15. Dezember 2020

Endoprothesenregister Deutschland veröffentlicht erstmals Patienteninformation

Foto: Juliane Martens/AdobeStock

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Das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) sammelt und analysiert seit 2012 Operationsdaten der Krankenhäuser sowie Daten der Krankenkassen und der Implantathersteller: Ziel ist eine kontinuierliche Qualitätsmessung und -darstellung der endoprothetischen Hüft- und Knieversorgung in Deutschland. Nun wurden erstmals Ergebnisse der Datenauswertungen in einer Patienteninformation dargestellt.

Dr. Andreas Hey, Geschäftsführer der EPRD gGmbH, erklärt: „Es war uns wichtig, einen Teil unserer umfangreichen Datenauswertungen laienverständlich für die Patienten und Patientinnen aufzubereiten. Denn für ihre Versorgung mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken ist das EPRD gegründet worden. Wir streben neben dem systematischen Monitoring der Versorgung auch die Aufklärung der Patienten durch unsere Daten an. Wir möchten sie mit der EPRD-Patienteninformation in die Lage versetzen, informierte Entscheidungen gemeinsam mit ihrem Arzt zu treffen.“

Neben den bislang veröffentlichten ausführlichen Jahresberichten bietet die neue Patienteninformation statistische Daten und Fakten zur Inzidenz, Aufschluss über die am häufigsten verwendeten Prothesentypen und Verankerungen, Erläuterungen zu den Prothesenkomponenten sowie den häufigsten Gründen für eine Wechseloperation.

Teilprothesen bei Knieimplantaten mit höherer Ausfallwahrscheinlichkeit
Im Jahr 2019 wurden insgesamt 157.681 Hüfterstimplantationen im EPRD erfasst. In mehr als 90 Prozent dieser Fälle wurde dabei eine Totalendoprothese eingesetzt. Weit seltener kommt die Hemiendoprothese – also eine Teilendoprothese – zum Einsatz. Sie wird nur in etwa zehn Prozent aller Operationen – vor allem bei Schenkelhalsbrüchen – benutzt. Bei den Knieendoprothesen stellt sich das Verhältnis 86:14 dar und es lässt sich ein Trend zu sogenannten unikondylären Versorgungsformen, bei denen nur ein Teil des Kniegelenks ersetzt wird, feststellen. Sie machen inzwischen 14 Prozent der in 2019 erfassten 124.677 Knieerstimplantationen aus. Allerdings gestalten sich die Ausfallrisiken nach vier Jahren bei den unikondylären Prothesen fast doppelt so hoch wie bei den Knietotalendoprothesen.

Durchschnittlicher BMI > 30 bei rund der Hälfte der Patienten mit Kniegelenkersatz
Untersucht wurden in dem Berichtsjahr auch patientenbezogene Risikofaktoren, die sich auf die Dauer des Verbleibs im menschlichen Körper, die sogenannte „Implantatstandzeit“, auswirken. Demnach beeinflussen Faktoren wie Alter, Geschlecht, BMI und Begleiterkrankungen die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Implantats signifikant.

Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt beim Body-Mass-Index (BMI): Der BMI eines Normalgewichtigen bewegt sich zwischen 18,5 und 24,9. Frauen und Männer, die erstmalig ein Hüftimplantat erhalten, weisen im Schnitt einen BMI von 27 auf. Einen noch höheren BMI haben Patienten, die ein Knieimplantat benötigen: Er liegt bei durchschnittlich 30. Diese Zahlen untermauern den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Abnutzungserscheinungen – insbesondere am Kniegelenk. Ein weiteres Ergebnis der Datenauswertungen ist: Männer haben bei der Erstimplantation eines künstlichen Hüft- und Kniegelenks ein höheres Risiko für eine Wechseloperation als Frauen, und Vorerkrankungen wie Diabetes oder auch Depressionen wirken sich ebenfalls auf die Implantatstandzeit aus.

Das EPRD erreicht laut Jahresbericht 2020 eine Abdeckungsquote von 70 Prozent der endoprothetischen Versorgung in Deutschland. Basis sind die mehr als 315.000 Dokumentationen, die 2019 von den Kliniken ans Register übermittelt wurden. Mit Stand November 2020 wurden insgesamt mehr als 1,6 Millionen Datensätze erfasst. Die Publikation enthält zentrale Ergebnisse der Datenauswertung aus dem Jahresbericht 2020.

Weitere Informationen:
EPRD-Jahresbericht 2020
EPRD-Patienteninformation 2020