tenor. Vor allem zu Beginn der Corona-Krise sei nicht bei allen angekommen, wie systemrelevant Hilfsmittelversorgung sei. „Wir sind wahrgenommen worden, aber ich glaube, dass wir nicht laut genug sind“, so BIV-OT-Präsident Reuter. „Die Krise hat uns gezwungen, unsere Betriebe und Verbände neu aufzustellen. Es hat in unserem Fach noch nie eine solche Einigkeit gegeben – das müssen wir nutzen. Wir gehen gestärkt aus der Krise hervor.“ Ein Ergebnis der Gespräche auf der OTWorld.connect sei, dass man seine Forderungen gemeinsam fokussiere und noch zielgerichteter an die Politik herantrete. Ob bislang fehlende Erstattung für persönliche Schutzausrüstung oder garantierter Zugang zu den Patientinnen und Patienten in Kliniken und Pflegeeinrichtungen: „Hier muss sich die Politik bewegen und wir müssen offiziell als systemrelevante Branche anerkannt werden!“

Nicht zuletzt gehörte der Bürokratieabbau zu den immer wieder erhobenen Kernforderungen auf der OTWorld.connect. Der zunehmende Preisdruck wurde ebenfalls thematisiert – verbunden mit dem Appell an Kostenträger und Politik nach einem Qualitäts- statt Preiswettbewerb und der Sicherung einer flächendeckenden Versorgung. Rückhalt kam dabei aus der Politik. So erklärte Dr. Roy Kühne, MdB, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und zuständiger Berichterstatter für Hilfsmittel der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, am letzten Tag der Veranstaltung im Rahmen der branchenpolitischen Foren des BIV-OT: „Hilfsmittel müssen überall verfügbar sein, flächendeckend. Sie sind ein wertvoller Bestandteil der Versorgung.“