16. Februar 2021

HDS/L: Lockdown bedroht die Existenz der Schuh- und Modehersteller

HDS/L-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert (Foto: HDS/L)

Angesichts des aktuellen Lockdowns steht die Existenz von 960 Unternehmen der deutschen Mode- und Schuhindustrie mit rund 96 000 Arbeitsplätzen auf dem Spiel, warnt der Bundesverbands der Schuh- und Lederwarenindustrie (HDS/L). Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert kritisiert die Entscheidungen der Bundesregierung aufs Schärfste: „In zahlreichen Krisengesprächen mit den politisch Verantwortlichen haben Vertreter der Mode- und Schuhindustrie die dramatische Lage geschildert. Den heimischen Herstellern bleibt dennoch der Zugang zur Anrechnung des Wertverlustes von Winter-Saisonware auf die Fixkosten verwehrt. Bundeswirtschafts- und Bundesfinanzministerium lassen die heimischen Hersteller im Stich.“

Der HDS/L vermisst Zukunftsperspektiven und eine angemessene Unterstützung. Manfred Junkert fordert: „Wer die Läden fast ein Vierteljahr schließt, hat die Verpflichtung, den Unternehmen zu helfen, die ihre Waren dort nicht mehr verkaufen können. Es darf nicht sein, dass die Corona-Pandemie ausgerechnet die mittelständischen Hersteller vernichtet, die hochwertige Schuhe, Taschen und Reisegepäck produzieren und die im In- und Ausland für gute Arbeitsplätze und weltweit anerkannte Umwelt- und Sozialstandards sorgen.“

"Durch die monatelange Schließung ist den Unternehmen des stationären Einzelhandels nicht nur das so wichtige Weihnachtsgeschäft weggebrochen. Finanzielle Mittel fehlen, was gravierende Folgen für die Order zur Saison Herbst/Winter 2021/22 hat. Viele Händler sind nicht in der Lage, neue Ware zu disponieren. Hinzu kommt, dass durch die Homeoffice-Vorgaben und Reisebeschränkungen wichtige Produktsegmente erhebliche Einbußen hinnehmen mussten und weiterhin müssen. Im Schuhbereich wurden und werden weniger anlassbezogene Business-Schuhe benötigt. Durch den Wegfall von Geschäfts- und Urlaubsreisen ist die Nachfrage nach Reisegepäck massiv eingebrochen", so der HDS/L. 

Für viele Unternehmen sei angesichts dessen eine Neuausrichtung notwendig. Die Produktentwickler in den betroffenen Unternehmen seien dazu gezwungen, sich neu aufstellen. "Für neue Produkte sind aber Investitionen und Kapital notwendig. Dieses Kapital fehlt, da die Industrie bei den Überbrückungshilfen nicht berücksichtigt wird", kritisiert der Verband. "Nicht zuletzt leiden auch die Export-Zahlen massiv unter der Pandemie. Umsatzeinbrüche mit bis zu 45 Prozent sind die Folge; die Branche wird Jahre brauchen, um sich von diesen Einbrüchen zu erholen."